06. Juli 2012, 18:13 Uhr

Jawort zwischen tausend duftenden Blüten

Bad Nauheim-Steinfurth (pm). »Eigentlich wollten wir ganz klein heiraten«, erzählt Denise Papenfuß. »Vormittags im engsten Kreis im Bad Nauheimer Rathaus, nächstes Jahr dann feierlich in der Kirche.« So war es fest geplant. Doch jetzt kommt alles anders: Das Steinfurther Paar wird sich am Freitag mit Sondererlaubnis der Stadt mitten in der Rosenschau das Jawort geben.
06. Juli 2012, 18:13 Uhr
Eine Rosenhochzeit feiern Denise Papenfuß und Markus Röhl am kommenden Freitag. (Foto: pv)

Das Datum 13. Juli fiel zufällig mit dem Rosenfest zusammen. »Mein Vater war entsetzt, wie man am Rosenfest heiraten kann«, sagt Papenfuß. »Er hat gleich gesagt, er müsse um 15 Uhr zur Eröffnung wieder in Steinfurth sein.« Aber das sollte kein Problem werden, denn nach der Trauung war sowieso ein Besuch des Rosenfests angedacht. Doch dann kam ein überraschendes Angebot der Stadt: Das Paar darf exklusiv im Rosensaal heiraten oder – wenn das Wetter mitspielt – im illuminierten Rosengarten des Gebäudes.

Der Anruf der zuständigen Standesbeamtin Ingrid Opper hat die Planung der künftige Eheleute über den Haufen geworfen. Sie unterbreitete den Verlobten das Angebot, die standesamtliche Trauung inmitten von tausend Blüten zu vollziehen, entweder im Rosengarten oder im fürs Rosenfest geschmückten Saal. Das Paar wird mit einer Limousine zu Hause abgeholt, durch Bad Nauheim chauffiert und am Rosensaal abgesetzt. Die Braut erhält einen üppigen Brautstrauß, selbstverständlich aus Rosen. Für die Blumenmädchen werden außerdem Rosenblätter sowie Haarreife mit Rosenblüten zur Verfügung gestellt. Eine richtig romantische Rosen-Hochzeit also für eine Steinfurtherin, der die Verbindung zur Königin der Blumen quasi in die Wiege gelegt wurde.

Denise Papenfuß musste nicht lange überlegen: »Das ist einmalig, das ist einfach der Wahnsinn.« Ihr Verlobter Markus Röhl, der aus Gießen stammt, sagte dagegen nicht sofort Ja zu der Idee: »Ich hatte eine Bedingung – es muss persönlich bleiben.« Er wolle nicht, dass während des Jawortes die Presse neben ihm stehe. Also wurde vereinbart, dass die Trauung nicht öffentlich vollzogen wird, daher auch erst nach 22 Uhr, wenn die Rosenschau für Besucher geschlossen ist. »In diesem Rahmen habe ich zugestimmt«, sagt Röhl. »Warum sollte man da nicht zugreifen?«

Seine zukünftige Frau erzählt: »Wir haben alles eher funktionell geplant. Das fand ich zwar schade, aber wir sind eigentlich gerade voll damit beschäftigt, ein Haus zu bauen. Nun wird es doch anders, und ich bin happy.« Weniger glücklich waren zunächst ihre Trauzeuginnen. »Wir haben im Vorfeld gesagt, macht keinen Aufriss, wir heiraten ganz klein«, so Papenfuß weiter. »Und dann heißt es drei Wochen vorher plötzlich, die Trauung findet in der Rosenschau statt. Meine Freundinnen fragten sofort: ›Was soll ich denn nur anziehen?»« Nachdem das geklärt war, haben aber alle begeistert reagiert. Auch ihr Vater, dem die Braut mitteilte: »Keine Sorge, du kannst aufs Rosenfest.« Er sei sprachlos gewesen.

»Normalerweise gibt es in Bad Nauheim feste Trauorte, zwischen denen Paare wählen können«, erläutert Standesbeamtin Opper. »Die Trauung in der Rosenschau ist eine einmalige Sache, die wir deshalb möglich gemacht haben, weil so viele Komponenten hier zusammenkommen.« Das Thema der diesjährigen Jubiläums-Rosenschau, Brautschmuck, habe zunächst die Idee geliefert. Der Blick in den Kalender habe gezeigt, dass ein Heiratstermin am 13. Juli bereits seit Monaten feststand. »Zufälligerweise ist die Braut ein Steinfurther Mädchen, dessen Großvater Rosen gezüchtet hat.« So habe alles zusammengepasst. »Es ist eine einmalige Sache, und so nicht zu wiederholen«, betont Opper.

Für die Einmaligkeit sorgt auch das Grünberger Bildungszentrum Floristik, das für die Gestaltung der Rosenschau verantwortlich ist. Hauptthema der Rosenschau, die 1912 zum ersten Mal in Steinfurth veranstaltet wurde und somit ihr 100-jähriges Jubiläum feiert, ist Brautschmuck. Der geschäftsführende Gesellschafter Werner Paizdzior erklärt: »Wir wollen die Rosen auch anderen Generationen erschließen, das Thema Hochzeit ist gerade für junge Leute interessant.« Aus diesem Grund werde im Rosensaal eine wahre Hochzeitslandschaft geschaffen. Neben Tausenden Rosen in allen Farben, Formen und Duftnoten werde ein Bachlauf die feierliche Prozedur einer Hochzeit widerspiegeln.

Im Rosengarten werden Besucher eine Kutsche, einen Rolls Royce der 50er Jahre sowie einen »Youngtimer« vorfinden, alle passend zum Thema mit Rosen dekoriert. 16 verschiedene Brautsträuße werden ausgestellt und dürfen von den Besuchern bewertet werden. Jeder Teilnehmer hat die Chance, einen Gutschein für eine Übernachtung mit Frühstück für zwei Personen im Hotel Dolce in Bad Nauheim zu gewinnen.

Dass in diesem Ambiente nun tatsächlich eine Eheschließung vollzogen wird, findet Paizdzior: »Gigantisch! Wenn man etwas erschafft, das auch gelebt wird, ist das wunderbar.« Das Brautpaar werde sicher niemals vergessen, wie es zwischen tausend Rosen Ringe tauscht. Drei an der Zahl übrigens, denn neben Braut und Bräutigam erhält auch die sechsjährige Tochter von Denise Papenfuß den gleichen Ring. Eine gänzlich ungewöhnliche Hochzeit also, die leider der Öffentlichkeit verwehrt bleibt. Aber sicher finden Heiratswillige während der Rosenschau Anregungen für ihre eigene Traumhochzeit.

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