14. Oktober 2016, 18:53 Uhr

Beschlossene Sache: Neue Therme mit Anbindung

Bad Nauheim (bk). Klare Mehrheit, aber keine endgültige Klarheit: 32 Stadtverordnete votierten für einen Neubau der Therme mit der Option einer Anbindung ans Badehaus 2. Es gab zehn Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Nicht die bekannten Sachargumente sorgten für Interesse, sondern die Zwischentöne.
14. Oktober 2016, 18:53 Uhr
Hochfliegende Pläne: Die Therme (Mitte, hinten der Altbau) soll mit dem Badehaus 2 (davor) verbunden werden. (Foto: Red)

Mit dem Änderungsantrag, der im Gegensatz zur Forderung des Magistrats steht, setzte die UWG/CDU-Koalition am Donnerstagabend in der Trinkkuranlage ihr Konzept zum Bau eines neuen Thermalbads eindeutig durch. Die große Mehrheit kam zustande, weil sich die Sozialdemokraten diesem Modell anschlossen. Im Gegenzug nahmen die beiden größten Fraktionen eine Forderung der Sozialdemokraten als Punkt 6 in ihr Papier auf: Der Magistrat soll sofort mit Gesprächen beginnen, um einen neuen Standort für die städtische Spielstätte zu suchen. Das Theater Alte Feuerwache (TAF) wird von Anfang an Mitspracherecht haben.

Die neue Koalition bewies also Geschlossenheit bei diesem wichtigsten Projekt des nächsten Jahrzehnts. Wirklich? Die Debatte über das Pro und Kontra einer Anbindung ergab nichts Neues (WZ vom 8. Oktober), doch wer außer- und innerhalb des Sitzungssaals genau hinhörte, konnte das Grummeln der FW/UWG hören. Gab es da nicht das Wahlversprechen eines Neubaus ohne Anbindung? Sind die Freien Wähler damit nicht Wahlsieger geworden? Wedelt hier der Schwanz (CDU) mit dem Hund (UWG)? Bei der UWG regt sich Widerstand gegen den Kompromiss, den der Koalitionspartner den Freien abgerungen hat. Das musste Fraktionschef Markus Philipp in seiner Rede berücksichtigen – er traf den richtigen Ton. Philipp verwies auf den Antragspassus, in dem der Magistrat beauftragt wird, mit der Stiftung Sprudelhof darüber zu sprechen, unter welchen Voraussetzungen eine Anbindung möglich ist. Philipp: »Die Betonung liegt auf möglich. Ob sie tatsächlich kommt, wird sich in den Gesprächen zeigen.«

Der Koalitionspartner überhörte diese Zwischentöne. »Der Antrag gibt einen klaren Weg vor. Die CDU will die Anbindung der Therme an den Sprudelhof«, betonte Fraktionsvorsitzender Manfred Jordis. Er muss dazu nicht nur die UWG bei der Stange halten, sondern auch seinen Kampf gegen Bürgermeister Armin Häuser fortsetzen. Von »Parteifreunden« zu sprechen, wäre bei diesen beiden ein Hohn. Der hauptamtliche Magistrat soll, so Jordis, »nicht mehr blockieren, keine falschen Gutachten vorlegen und endlich konstruktiv mitarbeiten«. Häusers trockene Replik: »Eine Unverschämtheit«.

Pikant ist diese CDU-interne Dauerfehde, weil es Häusers Aufgabe ist, mit der Stiftung über die Bedingungen einer Anbindung des Badehauses an die Therme zu verhandeln. Ein Mann, der am Donnerstagabend in einer äußert engagierten Rede mehr als deutlich machte, dass er von diesem Konzept nichts, aber auch gar nichts hält. Liegen die Ergebnisse dann vor, könnte die UWG querschießen, die Bedingungen schlicht als nicht gut genug für die Stadt abqualifizieren. Unter Dach und Fach ist die beschlossene Neubau-Regelung also noch lange nicht, aus politischen, zwischenmenschlichen, rechtlichen und denkmalschützerischen Gründen.

Klarheit gab es für die zahlreichen TAF-Mitglieder in den vollständig besetzten Zuhörerrängen des Konzertsaals. Alle Redner lobten Arbeit und Engagement des Theatervereins. Er soll das Badehaus trotzdem verlassen, um woanders eine bessere Spielstätte zu erhalten. Das entspricht keineswegs den Wünschen des TAF. Passend zum Abstimmungsergebnis verteilte Fördervereinsvorsitzender Robert Garmeister eine Programmbroschüre. Titel: »Der Tragödie erster Teil«.

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