04. Juli 2016, 20:23 Uhr

Ungewöhnliches Engagement für den Rosenkorso

Bad Nauheim (bk). Es war nur eine Schnapsidee, die Lukas Clotz und seine Freunde vor sechs Jahren entwickelten: »Wir könnten mal einen Rosenkorso-Prunkwagen gestalten und ins Rennen schicken.« Im Herbst 2015 ist aus dem verrückten Einfall plötzlich Ernst geworden.
04. Juli 2016, 20:23 Uhr
»Freunde Steinfurths n. e. V.«: Die Hälfte des harten Kerns ist zum Arbeitseinsatz zusammengekommen. (Foto: Nici Merz)

Lukas Clotz und seine elf Freunde, die den harten Kern der Truppe bilden, betreten völliges Neuland. Seit Urzeiten werden die Prunkwagen für den Rosenfest-Korso nur von den Ortsvereinen gebaut. Aktive Mitglieder entwickeln Ideen, die meist Märchen oder Filmen entliehen sind, und machen sich an die Umsetzung. Kurz vor dem Festsonntag werden die Gefährte mit jeweils 20 000 Rosenblüten prachtvoll geschmückt.

Doch in diesem Jahr, bei der 45. Auflage des deutschlandweit bekannten Volksfests, ist alles anders. Korso-Organisator Helmut Falk glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als er den Anruf von Lukas Clotz erhielt. Der 26-Jährige kündigte den Beitrag des Dutzends an. »Helmut Falk hat uns mit offenen Armen empfangen, als wir die Einzelheiten besprochen haben. Er hat jegliche Unterstützung zugesagt«, erzählt der Betriebswirt.

Schweißtreibende Arbeit

Die jungen Leute stammen zwar zum Großteil aus dem Rosendorf, treten aber nicht als Vereinsgruppe auf. »Wir haben uns ›Freunde Steinfurths n. e. V.» genannt«, sagt der 26-Jährige lachend. Das »n. e. V.« steht für »nicht eingetragener Verein«. Falks Begeisterung für die Neulinge ist verständlich, wird es doch immer schwerer, genügend Prunkwagen-Bauer zu finden.

Wie gesagt, die vage Überlegung für den Korsowagen war bereits 2010 entstanden. In den Folgejahren herrschte meist Funkstille, auch wenn das Thema immer mal wieder angesprochen wurde. Die Freunde blieben stets in Verbindung, Beruf oder Studium hatte sie aber auseinandergetrieben, etwa nach Gießen oder München. Im Herbst letzten Jahres wurde der Plan bei einem Treffen in Bad Nauheim schließlich festgeklopft, aus einer Bierlaune heraus.

»Nach der Anmeldung konnten wir dann keinen Rückzieher mehr machen«, sagt Lukas Clotz. Beim Grübeln über das Motto des Prunkwagens blieben sie bei »Die Minions« hängen. Die gelben Hauptfiguren des US-Animationsfilms sollen es sein. Sie werden in einer Art Strandszenerie auftreten, der eine mit Surfbrett, andere an der Bar oder unter Palmen. Soweit die Idee, doch die Umsetzung ist eine ganz andere Sache.

Wer die Gruppe in der Rosen-Union-Halle besucht, erkennt schnell, wie viel schweißtreibende Arbeit noch vor ihr liegt. »Der landwirtschaftliche Anhänger, den uns die Stadt zur Verfügung gestellt hat, war marode und musste auf Vordermann gebracht werden«, berichtet der Betriebswirt. Dabei sind Handwerker unter den »Freunden Steinfurths« dünn gesät.

Ein Eckpfeiler ist Julia Woisetschläger, die im väterlichen Betrieb in Steinfurth Schreinerin gelernt und dann Innenarchitektur studiert hat. Zur Not erweisen sich erfahrene Wagenbauer aus Vereinen, die in er Halle ebenfalls am Basteln sind, als willige Helfer.

Bislang haben sich die zwischen 25 und 27 Jahre alten Freunde, die sich seit Kita- und Grundschulzeiten kennen, 10- bis 15-mal zum Arbeitseinsatz getroffen. Blaue Fässer wurden verkleidet und sind bereits halbwegs als »Minions« zu erkennen. Auch die Bar ist zu erahnen. »Es ist noch viel zu tun. In der Woche vor dem Rosenfest wird es wohl etliche Treffen geben«, sagt Lukas Clotz. Stressig wird es am Freitag und Samstag vor dem Korso: Auf dem Feld von Clotz’ Onkel, der zur Rosen-Union gehört, müssen die Rosen gepflückt und am Wagen gesteckt werden. Fraglich ist, ob es genügend gelbe Blüten für die »Minions« geben wird. Beim Stecken wird die Gruppe von Eltern und weiteren Freunden unterstützt, 35 bis 40 Leute werden zusammenkommen. »Unser Wagen wird sicher nicht perfekt, aber einen gewissen Anspruch haben wir schon«, macht der Betriebswirt deutlich, dass er und seine Truppe nicht ohne Ehrgeiz ins Rennen gehen. Wenn es trotz der Startnummer 1 nicht zu Platz eins bei der Korsowagen-Prämierung reichen sollte, wird die Truppe sicher nicht am Boden zerstört sein. Ihnen geht es vor allem darum, sich wieder mal regelmäßig zu treffen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Die Freude daran ist ihnen anzumerken.

Grund zum Feiern wird es auf jeden Fall geben. Die Entscheidung, ob es sich beim Wagenbau um ein einmaliges Ereignis handelt oder ob 2018 eine Fortsetzung folgt, ist noch nicht gefallen. Das kommt wohl auch darauf an, wie gut »Die Minions« bei den Tausenden von Korso-Besuchern ankommen.

Zehn Prunkwagen

Beim Rosenkorso werden am Sonntag, 17. Juli, ab 14 Uhr zehn Prunkwagen (inklusive Rosenkönigin) durch den Ortskern von Steinfurth ziehen. Weitere 58 Fußgruppen, Spielzüge und Wagen komplettieren den Umzug, der wieder Tausende von Besuchern aus ganz Deutschland anlocken wird. Die Themen der Prunkwagen reichen von »Die Minions« bis »Flower Power«.

Nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Besucher bewerten die Gefährte, können Punkte von 1 bis 10 vergeben. Am Sonntagabend (20 Uhr) erfolgt im Festzelt die Prämierung der schönsten Prunkwagen.

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