27. Juni 2016, 19:43 Uhr

Verantwortlich fürs Herzstück des Rosenfestes

Bad Nauheim (bk). 1959 schlüpfte Helmut Falk als Bub bedenkenlos in die weibliche Hexenrolle, um auf dem Prunkwagen des Turnvereins eine tragende Rolle zu spielen. Heute blickt er auf ein 44-jähriges Engagement im Festausschuss zurück. Nach dem 45. Rosenfest, das Mitte Juli steigt, gibt Falk die Korso-Verantwortung ab.
27. Juni 2016, 19:43 Uhr
Wenn es um Rosen geht, findet Helmut Falk immer Mittel und Wege zu überzeugen – auch im WZ-Gespräch. (Foto: Nici Merz)

Es allen recht zu machen, ist nicht möglich, ist auch gar nicht Helmut Falks Ding. Seit über vier Jahrzehnten übernimmt er Verantwortung im Rosenfestausschuss, seit 28 Jahren führt er die Regie beim Rosenkorso, dem deutschlandweit bekannten Herzstück dieser Großveranstaltung. »Die einen meinen, der Korso sei zu lang, für andere ist er nicht lang genug. Manchen ist die Anzahl der Musikgruppen zu groß, einige hätten gerne mehr Spielmannszüge«, lacht Helmut Falk über viele zurückliegende Diskussionen. Der 65-Jährige geht letztlich seinen Weg – auch bei der 45. Auflage des Rosenfest-Höhepunkts, der am 17. Juli auf dem Programm steht. Einer muss schließlich Entscheidungen treffen, doch Helmut Falk hält sich keineswegs für unersetzlich. »Vielleicht hat sich das Ganze etwas totgelaufen. Wir brauchen neue Leute mit frischen Ideen«, begründet der Rentner seinen Rückzug als Korso-Leiter. Als Berater wird er auf Wunsch fungieren, die Verantwortung möchte er aber abgeben.

Wenn es um ihn selbst geht, ist der Steinfurther hart im Nehmen. »Leider musste ich nach einem schweren Schlaganfall bereits vor 26 Jahren in Rente gehen. Jetzt habe ich gerade eine Operation am Rückgrat hinter mir«, sagt Falk. Die eigenen Gesundheitsprobleme hat er immer bewundernswert weggesteckt, doch jetzt ist die Familie betroffen – eine Enkelin und die Ehefrau sind schwer erkrankt. Diese Schicksalsschläge haben bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt.

Nach dem Schlaganfall vor 26 Jahren hat sich Helmut Falk ins Leben zurückgekämpft. »Die Sprache war völlig weg. Eine Reha, die ich damals selbst bezahlen musste, hat mir enorm weitergeholfen.« Sprachprobleme gehören nach wie vor zum Leben des 65-Jährigen, der nur noch Hochdeutsch beherrscht – das einst vertraute Steinfurther Platt ist nie zurückgekehrt. »Manchmal wollen die Wörter einfach nicht raus. Dann nehme ich einen neuen Anlauf, umschreibe das, was ich nicht sagen kann«, erklärt Falk. Oder er hilft sich mit kleinen Gesten. Im Gespräch schafft es der Korso-Organisator trotzdem mühelos, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Stichwort Selbstvertrauen: Scheu vor öffentlichen Auftritten hat er nicht, bei der Rosenfest-Pressekonferenz ergreift er engagiert das Wort.

Als Helmut Falk 1988 die Korso-Regie von Fritz Gabriel übernahm, hatte der Umzug 40 Nummern, 2016 werden es 68 sein. Immer hat sich der Organisator um gute Kontakte bemüht, etwa zu Spielmannszügen und Landfrauen, um für eine stilvolle Umrahmung der Prunkwagen zu sorgen. »Bei mehr als 70 Zugnummern müssten wir Steinfurth vergrößern«, sagt Falk.

Ohnehin hat der Festausschuss ganz andere Sorgen. Betrachter von außen halten Steinfurth für die Gemeinschaft, in der alle zusammenhalten, wenn es um das große Ziel Rosenfest geht. Dieser Eindruck stimmt nicht ganz, muss Falk korrigieren. Auch im Rosendorf gibt es immer weniger aktiven Vereinsnachwuchs, auf den Schultern der Alten liegt ein Großteil der Arbeitsbelastung. »Die Tischtennisspieler machen schon seit zehn Jahren keinen Prunkwagen mehr, auch die Schützen haben irgendwann aufgegeben.« Doch es gibt auch Erfreuliches: Eine Gruppe junger Leute, die nicht vereinsgebunden sind, hat sich gemeldet und baut in diesem Jahr einen der Prunkwagen – ein Novum.

Noch eine andere Gefahr sieht der 65-Jährige für die Zukunft des Volksfestes. Die Zahl der Rosenbetriebe – vor etlichen Jahrzehnten waren es mal 200 – ist auf sieben geschrumpft. Ohne Anbauer kein Rosenfest. »Das ist Knochenarbeit, für die sich nicht viele junge Leute begeistern. Zudem gibt es den enormen Konkurrenzdruck aus dem Ausland«, weiß Helmut Falk, der beruflich nie mit der Rose verbunden war. In den Betrieben gebe es kritische Stimmen zum Fest. »Die verdienen daran null Euro, im Gegenteil, sie stellen die 200 000 Blüten für den Korso kostenlos zur Verfügung.« Falk argumentiert stets mit der fast unbezahlbaren Imagewerbung für Steinfurth und die Rosenzucht, doch das überzeugt nicht alle.

Insgesamt bleibt der 65-Jährige optimistisch. Schließlich wurden in den letzten Jahrzehnten alle Hindernisse überwunden, etwa das Diktat des Försters, im Wald kein Moos für die Korsowagen mehr sammeln zu dürfen. Oder die TÜV-Anordnung vor ein paar Jahren, die die Bremsen der Umzugsfahrzeuge betraf. Auch damals redeten einige schon das Ende des Rosenfests herbei. Grund zur Zuversicht gibt Falk auch die »Zukunftswerkstatt Rosenfest« (siehe weiteren Artikel), in der viele Bürger mitarbeiten.

Korso bei Nacht?

Über Veränderungen, die beim Rosenfest 2018 greifen sollen, machen sich engagierte Bürger schon heute in der »Zukunftswerkstatt« Gedanken. Dabei wird alles auf den Prüfstand gestellt. Beispiel Festumzug: Von einem »stehenden Korso« ist die Rede, dabei würden die Prunkwagen in Höfen auf Betrachter warten, Spielmannszüge und Fußgruppen entfielen. Ein weiterer Vorschlag ist der »Korso bei Nacht«. Helmut Falk ist gespannt, ob sich solche Ideen durchsetzen werden, manches hält er für Träumerei. »Die Beleuchtung ist nicht das Problem, aber wie viele Zuschauer kommen zu einem ›Korso bei Nacht», wenn es im Juli erst um 22.30 Uhr richtig dunkel wird?«

Ernsthaft diskutiert wird offenbar über einen Verzicht auf Festzelt und Rummelplatz. Die Musikveranstaltungen im Zelt könnten in den Rosensaal verlegt werden, die Rosenschau in die Räume eines Anbaubetriebs umziehen. Ähnliche Vorschläge gab es auch früher. Doch Falk verweist darauf, dass sich in den letzten Jahrzehnten nur eine wichtige Neuerung etabliert hat: der Rosenmarkt und dessen Umzug in die Ortsmitte.

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