29. Januar 2015, 19:23 Uhr

Stimmung im Hause Tabbo im Fokus der Verhandlung

Altenstadt/Hanau (jwn). Was für eine Stimmung herrschte im Hause Tabbo? Wie ging die Familie mit Konflikten um? Diese Fragen standen am 13. Verhandlungstag im Tabbo-Prozess im Fokus. Auf der Anklagebank sitzt der 29-jährige Bashar G., dem vorgeworfen wird, seine Schwiegermutter in spe, Vebronia Tabbo, erschlagen zu haben.
29. Januar 2015, 19:23 Uhr
(Foto: dpa)

Erneut kam am Donnerstag die Verlobte des Angeklagten zu Wort. Da für das Gericht die atmosphärische Situation innerhalb der Familie Tabbo eine entscheidende Rolle spielt, wurde die 23-jährige Studentin gefragt, wie Probleme in der Familie gelöst wurden – im Dialog oder im Streit, friedfertig oder gewaltsam. Der Verteidiger des Angeklagten hatte mehrere Beweisanträge zu diesem Thema gestellt, wollte dadurch klären, ob und wie sich aufgrund kultureller Traditionen das Leben von arabischstämmigen Familien von denen mit europäischen Wurzeln unterscheidet.

Nachricht: »Ich schlag den tot«

Staatsanwalt Matthias Pleuser konfrontierte die 23-Jährige mit Kurznachrichten, die sie ihrem Verlobten geschrieben hatte. Auch Dialoge aus Telefonaten mit dem 29-Jährigen, das Telefon von Baschar G. war nach dem Tod von Vebronia Tabbo über Monate hinweg von der Polizei überwacht worden, wurden der junge Frau vorgehalten. Dabei hatte sie über ihren Vater, der zeitweilig im Fadenkreuz der polizeilichen Ermittlung gestanden hatte, Äußerungen gemacht wie »Ich schlag den tot«, »Der soll bloß abhauen« und »Ich bin froh, wenn der weg ist«. Aussagen wie diese ließen nicht gerade auf ein harmonisches Familienleben schließen lassen, meinte der Staatsanwalt. Die 23-Jährige entgegnete: »Das war nicht so gemeint«, »Das hört sich auf Arabisch ganz anders an« und »Was sagt man nicht alles, wenn man richtig in Fahrt ist«.

Der Staatsanwalt konfrontierte sie mit Aussagen ihrer Brüder, die den Vater als durchaus gewalttätig bezeichnet haben. Die 23-Jährige hingegen wiegelte ab, bezeichnete Gewaltausbrüche wie Ohrfeigen oder das Werfen von Gegenstände auf Personen als normale Temperamentsausbrüche.

Der Staatsanwalt ließ nicht locker, berichtete, die Schwester der Ermordeten habe bei ihrer polizeilichen Vernehmung Gewaltausbrüche des Schwagers geschildert. Vor Jahren habe er seiner Frau mit einem Schlüsselbund Zähne ausgeschlagen. Die Tochter der Ermordeten hingegen berichtete, ihre Mutter habe die Zähne aufgrund von starkem Kariesbefall verloren. Auf Nichtwissen berief sich die Zeugin sich auch, als ihr der Staatsanwalt den Kurznachrichtenwechsel zwischen dem Angeklagten und dessen Bruder vorhielt. Darin wurde ein Streit zwischen dem Angeklagten und dessen Schwiegervater in spe thematisiert. Der Vater soll laut Kurznachricht ausgerastet sein, in der Wohnung Chaos angerichtet und einen Großteil der Einrichtung demoliert haben. Als der Bruder Bashar G. Hilfe dann anbot (»Ich komme und mache den Alten fertig«), habe der Angeklagte geantwortet: »Bloß nicht. Das macht meine Pläne kaputt.«

»Mit dem Gold« bezahlt

Ein Schriftwechsel zwischen der 23-Jährigen und ihrem Verlobten wurde thematisiert: Als die Studentin zwei Monate vor dem Tod ihrer Mutter für drei Tage nach London reiste, um dort einzukaufen, fragte sie der Angeklagte sie via einer Kurznachricht, mit welchem Geld sie denn bezahlen wolle? Ihre Antwort: »Mit dem Gold. Unser Geld habe ich noch auf dem Konto.« Im Zuge der Ermittlungen war bekannt geworden, dass einige Schmuckstücke von Vebronia Tabbo verschwunden waren. Der Prozess wird fortgesetzt.

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