04. Dezember 2014, 19:53 Uhr

Hat Angeklagter im Tabbo-Prozess wirklich gefrühstückt?

Altenstadt/Hanau (jwn). Was hat Bashar G. am 23. Mai 2013, dem Tag, an dem Vebronia Tabbo ermordet wurde, getan? Diese Frage stand im Zentrum der Verhandlung am Donnerstag vor dem Hanauer Schwurgericht.
04. Dezember 2014, 19:53 Uhr

Der 29-Jährige ist angeklagt, seine Schwiegermutter in spe getötet zu haben. Der syrisch-stämmige Angeklagte hatte in seiner polizeilichen Vernehmung behauptet, er habe an dem Vormittag jenes Tages mit seiner Verlobten vor seiner Pizzeria in Altenstadt gefrühstückt. Zur selben Zeit, gegen 10 Uhr, hatte seine Verlobte ihre Mutter aber bereits bei der Polizei als vermisst gemeldet. Eine Stunde vorher hatten Zeugen Vebronia Tabbo noch gesehen. Während der Verhandlung am Donnerstag schilderte G. den Vormittag nun plötzlich ganz anders.

»Wahrscheinlich, weil die Indizien eine andere Sprache sprechen würden«, mutmaßte Richter Dr. Peter Graßmück. Die belegen nämlich, dass G. an diesem Morgen ziemlich genau um 10.30 Uhr von seinem designierten Schwiegervater auf dem Handy angerufen worden, er jedoch nicht ans Telefon gegangen war. Kurz danach hatte auch seine Freundin versucht, ihn anzurufen. Ebenfalls ohne Erfolg, wie die Verbindungsnachweise beim Telefonanbieter ergaben. Zu dieser Zeit war sein Handy in eine Funkzelle in Rommelhausen eingeloggt, unweit vom späteren Fundort der Leiche von Vebronia Tabbo.

Als die Fakten die ursprüngliche Aussage Gs als wenig wahrscheinlich erscheinen ließen, erzählte er dem Gericht eine neue Version seines Tagesablaufs. Wenn er früher gegenüber der Polizei etwas anderes gesagt habe, hinge das mit der Aufregung durch seine Verhaftung zusammen. Jetzt sage er die Wahrheit. Demnach habe er lang geschlafen, und zwar allein im Keller seiner Pizzeria. Gegen 10 Uhr sei er aufgestanden und zum zwei Kilometer entfernten Rewe-Markt nach Rommelhausen gefahren, um Brötchen zu holen. Allerdings liegt die Bäckerei, bei der er üblicherweise seine Backwaren holt, nur knapp 50 Meter von der Pizzeria entfernt.

Wie denn die Faserspuren seines Autos an die Kleidung der Toten kämen, wollte der Richter wissen. Ob denn seine »Schwiegermutter« des öfteren mit ihm gefahren sei? Ja, er habe sie oft fahren müssen: In die Waldsiedlung zum Sprachunterricht, nach Bad Vilbel, wo sie Verwandte besuchte und sich auch in der Kirchengemeinde engagierte. Auch habe sie oft in seinem Auto gesessen, um Musik zu hören.

Nur zum Schein eingekauft

Ob er die Suche seines Schwiegervaters in spe nach seiner Frau nicht ernst genommen habe, zumal seine Freundin die Polizei ebenfalls schon früh benachrichtigt habe? »Zunächst nicht so«, meinte G., sie hätte ja irgendwo in Altenstadt unterwegs sein können.« Zu diesem Zeitpunkt aber hatte die Tochter bereits zum zweiten Mal bei der Polizei angerufen und sich nach ihrer Mutter erkundigt. Gegen 14 Uhr seien er und die Freundin dann nach Wölfersheim zum Einkaufen für die Pizzeria gefahren. »Eine weite Strecke für einen Einkauf von nur 59 Euro«, hielt ihm der Richter vor. Die Polizei und auch die Staatsanwaltschaft vermuten einen Scheineinkauf, um Alltäglichkeit nachweisen zu können. Dass das Gericht die Rechnungssumme seines Einkaufs in Wölfersheim kannte, verwirrte den Angeklagten sichtlich. Das sei nur die offizielle Rechnung gewesen. Er habe zusätzlich schwarz eingekauft. Doch die Bilder der Überwachungskameras aus dem Geschäft belegen das Gegenteil.

Nach der Rückkehr habe er sich an der Suche beteiligt. Aber auch nun zeigten sich sehr schnell Widersprüche, als Richter Graßmück Einzelheiten wissen wollte. Der Prozess wird fortgesetzt. (Foto: jwn)

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