03. Dezember 2014, 19:03 Uhr

Angeklagter im Mordfall Tabbo verstrickt sich in Widersprüche

Altenstadt/Hanau (jwn). Die finanziellen Verhältnisse von Bashar G. waren auch am vierten Verhandlungstag gegen den 29-Jährigen Thema. Der Altenstädter ist angeklagt, Vebronia Tabbo, seine Schwiegermutter in spe, im Mai 2013 getötet zu haben.
03. Dezember 2014, 19:03 Uhr
(Foto: dpa)

Der Pizzeria-Besitzer streitet die Tat ab, verstrickte sich aber bei seiner Aussage am Mittwoch am Hanauer Landgericht in Widersprüche.

Bis auf höchstens 1000 Euro habe er keine Spielschulden gehabt, berichtete G., der seit einigen Monaten in Untersuchungshaft sitzt. Diese Schulden habe er immer schnellstmöglich bezahlt. Anders sei es bei den Schulden für seine Pizzeria gewesen. Doch es habe keinen Druck gegeben, diese Ausstände schnell zu begleichen, berichtete G., der auch bei Vebronia Tabbo Schulden hatte. Der Angeklagte wurde damit konfrontiert, bei seiner polizeilichen Vernehmung etwas anderes ausgesagt zu haben. Damals sei von rund 4000 Euro Spielschulden die Rede gewesen. Auch habe er der Polizei berichtet, dass Gläubiger ihn deswegen mächtig unter Druck gesetzt hätten.

Auf das Verhältnis zu den Tabbos angesprochen, berichtete der Altenstädter fast nur Gutes: Vor dem 23. Mai 2013, dem Todestag von Vebronia Tabbo, habe er über ein Jahr bei den Tabbos gelebt, sei von ihnen als künftiger Ehemann der Tochter akzeptiert worden. Zwischen den Eheleuten Tabbo habe es oft Streit gegeben, wobei sein Schwiegervater in spe nicht handgreiflich geworden, wohl aber »richtig ausgerastet« sei und auch Gegenstände zertrümmert habe. Bei ihm sei der Eindruck entstanden, dass Vebronias Mann oft kurz davor gewesen sei, seine Frau zu schlagen. »Für mich war er ein richtiger Choleriker«, sagte G. über seinen designierten Schwiegervater.

Am Mittwoch sollten außerdem zwei Zeugen zu Wort kommen, in deren Gaststätten G. gearbeitet hatte, bevor er sich mit seiner Pizzeria selbstständig gemacht hatte. Beide sollten von ihren Erfahrungen mit G. berichten. Andere Zeugen hatten nämlich erzählt, der 29-Jährige sei leicht aufbrausend, werde schnell aggressiv. Er soll mit Pfannen, Töpfen und Tellern um sich geschmissen haben. Diese Aussagen bestritt G. entschieden. Vielmehr habe immer schlichtend eingegriffen, wenn es irgendwo zum Streit gekommen sei. Selbst wenn Vebronia Tabbo sich mit ihrem Ehemann gestritten habe. Beide Zeugen konnten nicht gehört werden. Sie blieben der Verhandlung unentschuldigt fern.

Richter Dr. Peter Graßmück wandte sich verärgert an die Zuschauer im Saal, warnte sie vor jeglichem Versuch der Einflussnahme. »Hier gibt es mehrere Personen, die dem Angeklagten offensichtlich nicht freundschaftlich verbunden sind, und ihm schaden wollen. Diese warne ich ausdrücklich, nicht noch einmal zu versuchen, sich einzumischen«, sagte Graßmück. Staatsanwalt Mathias Pleuser kündete an, sollte sich herausstellen, dass beide Zeugen bedroht worden seien, werde möglicherweise Anklage wegen Nötigung erhoben.

Der Prozess wird fortgesetzt. Der Angeklagte wird am nächsten Verhandlungstag mit den Protokollen der Telefonüberwachung konfrontiert werden.

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