25. November 2014, 19:43 Uhr

Angeklagter: Tabbo war aggressiv

Altenstadt/Hanau (jwn). Die heiße Spur ist erkaltet. Am dritten Verhandlungstag im Mordfall Tabbo wurde am Dienstag am Landgericht Hanau der Fahrer eines Imbisses vernommen.
25. November 2014, 19:43 Uhr
(Foto: red)

Ein Zeuge hatte am zweiten Verhandlungstag ausgesagt, er habe gesehen, wie besagter Fahrer mit Vebronia Tabbo gerangelt habe – kurz vor dem Tod der Altenstädterin (die WZ berichtete). Das wurde am Dienstag widerlegt. Im Fokus der Anklage steht nun wieder der Verlobte von Tabbos Tochter. Dem 29-jährige Bashar G. wird vorgeworfen, die Altenstädterin im Mai 2013 getötet zu haben.

Am zweiten Prozesstag hatte ein Zeuge berichtet, er habe den Fahrer des Asia-Imbisses, in dem die 46-jährige Tabbo am Morgen ihres Verschwindens gearbeitet hatte, in einer handfesten Auseinandersetzung mit Tabbo auf einer Straße außerhalb Altenstadts gesehen. Die Stelle sei nicht weit von dem Ort entfernt, an dem die Leiche der Syrerin tags darauf gefunden wurde. Bei der Verhandlung am Dienstag stellte sich heraus, dass es sich bei besagtem Fahrer um einen schwer kranken Mann handelt, der nur noch eine schlecht funktionierende Niere besitzt und außerdem herzkrank ist. Fazit der Befragung: Der Fahrer sei schon aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen, die deutlich größere Tabbo zu erschlagen und ihren Körper dann in den Wald zu schleppen. Der Arbeitgeber des Mannes berichtete, der Fahrer könne seit langem keine Getränkekiste mehr heben. Zudem war der Fahrer weder langhaarig noch hatte er ein pockennarbiges Gesicht – wie der Zeuge ihn beschrieben hatte. Staatsanwalt Matthias Pleuser wollte die Schilderung des Zeugens nicht als Falschaussage werten. »Das Geschehen ist über ein Jahr her und der Zeuge war sichtlich aufgeregt.«

Spielsüchtig und Schulden

Im Anschluss stand wieder der noch immer in Untersuchungshaft sitzenden Bashar G. im Fokus der Verhandlung. Nach Aussage des damals ermittelnden Friedberger Polizeibeamten geriet der Syrer, der sich seit 2004 in Deutschland als anerkannter Flüchtling aufhält, aufgrund mehrerer Indizien ins Visier der Sonderkommission. An den Kleidern der Getöteten habe man DNA-Spuren von ihm gefunden worden, außerdem habe der 29-Jährige erhebliche Geldprobleme. Am 25. Juli 2013 sei eine Telefon- und Raumüberwachung angeordnet und G. bis zum 8. Januar 2014 Tag und Nacht überwacht worden. Staatsanwalt Pleuser teilte der WZ mit, die Telefonüberwachung könne als »recht erfolgreich« angesehen werden. Vor allem die Gespräche des Angeklagten mit seiner Verlobten hätten Hinweise gebracht. Einzelheiten wollte Pleuser aus verhandlungstaktischen Gründen nicht verraten. Die Verteidigung stellte einen Beweisantrag: Die Telefonate, die größtenteils in Syrisch-Aramäisch gehalten wurden, sollten von einem vereidigten Sachverständigen übersetzt werden. Die Dolmetscherin der Polizei sei nämlich eine Marokkanerin, die nach eigenen Angaben nur Hochsyrisch beherrscht und trotzdem beim Übersetzen der Tonbandprotokolle keine Probleme gehabt haben wollte.

Bei der fast dreistündigen Vernehmung des Angeklagten stellte sich heraus, dass G. nicht nur spielsüchtig ist und rund 500 Euro pro Woche in Spielotheken verloren haben soll, sondern dass er – neben den 3000 Euro, die er Vebronia Tabbo schuldete – noch einige andere offene Rechnungen hat. Die Rede war von 11 000 Euro. Weil seine Pizzeria zum Zeitpunkt von Tabbos Tod nicht mehr gelaufen sei, hätten seine Gläubiger bei ihm wegen der Rückzahlung angestanden. G. berichtete, dass es oft Streit in der Familie Tabbo gegeben habe, Mutter Vebronia sei dabei sehr aggressiv und laut aufgetreten.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 3. Dezember, um 9 Uhr fortgesetzt.

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