14. November 2014, 19:58 Uhr

Wende im Fall Tabbo?

Altenstadt/Hanau (jwn). Neue Erkenntnisse im Prozess um die ermordete Syrerin Vebronia Tabbo aus Altenstadt: Die Aussagen eines Zeugen, der am zweiten Verhandlungstag am Hanauer Schwurgericht am Ende der Sitzung zu Wort kam, entlasten den wegen Totschlags angeklagten Bashar G., der Verlobte von Tabbos Tochter.
14. November 2014, 19:58 Uhr
(Foto: Red)

Als Richter Dr. Graßmück Gea S. vernahm, in dessen Lokal Tabbo als Reinigungskraft gearbeitet hatte und in dem sie nach ursprünglichem Kenntnisstand zuletzt gesehen worden war, redete dieser sich auf wiederholtes Nachfragen immer wieder mit Nichtwissen heraus. Er gab an, nicht zu wissen, welcher seiner beiden Fahrer am mutmaßlichen Tattag den blauen Fiat – das Firmenfahrzeug – gefahren habe und wie das Bekanntschaftsverhältnis zwischen den Fahrern und der Getöteten gewesen sei. Das Gericht forderte S. auf, diesen Fragen nachzugehen.

Dass der Richter beim hartnäckigen Nachfragen auf eine brisante Fährte geraten war, zeigte sich bei der Vernehmung des neunten von zehn Zeugen an diesem Tag, der berichtete, dass er die Getötete am Tattag noch gegen 9 Uhr etwa zwei Kilometer außerhalb von Altenstadt an der Straßenkreuzung zur Waldsiedlung auf dem Radweg gesehen habe. Im Vorbeifahren habe er beobachten können, wie Vebronia Tabbo »wie eine Verrückte mit ihrer Handtasche oder einem Einkaufsbeutel auf einen Mann eingeschlagen habe«. Auf die Frage des Richters, warum er diese Beobachtung nicht schon längst der Polizei gemeldet habe, wusste der Zeuge, der Tabbo nur flüchtig kennen wollte, keine rechte Antwort zu geben. Er habe nicht gewusst, dass die Beobachtung wichtig sei, so seine Einlassung. Erst jetzt erkenne er, dass es sich bei dem nächsten Zeugen um den Mann handeln würde, den er gesehen hatte.

Daraufhin rief Richter Graßmück besagten Zeugen in den Gerichtssaal und teilte ihm mit, dass er an diesem Tag nicht vernommen werde, sondern ab sofort vom Gericht als Beschuldigter angesehen werde. Er solle sich deshalb einen Rechtsbeistand nehmen und mit diesem zusammen zum nächsten Verhandlungstermin zur Vernehmung erscheinen.

Auch die Verteidigung will zusätzlich sechs Zeugen verhören lassen, die beweisen sollen, dass der Angeklagte Bashar G. ab 17 Uhr bis weit nach Mitternacht vor dem Asia-Imbiss Wache gestanden habe. Sie hätten zu der Zeit Vebronia Tabbo im Hause des Lokals vermutet. Nach Angaben der Gerichtsmedizin sei der Tod bei Tabbo in dieser Nacht erst gegen 0.20 Uhr eingetreten.

Die kurze Bemerkung des Vorsitzenden Richters Graßmück zum Anwalt des Beklagten nach Vertagung des Prozesses, dass die Sache für seinen Mandanten wohl nun gar nicht mehr so schlecht stehe, zeigt, dass das Gericht eine Wende des Verfahrens für durchaus möglich hält.

Der Prozess wird am 25.11. um 9 Uhr fortgesetzt.

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