12. November 2014, 17:38 Uhr

Erste Zeugenaussagen im Fall Tabbo

Hanau/Altenstadt (jwn). Im Prozess gegen Bashar G., dem vorgeworfen wird, die Mutter seiner Verlobten, Vebronia Tabbo aus Altenstadt, erschlagen zu haben, begann der zweite Verhandlungstag vor dem Hanauer Schwurgericht mit einer erneuten Einlassung des Angeklagten.Erste Zeugen wurden angehört.
12. November 2014, 17:38 Uhr
In dem ehemaligen Schaufenster ihres Hauses hat die Familie eine Art Gedenkstätte für Vebronia Tabbo eingerichtet. Am zweiten Verhandlungstag hat der Angeklagte seine Unschuld bekräftigt. Erste Zeugen, unter anderem Tabbos ehemaliger Arbeitgeber, sagten aus. (Foto: Jürgen W. Niehoff)

»Ich habe Frau Tabbo nicht angegriffen und schon gar nicht verletzt. Sie wollte mir doch ihre Tochter zur Frau geben und hatte unsere Verlobung schon vorbereitet. Es gab keinen Grund, ihr Leid anzutun. Im Übrigen hat sie mich wie ihren Sohn aufgenommen«, erklärte Bashar G. zu Beginn der Verhandlung. Die Worte hatte er sich auf einem Papier zurechtgelegt. Das Gericht ging darauf nicht ein, galt es doch zunächst, die Umstände des Tattags zu klären. Insgesamt zehn Zeugen, die am Vormittag des 23.Mai 2013 entweder Kontakt zu dem 46-jährigen Opfer hatten oder gehabt haben könnten, hatte das Gericht geladen.

Der Polizeibeamte Frank B., der nach der Vermisstenmeldung durch die Familie Tabbo als Erster deren Haus in Altenstadt aufsuchte, sagte im Zeugenstand: »Als wir gegen 21.30 Uhr dort eintrafen, stand vor dem Haus eine große Ansammlung von Menschen. Zum größten Teil Verwandtschaft. Und alle deuteten auf den Asia-Imbiss, in dem Vebronia Tabbo täglich putzte.« Es seien Vermutungen geäußert worden, dass sich in dem Imbiss etwas Schlimmes abgespielt haben müsse. Ihr Ehemann soll Vebronia Tabbo dort als Letzter gesehen und mit ihr gesprochen haben. Das soll vor 9 Uhr gewesen sein. Danach sei sie spurlos verschwunden. Die Polizei habe deshalb in besagter Nacht sämtliche Räume des Asia-Lokals und der Wohnungen darüber abgesucht, anschließend auch das wenige 100 Meter entfernt liegende Haus der Tabbos inspiziert, ohne Spuren oder sonstige Hinweise auf den Aufenthaltsort der Vermissten zu finden.

Nach kurzer Vernehmung einer Kassiererin des Supermarkts, in dem die Getötete noch an diesem Morgen geputzt hatte, und einer Passantin, die Vebronia Tabbo an dem Morgen auf der Straße in Altenstadt ebenfalls gesehen haben will, kümmerte sich das Gericht ausführlich um Gea S., den Inhaber des Asia-Grills, in dem Tabbo zuletzt gesehen wurde. S. wurde am Anfang der Ermittlung ebenfalls verdächtigt, mit dem Tode Tabbos etwas zu tun zu haben. Deshalb hatten auch die Verwandten Tabbos schon am Nachmittag nach dem Verschwinden der Frau sein Lokal und das ganze dazugehörige Haus durchsucht und ihm unterstellt, dass sein Lokal in unmittelbaren Zusammenhang zum Verschwinden des Opfers stehe.

Vor Gericht berichtete S., dass er persönlich nichts zu dem Vorfall sagen könne, da er erst viel später, etwa gegen 11 Uhr, sein Lokal betreten habe. Eindringlich wurde er zu seinem Personal befragt, denn eines seiner Firmenfahrzeuge war am Tattag von Zeugen gegen 8.30 Uhr in der Nähe des vermeintlichen Tatorts gesehen worden. S. räumte ein, dass er zwei Fahrer habe, von denen einer in der Waldsiedlung wohne, also in der Nähe des Fundorts von Tabbos Leiche. Ob die Fahrer an diesem Tag das Auto mit nach Hause genommen, oder ob sie an diesem Morgen die Fahrzeuge getauscht hatten, wusste S. nicht mehr. Das Gericht forderte ihn auf, herauszufinden, wer das Fahrzeug in dieser Zeit gefahren haben könnte. Gefragt wurde S. auch nach dem Familienumfeld, beispielsweise ob Tabbo auch bei seinem Bruder geputzt habe, wozu S. nichts sagen konnte. Warum er Wochen später von der Familie Tabbo zum Kaffeetrinken eingeladen worden ist, habe er sich nicht erklären können. »Das hat für mich alles keinen Sinn gemacht. Ich bin nur hingegangen, weil Frau Tabbo vier Jahre lang bei mir gearbeitet hatte«, sagte er.

Alle Zeugen berichteten, dass Vebronia Tabbo eine überaus freundliche Person gewesen sei, die gelegentlich auch mal laut geworden sei und sich vor allem um ihre Familie gekümmert habe. So habe sie aus den verschiedenen Geschäften, in denen sie putzte, abgelaufene Lebensmittel mitgenommen und sie in die Pizzeria des Angeklagten, dem Verlobten ihrer Tochter, gebracht. Ein Zeuge, der sein Geschäft genau gegenüber der Pizzeria hat, berichtete, dass Tabbo fast täglich nach ihrer Arbeit im Asia-Grill die Pizzeria aufgesucht habe. Ob dies auch am Tattag der Fall gewesen sei, konnte er jedoch nicht beschwören.

Abschließend stellte der Verteidiger einen neuen Beweisantrag. Nach seinen Recherchen soll Vebronia Tabbo erst am 24.Mai um 0.20 Uhr verstorben sein. Zu diesem Zeitpunkt habe sich der Angeklagte mit sechs anderen Bekannten der Familie in einem Auto vor dem Asia-Grill befunden, den sie abwechselnd beobachtet haben wollen.

Der Prozess wird am 25. November um 9 Uhr fortgesetzt. (Foto: jwn)

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