06. November 2014, 18:38 Uhr

Gewaltorgie: Prozessauftakt im Fall Tabbo

Altenstadt/Hanau (jwn). Wegen des Vorwurfs, Vebronia Tabbo, die Mutter seiner Verlobten, getötet zu haben, muss sich seit Donnerstag der 29-jährige Bashar G. vor dem Hanauer Schwurgericht verantworten. Der mit Spannung erwartete Prozessauftakt dauert nur eine knappe halbe Stunde.
06. November 2014, 18:38 Uhr
(Foto: dpa)

Wie der Vorsitzende der ersten großen Strafkammer, Dr. Graßmück, erklärte, habe die Eröffnung kurzfristig vorgezogen werden müssen, ansonsten wäre der Angeklagte gemäß den Vorschriften der Strafprozessordnung nach einem halben Jahr aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

So verlas Staatsanwalt Mathias Pleuser lediglich die Anklage, die von Totschlag ausgeht. Darin wird Bashar G. vorgeworfen, am Vormittag des 23. Mai vergangenen Jahres in Rommelhausen die damals 46 Jahre alte Vebronia Tabbo im bewusstlosen Zustand mit seinem Fahrzeug in den nahen Wald gefahren, sie dort an den Füßen ins Unterholz geschleift und anschließend solange mit einem Ast oder Holzknüppel auf ihren Kopf eingeschlagen zu haben, bis ihr Schädel zertrümmert war und sie daran verstarb. Es soll sich um eine wahre Gewaltorgie gehandelt haben. Die Leiche wurde einen Tag später von Spaziergängern in dem Waldstück zwischen Rommelhausen und Ostheim gefunden.

Der Angeklagte, der 1985 in Syrien geboren wurde, inzwischen aber deutscher Staatsbürger ist, wies diese Anschuldigungen zurück. »Ich war es nicht«, ließ er sich dazu nur kurz ein. Die Staatsanwalt stützt ihre Anklage unter anderem auf den Fund von DNA-Spuren an Vebronia Tabbo, die von dem 29-Jährigen stammen sollen. Außerdem sei das Mobiltelefon von Bashar G. im Funknetz am Tatort registriert gewesen. Bevor der Vorsitzende Dr. Graßmück die Verhandlung für diesen Tag beendete, stellte der Verteidiger des Angeklagten, Thomas Kiesaritzky, noch einen Beweisantrag auf Vernehmung dreier weiterer Zeugen. Sie gehörten zu dem unmittelbaren Familienumfeld des Opfers und sollen in Telefongesprächen, die von der Polizei im Rahmen ihrer Ermittlungen nach dem Verbrechen abgehört worden seien, vom Streit innerhalb der Familie Tabbo berichtet haben.

Danach soll das Opfer Vebronia Tabbo in der Tatnacht zwischen 2 und 3 Uhr so heftig verprügelt worden sein, dass im ganzen Wohnhaus der Familie Blut verteilt gewesen sei. Dabei hatte sie offenbar das Bewusstsein verloren. Auch soll das Opfer nicht im Wald, sondern erst zwei Tage später im Krankenhaus verstorben sein. Die Verwandtschaft, die nach eigenen Aussagen in diesen Telefonaten untereinander sehr zerstritten ist und die den Ehemann Abdullah Tabbo nie akzeptieren wollte, vermutet als Tatmotiv weiterhin Habgier. Denn das Gold der Getöteten und das Sparbuch seien bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Für Staatsanwalt Pleuser sind das alles Gerüchte, die durch die Einvernahme der Polizeibeamten leicht zu widerlegen seien. Doch zunächst muss das Gericht über den Beweisantrag der Verteidigung beschließen. Der Prozess wird mit der Beweisausnahme am Mittwoch, 12. November, um 8.15 Uhr in Hanau fortgesetzt.

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