09. März 2015, 19:33 Uhr

Mordfall Tabbo: Neues medizinisches Gutachten liegt vor

Altenstadt (jwn). Bashar und Gabi G. sind raus aus der Untersuchungshaft. Das sickerte am Freitagabend bereits durch. Jetzt ist auch bekannt, was der Grund für die plötzliche Aufhebung der Haftbefehle der Brüder aus Altenstadt ist, die laut Staatsanwaltschaft für den Tod von Vebronia Tabbo verantwortlich sein sollen.
09. März 2015, 19:33 Uhr
Am Hanauer Landgericht wird am Mittwoch, 18. März, weiterverhandelt. Ob die Beweisaufnahme an diesem Tag geschlossen werden kann, ist noch unklar. (Foto: Archiv)

Ein neues gerichtsmedizinisches Gutachten liegt vor, das berichtete Dr. Peter Graßmück, Richter am Hanauer Landgericht, gestern auf Anfrage.

»Es besteht kein hinreichender Tatverdacht mehr, dass nur die beiden Brüder den Tod von Vebronia Tabbo herbeigeführt haben. Wir haben DNA-Spuren von drei Personen, zwei von ihnen sind bekannt, die dritte nicht«, sagte der Richter. Den Ausschlag für die Entlassung aus der Untersuchungshaft der beiden habe aber das Gutachten der Gerichtsmedizin zur Todesursache der Altenstädterin gegeben. Das Gutachten sei am Freitag bei Gericht eingegangen. Es war vom Gericht im Laufe des Verfahrens angefordert worden, das bereits seit Monaten gegen den 29-jährigen Bashar G. am Landgericht geführt wird. Mit dem Gutachten soll geklärt werden, was genau zum Tod von Vebronia Tabbo geführt hat, ob das Strangulieren, das den Schlägen mit dem Holzknüppel im Wald vorausgegangen sein könne, möglicherweise die alleinige Todesursache ist.

Tod durch Würgen oder Schläge?

Laut Richter komme das Gutachten zwar nicht zu dem Schluss, dass der Tod zweifelsfrei durch das Würgen erfolgt sei, es sei aber möglich, dass die dreifache Mutter durch das Würgen bereits so schwer verletzt war, dass ihr Weiterleben unwahrscheinlich gewesen wäre. Wenn nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Todesursache bereits durch das Strangulieren gelegt worden sei, dann wären die Brüder nicht mehr ursächlich für den Tod von Vebronia Tabbo verantwortlich, sondern hätten die sterbende 46-Jährige nur noch in den Wald gefahren. Als sie dort beim Ablegen im Todeskampf noch einmal gezuckt habe, könnte einer der Brüder möglicherweise die Nerven verloren und mit einem Holzknüppel zugeschlagen haben, mutmaßt der Richter. Da die Frau zu diesem Zeitpunkt aber schon tot gewesen sein könnte, es keine gesicherten und vor allem unumstößlichen Beweise dafür gebe, dass die Brüder für ihren Tod verantwortlich seien, seien sie aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

»Das Gericht muss nicht nur zu Lasten der Beschuldigten ermitteln, sondern auch zu ihren Gunsten. Wir müssen also zu jedem Zeitpunkt der Verhandlung prüfen, ob noch hinreichender Tatverdacht besteht, oder ob nicht eventuell bereits erste Zweifel an der Täterschaft aufgetreten sind«, sagte Richter Graßmück. Im Fall von Bashar und Gabi G. habe die Aufhebung der Haftbefehle nichts mit dem krankheitsbedingten Verteidigerwechsel zu tun gehabt. Oliver Wallasch, der neue Verteidiger des 29-jährigen Bashar G., habe auch keinen Haftprüfungstermin beantragt. Die Entlassung der Brüder aus der Untersuchungshaft sei allein aus verfahrensrechtlichen Gründen geschehen. »Hätte ich die beiden unter diesen Umständen, also nach Eingang des gerichtsmedizinischen Gutachtens, noch länger in Untersuchungshaft behalten, dann hätte ich mich möglicherweise wegen Freiheitsberaubung strafbar gemacht«, klärte der Richter auf.

Die Anklage gegen den 29-jährigen Bashar G., Schwiegersohn in spe der Getöteten, wird jedoch aufrecht erhalten. Statt, wie angekündigt heute, wird das Verfahren gegen ihn am Mittwoch, 18. März, am Hanauer Landgericht fortgesetzt. Dann wird auch das medizinische Gutachten in den Prozess eingebracht. Sollte es Bestand haben, könnte die Beweisaufnahme abgeschlossen werden und bald darauf das Urteil folgen. Richter Graßmück kündigte an, sich für den Urteilsspruch dann etwas Zeit lassen zu wollen, »denn da wird es in der Begründung viel zu erklären geben«.

Für die Öffentlichkeitsarbeit der Tochter der Getöteten, die Verlobte von Bashar G., haben laut Graßmück sowohl das Gericht als auch die Staatsanwaltschaft wenig Verständnis. Da würden Unwahrheiten und Verdrehung neben Halbwahrem und Vorurteilen im Internet veröffentlicht. »Mit der Wahrheit oder der Wahrheitsfindung hat das auf jeden Fall sehr wenig zu tun«, sagten die Sprecher beider Einrichtungen.

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