15. Februar 2019, 08:00 Uhr

Kita

Landkindergarten könnte bald wieder in Gemeinderegie geführt werden

Fünf Jahre hat der Trägerverein Landkindergarten Sellnrod die Kinderbetreuung im Dorf aufrecht erhalten. Ab August wird sie sehr wahrscheinlich wieder kommunal.
15. Februar 2019, 08:00 Uhr
Der Regenbogen an der Fassade ist verblasst. Seit fünf Jahren wird die Einrichtung nur noch Landkindergarten genannt. Ob unter gemeindlicher Regie der Regenbogen als Namensgeber wieder auflebt? (Foto: rs)

Der Kindergarten in der Ortsmitte war einmal Treffpunkt für über 30 Kinder, mittlerweile ist die Zahl der kleinen Besucher auf zehn gesunken, eine wesentliche Besserung nicht in Sicht. Die Eltern befürchten ein Schließen der Einrichtung. Das berichtete die AAZ am 15. Februar 2007. Wie sich die Zeiten ändern: Aktuell sucht die Gemeinde händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten zum neuen Kindergartenjahr und die Wiedereröffnung der Einrichtung in Sellnrod als kommunaler Kindergarten ist eine Möglichkeit zur Entlastung.

Der Vogelsbergkreis erwartet diesen Schritt sogar, wie Bürgermeister Andreas Sommer am Mittwoch in Ausschüssen berichtete. Die Ausschussmitglieder ließen dazu keinen Widerstand erkennen, letztlich wird die Gemeindevertretung darüber befinden müssen, denn ein sechster kommunaler Kindergarten hat ja auch personelle Folgen.

Aus Sicht des Ersten Kreisbeigeordneten Jens Mischak hat die Sellnröder Einrichtung als Großtagespflegestelle schon immer eine besondere Bedeutung gehabt. Denn es werden U 3 und Ü 3 gemeinsam betreut, Ü 3 sind in einer Großtagespflegestelle eigentlich nicht vorgesehen, und dass der Kreis das auch noch mitfinanziert schon gar nicht. Mit dem finanziellen Rückzug des Kreises kann der Trägerverein Landkindergarten die Einrichtung nicht mehr betreiben, bleibt nur noch die Gemeinde.

Zu den für Sellnrod gemeldeten Zahlen sagte Bürgermeister Sommer, es gebe den Bedarf von 15 Ü 3-Plätzen und nur drei U 3-Plätzen. Ein Vorteil der Wiederbelebung als kommunale Einrichtung sei, dass keine baulichen Änderungen nötig seien, denn »das Haus ist in Schuss«. Gebaut werden muss allerdings ein zweiter Fluchtweg aus dem Obergeschoss. Dafür wird eine Treppe an das Gebäude angebaut. Nach einer Schätzung von Bauabteilungsleiter Thomas Heidlas sind dafür zwischen 25 000 und 35 000 Euro nötig.

»Wir könnten einen gut ausgestatteten Kindergarten mit beiden Stockwerken übernehmen«, zeigt sich der Bürgermeister zuversichtlich. Bei Bedarf gibt es darüber hinaus auch noch Tagesmütter in Sellnrod. Eine der Mücker Erzieherin will dort arbeiten, eine Tagesmutter würde als Auszubildende beginnen und von der Genehmigungsbehörde als vollwertige Kraft angerechnet. Sellnrod würde Ganztagsbetreuung, wenn dort auch die Nachfrage sein sollte wie in den anderen fünf Mücker Kindergärten.

Bürgermeister Sommer wies darauf hin, was passiert, wenn die Gemeinde die Einrichtung nicht übernimmt: Den Vorgaben entsprechend hätte die Großtagespflegestelle nur mit vier Kindern weiter betrieben werden können. SPD-Vertreterin Pia Bachmann fragte, ob die Sellnröder Einrichtung den Vorgaben entspricht. Das bestätigte der Bürgermeister nach einem Rundgang mit den Fachleuten des Kreises dieser Tage.

Von einer zügigen Lösung der Problematik beim Austausch mit dem Ersten Kreisbeigeordneten am Mittwoch sprach gegenüber der AAZ Dr. Hans Heuser, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereines. Zusammen mit Vorsitzender Ann-Kathrin Wallisch und Vorstandsmitglied Michael Keller habe man auch klar gestellt, dass sich die Aktiven des Trägervereins keinesfalls zurück ziehen, wenn die Gemeinde wieder die Trägerschaft übernimmt.

Schließlich gebe es genügend Aufgaben und vor allem viele engagierte Mitglieder. Wie es weiter geht, das werde man in der Jahreshauptversammlung im März sehen. Änderungen etwa zu einem Förderverein könne man erst dann anstoßen, wenn die Gemeinde die Einrichtung übernommen habe. Dafür muss noch eine Betriebserlaubnis beantragt werden. Dann können nach Angaben von Dr. Heuser in einer gemischten Gruppe (Zweijährige bis Vorschulkinder) bis zu 25 Kinder betreut werden.

Der Trägerverein habe großartige Arbeit geleistet, bilanzierte Bürgermeister Sommer das Wirken in den vergangenen Jahren.

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