17. Januar 2019, 08:00 Uhr

Trinkwasser

Frankfurter sollen nicht länger Vogelsberger Wasser verschwenden

In Frankfurt werden mit Vogelsberger Wasser Autos gewaschen und Schwimmbäder gefüllt. Das treibt manchem die Zornesröte ins Gesicht. Jetzt scheint ein Ende des Wasserstreits in Sicht.
17. Januar 2019, 08:00 Uhr

Wenn Frankfurter Quellen schon keine Trinkwasserqualität haben, dann könnte man das Wasser wenigstens für Toilettenspülungen nutzen, wo bisher kostbares Trinkwasser durchrauscht, so die Wasserschützer.

Die vielen Proteste haben jetzt Erfolg. So freut sich die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) nach langer Vorarbeit über einen echten Durchbruch: »Die mögliche Entlastung der Fernwassergewinnungsgebiete, auch im Vogelsberg, rückt in greifbare Nähe«, stellen Cecile Hahn und Dr. Hans-Otto Wack fest.

Bei den Landespolitikern scheine man einzusehen, dass die Wasserversorgung für Rhein-Main wesentlich stärker aus den dortigen Wasservorkommen gedeckt werden muss. Auch aus solchen, die keine Trinkwasserqualität haben. Dies geht aus Passagen des Koalitionsvertrages zwischen Grünen und CDU hervor.

 

Forderungen erstmals festgeschrieben

Darin heißt es: »...um die Versorgung der Bevölkerung mit gutem Trinkwasser nachhaltig zu sichern, werden wir Maßnahmen wie die Einführung von Brauchwassersystemen in Industrie- und Wohnanlagen forcieren. Die Kommunen sollten bei der Ausweisung von Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten den Bau eines Zweileitungssystems aus Trink- und Brauchwasser prüfen.«

Damit würden die Forderungen das allererste Mal ausdrücklich festgeschrieben, sagt Wack, bisher habe man die Sache beim Land »nicht anfassen« wollen und erklärt, die Kommunen seien zuständig. Nun wird eine der wichtigsten Forderungen, zumindest in Neubauten kein Trinkwasser mehr für Toilettenspülungen zu verschwenden, zu einem Pfeiler der Landespolitik.

Dies ist, neben der verstärkten Nutzung der ortseigenen Trinkwasserwerke, eine wichtige Voraussetzung für eine stärkere Eigenversorgung zum Beispiel in Frankfurt und damit für ein Reduzieren des Fernwasserimports. Man werde darauf achten, dass die Forderungen bei Bebauungsplänen umgesetzt werden, kündigte Wack an.

 

Kosten und Umweltschäden für Wasserlieferanten

Noch eine andere Forderung hat Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden. Seit Jahrzehnten bezahlen die Kommunen in den Wassergewinnungsgebieten für den Grundwasserschutz für Rhein-Main viel Geld und erleiden Umweltschäden. Damit soll jetzt Schluss sein.

Im Koalitionsvertrag steht: »Wir wollen den örtlichen Auswirkungen der Nutzung der Wasservorkommen, zum Beispiel im Vogelsberg und im hessischen Ried, in Form von Umwelt- und Ressourcenkosten durch einen zweckgebundenen Ausgleich Rechnung tragen.«

Für das jetzt Erreichte haben wir lange gekämpft

Hans-Otto Wack

Wird dies umgesetzt, können Gewinnungsgebiete mit einem Ausgleich von Kosten, die durch Wasserschutzgebiete entstehen, rechnen. Gleiches gilt für das Begleichen von angerichteten Umweltschäden. Denn auch das Regenerieren von trockengelegten Feuchtgebieten kostet Geld. »Nach 100 Jahren bekämen die Kommunen im Vogelsberg damit erstmals eine Entschädigung,« sagt Wack. Sie müssten sich jetzt melden: »Besser geht es nicht, das Land hat einen Geldtopf aufgemacht.« Die SGV ist zuversichtlich, dass der Koalitionsvertrag eine gute Basis für das Durchsetzen ihrer Forderungen ist, und dass das Streiten ums Wasser zu einem Umdenken geführt hat. Mit Vertretern zahlreicher Parteien und besonders den heimischen Bundestagsabgeordneten sieht man sich Bunde. Wack: »Für das jetzt Erreichte haben wir lange gekämpft.« 

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