23. Dezember 2018, 12:00 Uhr

Poetry-Slam

Hombergerin Stella Jantosca ist leidenschaftliche Poetry-Slammerin

Wie bitte? Poetry-Slam? Was ist das denn? Die Hombergerin Stella Jantosca blickt oft in verwunderte Gesichter, wenn sie von ihrer Leidenschaft erzählt. Es ist einfach: Sie schreibt Texte und trägt sie vor.
23. Dezember 2018, 12:00 Uhr
ESI
Sie tritt über die deutschen Grenzen hinaus auf: Stella Jantosca beim Poetry-Slam in Salzburg. (Foto: Slamlabor)

Poetry-Slam bedeutet übersetzt »PoesieSchlacht«. Und wer schon einmal auf so einem literarischen Vortragswettbewerb war, der weiß, dass es tatsächlich einem Kampf gleicht. In positiver Hinsicht natürlich. Ein Kampf der Künste, könnte man sagen. Teilnehmer eines Poetry-Slams haben fünf bis sieben Minuten Zeit, einen beliebigen selbst verfassten Text vorzutragen.

Als Jury werden fünf Leute aus dem Publikum ausgewählt, die die Slammer bewerten. Die Texte sollen die Zuhörer emeotional berühren – mal gibt es ernste gesellschaftskritische Texte zu hören, mal ein herzzerreißendes Liebesgeständnis, und manchmal kommt man aus dem Lachen nicht heraus.

Stella Jantosca kommt aus dem Homberger Stadtteil Gontershausen, wohnt seit August in Marburg und studiert dort Soziologie. Seit knapp einem Jahr ist sie in der Poetry-Slam-Szene unterwegs. In der 12. Klasse hatte sie eher zufällig einen Kurs »Kreatives Schreiben« belegt. Mit der Gruppe besuchten sie öfter Slams im Kulturzentrum Marburg. »Vorher hatte ich mit Schreiben nichts am Hut«, erklärte die 19-Jährige.

 

Lars Ruppel motivert sie

Zu ihrem ersten Auftritt im Marburger Kulturzentrum KFZ motivierte sie Lars Ruppel, ein bekannter Slam-Poet aus Gambach. Das erste Mal stand Stella Jantosca auf einer Bühne – und gleich vor 300 Leuten. »Ich habe meinen Text sicher zwei Monate lang drei- oder viermal am Tag aufgesagt, so nervös war ich. Als es dann so weit war, hat natürlich trotzdem nichts geklappt«, erzählt sie lachend. »Das Publikum war trotzdem klasse. Total verständnisvoll.«

Und weil Übung den Meister macht, steht sie heute manchmal vor 500 bis 600 Leuten auf der Bühne und spricht zum Publikum, als seien da alles Freunde. »Jetzt ist das auf einmal normal. Wenn ich aber vor zwanzig Leuten an der Uni ein Referat halten muss, kriege ich immer noch weiche Knie.« Mittlerweile hat sich die 19-Jährige beim Poetry-Slam einen Namen gemacht und ist in ganz Hessen unterwegs. Sie war unter anderem bei den U20-Hessenmeisterschaften in Marburg vorn dabei und tourte kürzlich mit neun anderen Slammern durch das Rhein-Main-Gebiet. Auch in Österreich stand sie schon auf der Bühne. Insgesamt hat sie an fast 70 Poetry-Slams teilgenommen, und die Bilanzen zeigen, dass sie nicht selten im Finale ist. Auf der Bühne gehört Stella Jantosca zu den Poeten, die eher Ernstes vortragen. Sie thematisiert Essstörungen oder sexuelle Orientierungen.

 

Es geht nicht nur um gewinnen

Natürlich sei es schön zu gewinnen, aber darum geht es nicht, sagte sie. Es ist die Gemeinschaft, die hinter den Wettbewerben steht. »Wir lieben alle unsere wenigen Minuten auf der Bühne, aber was im BackstageBereich passiert, das ist das wahre Highlight.« Dort wird gedichtet, gesungen und gelacht. Korken knallen, Freundschaften werden geschlossen. Der Gewinn werde sowieso meistens unter den Teilnehmern aufgeteilt. Das kann eine Flasche Sekt sein, mal wird ein Beutel durchs Publikum gereicht, der mit allem befüllt werden darf, was die Zuhörer für angemessen halten. »Geld, Kondome, ein Schuh. Das Schrägste, was im Beutel war, war ein Wörterbuch von ›Kanackisch‹. Das lag in meiner WG auf dem Küchentisch und hat uns wochenlang bespaßt«, erzählt Jantosca.

Die Poeten nennen sich selbst »Slamily«, eine Mischung aus »Slam« und »Family«. »Poetry-Slam gibt mir einfach so viel. Ich gehe jetzt mit offeneren Augen durch die Welt, bin wissensdurstiger und selbstbewusster geworden«, sagte sie und hätte nichts dagegen, wenn sich auf der Schiene ein Beruf auftun würde.

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