18. Dezember 2018, 21:53 Uhr

Haft für Schlag mit der Flasche

18. Dezember 2018, 21:53 Uhr

Eine junge Frau, die sich weigert, in den Gerichtssaal zu kommen, und ein Zeuge, der offenkundig eine Behinderung hat, was die Vernehmung nicht einfacher machte, prägten den Prozess gegen einen 29-Jährigen in Alsfeld. Am Ende standen drei Jahre Haft. Das liegt am langen Vorstrafenregister des Alsfelders mit 13 Verurteilungen. Er ist seit 25. Mai in Haft, weil die Gefahr weiterer Straftaten besteht.

Hauptpunkt waren Vorwürfe von Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung. Doch die Hauptzeugin, das 20-jährige Opfer, saß eineinhalb Stunden im Foyer des Amtsgerichts und wollte auf keinen Fall in einem Saal mit dem 29-Jährigen. Zwei Polizisten und der Richter konnten sie nicht zum Hineingehen bringen.

Und den Angeklagten aus dem Verfahren zu entfernen, birgt die Gefahr, dass das Urteil angefochten wird. Erst nach gutem Zureden eines Wachtmeisters ging die 20-Jährige mit den Schutzpolizisten in den Saal, setzte sich mit dem Rücken zum Angeklagten und sagte aus. Sie erinnerte sich daran, dass der 29-jährige A. sie gewürgt, unter die Dusche gezerrt und geduscht hat. Dann habe er sie gepackt und im Zimmer in die Ecke geschleudert.

Als die Polizei kam, seien A. und ein Bekannter, T., gegangen. Später habe ihr A. auf dem Parkplatz einer Drogerie mit einer Schnapsflasche auf den Schädel geschlagen und mit einer Bierflasche ans Kinn. Erst im Krankenhaus sei sie zu sich gekommen. Sie lag sieben Tage mit einer Schädelfraktur in der Klinik. Wie sie sagt, ist eine Schädelseite taub, sie hat oft Kopfschmerzen »und ich kann kaum schlafen«. Sie will eine Therapie beginnen. Die Schutzpolizei war an jenem 24. Mai dreimal an der Wohnung der 20-jährigen Frau.

Gegen Mitternacht seien die beiden Männer der Wohnung verwiesen worden. Eine Stunde darauf kam der Beamte zum Drogerie-Parkplatz und traf die 20-Jährige auf einer Trage im Rettungswagen an. Der Polizist bemerkte Glassplitter auf ihrem Schal. Etwas später haben die Polizisten A. und T. hinter einem Lebensmittelmarkt gefunden. Der Beamte sagte, A. sei ruhig, wenn die Polizei kommt. »Aber wenn er Tabletten nimmt, ist er außer Rand und Band.« Überall, wo der 29-Jährige zeitweilig wohnte, gab es Ärger mit den Nachbarn, zertretene Türen und zerschlagenes Mobiliar. Zum Hergang konnte T. nichts beitragen. Er wurde aus einer Werkstatt für Behinderte geholt. Er könne sich an nichts erinnern. A. sagte, er wolle von Drogen, Alkohol und Tabletten wegkommen und ein guter Vater für seinen Sohn sein. Er will eine Therapie beginnen.

Im Plädoyer forderte der Staatsanwalt drei Jahre Haft. Er wertete die Darstellung der 20-Jährigen als glaubhaft. Zu den Körperverletzungen kommen Diebstähle, Widerstand gegen Polizisten, Einbruch und Tierquälerei. Die Verteidigerin hielt die Aussagen der 20-Jährigen für nicht glaubwürdig, sie habe sich nur an Belastendes erinnert und keine Würgemale aufgewiesen.

Der Schlag mit der Flasche auf den Kopf sei von jemand anderem ausgeführt worden. Der Vorsitzende Richter meinte, die 20-Jährige habe »einen ganz großen Auftritt hingelegt«. Aber dennoch sei ihre Aussage glaubhaft. Übrigens stehen im nächsten Jahr zwei weitere Verfahren gegen A. an.

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