18. Dezember 2018, 07:30 Uhr

Innenstadt

Wer darf Seniorenprojekt in der Homberger Innenstadt bauen?

Vor drei Jahren war eine Mehrheit im Bürgerentscheid dafür, in der Homberger Friedrichstraße senioren- gerechte Wohnungen zu bauen. Die Schottener Sozialen Dienste stehen mit einem modernen Wohnprojekt in den Startlöchern. Doch auch andere Investoren haben Interesse. Wer zum Zug kommt, ist unklar.
18. Dezember 2018, 07:30 Uhr
Wer darf seniorengerechte Wohnungen in der Homberger Friedrichstraße bauen? Darüber ist ein Streit entbrannt. (Foto: rs)

Vor einiger Zeit hatten die Schottener Sozialen Dienste Stadtverordneten ihre Überlegungen in einer nicht-öffentlichen Sitzung vorgestellt. »Mit großem Erstaunen haben wir die politischen Diskussionen in Homberg um die zukünftige Nutzung des Grundstückes in der Friedrichstraße verfolgt«, sagt Geschäftsführer Christof Schaefers nun. Inhalte des Bürgerentscheids und die vorliegenden Planungen durch das Architekturbüro Gans seien dem Sozialunternehmen erst in der nicht öffentlichen InfoVeranstaltung bekannt geworden.

»Wir stimmen jedoch mit unseren Planungen mit den Bürgern überein. Wir wollen in der Innenstadt barrierefreie, altersgerechte Wohnungen für Senioren schaffen, in denen die Mieter wohnen bleiben können, wenn sie Unterstützung im Alltag oder in der Pflege benötigen.« Je nach Unterstützungsbedarf könnten sie sich gewünschte Module dazu buchen. Beispiele können etwa wöchentliche Einkäufe, das Putzen der Wohnung oder Pflege sein, wenn benötigt. Gruppen- und Freizeitangebote am gleichen Ort sollen die Menschen miteinander in Kontakt bringen und der gerade im Alter schmerzlich empfundenen Vereinsamung entgegenwirken.

Das Konzept sieht deshalb ein Café/Bistro/Restaurant vor, das allen Hombergern zur Verfügung stehen soll. Damit entstehe ein Ort der Begegnung und des Austausches, »der zur Belebung der Innenstadt führen kann«. Die Innenstadtlage sei für Senioren schon deshalb wichtig, damit sie kurze Wege haben und ihre Belange möglichst lange selbstständig erledigen können. Daher begrüße man eine Kooperation mit der Ideenwelt Gesundheitsmarkt (IWG) als Partner, die eine integrierte ärztliche Versorgung sicherstellen will und »so dazu beiträgt, ein zeitgemäßes Konzept zu verwirklichen wie es auch in Nachbarlandkreisen bereits erfolgreich umgesetzt wurde«.

Das Grundstück in der Friedrichstraße biete die Möglichkeit, sozialräumlich zu denken und »eine moderne zukunftsweisende Quartiersentwicklung« zu verwirklichen«. Die Schottener Soziale Dienste gGmbH bietet seit den 1970er Jahren am Standort im Wingenhain Altenpflege mit einer stetig hohen Auslastung an. Die baulichen Gegebenheiten lassen jedoch eine moderne Weiterentwicklung für seniorengerechte, barrierefreie und zukunftsweisende Altenhilfe nicht zu. Daher habe man sich zu einem Neubau in der Innenstadt entschlossen, erläutert Silke Becker und erklärt: »Wir stehen grundsätzlich zum Standort Homberg/Ohm.«

Daher freue man sich über die »allseits spürbare Bereitschaft über alle Parteigrenzen hinweg, uns in unserem Bemühen um eine zeitgemäße Weiterentwicklung und Modernisierung der Angebote zu unterstützen«. Dies sei auch unabdingbare Voraussetzung für einen Verbleib in Homberg und damit den Erhalt und Ausbau der Arbeitsplätze.

»Wir stehen nach wie vor zu unserem Wort, unseren Konzeptideen, die wir in einer nicht-öffentlichen überparteilichen Suitzung vorgestellt haben, wir wollen sie in den Gremien erläutern, Frage beantworten und für unsere Ideen werben.« Leider seien die bisherigen Diskussionen »über uns, aber ohne uns geführt« worden, bedauert Silke Becker. Durch Presseberichte sei der Eindruck entstanden, dass die zukunftsweisenden Investitionen womöglich in Homberg nicht willkommen seien. »Das wäre schade«, so Christof Schaefers, »denn wir fühlen uns über all die Jahre mit der Stadt verbunden und schauen auf eine langjährige gute Zusammenarbeit«. Es habe den Anschein, dass das Unternehmen in die Mühlen einer politischen Diskussion geraten sei, »an der wir als Schottener Soziale Dienste gGmbH kein Interesse haben,« so Schaefers. »Unser Anliegen ist es, den Bürgern weiterhin ein verlässlicher Partner für ihre Lebensplanung im Alter zu sein und ihnen fortschrittliche passgenaue Hilfen anbieten zu können.«

Die Diskussion soll bei der Stadt im neuen Jahr weitergehen. (Bild: Wundertoll)

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