10. August 2018, 21:48 Uhr

Fragen zum Sonntag

10. August 2018, 21:48 Uhr

Predigtwort für den 11. Sonntag nach Trinitatis

»Da sprach Nathan zu David: »Du bist der Mann!« 2. Sam. 12,7

Dieses Schriftwort begeistert mich immer wieder, aber ich muss schon erklären, was da heute über diesen »Fragen« steht und warum es mich begeistert.

Vielleicht gelingt es ja, die Geschichte, aus der dieses Wort stammt, in unsere Zeit zu übertragen? Zuerst spielt sie vor rund 3000 Jahren! In unseren Tagen könnte ich sie so erzählen, diese Geschichte:

Ein Mensch, der sich gläubig und christlich nennen würde, verliebt sich kurzer- hand in eine verheiratete Frau. Nun trifft es sich, dass der Ehemann der Frau bei eben diesem Menschen sein Geld verdient: Er ist angestellt bei ihm, steht in Lohn und Brot bei diesem Menschen und ist weisungsgebunden und abhängig von ihm. – Der Chef ist also verliebt in die Frau seines Mitarbeiters.

So weit, so gut. Es ist wohl noch keine Sünde, eine andere Frau als die eigene attraktiv zu finden und liebenswert. Aber was macht unser Mensch? Er schickt den Angestellten auf Montage fern von zu Hause. Mehrere Wochen am Stück weilt dieser nun im Osten Europas. Sein Gesuch, auch immer einmal andere Aufträge – in der Nähe des Wohnortes – zu bekommen, werden beharrlich abgelehnt. Wobei ihm allerdings verschwiegen wird, dass der Chef selbst hinter den Bemühungen steht, ihn möglichst fern von daheim einzusetzen. Die Frau ist also viel allein. Und der Chef macht sich an sie heran. Und da er ja schließlich der Chef des Mannes ist, wird ihm viel gewährt. Schließlich geht die Ehe in die Brüche. Der Angestellte wird entlassen. Die Frau – nach einer dem »Anstand« entsprechenden Weile – vom Chef geheiratet.

Eine schlimme Geschichte, nicht wahr? (Im Original ist sie noch schlimmer! Der Ehemann wird genau genommen vom »Chef« umgebracht!) Aber es geht noch weiter:

Wir denken uns, eine Zeit später tritt ein Freund des »Chefs« auf. Er hat mitbekommen, wie übel dem kleinen Angestellten mitgespielt und wie die Ehe systematisch von außen zerstört wurde. Wir denken uns überdies, auch dieser Freund hätte christliche Überzeugungen und er wäre gläubig und hörte jetzt sozusagen auch den Auftrag Gottes, seinen Freund zurechtzuweisen.

Vielleicht erzählte er seinem Freund eine Geschichte: »Stell dir vor, da ist in deiner Firma einer, der hat auf üble Weise einem Untergebenen die Frau ausgespannt! Er hat seine Macht ausgenutzt und die Position, die er in deinem Betrieb innehat. Die Frau ist durch Machenschaften ihrem Ehemann entfremdet worden, und schließlich hat er sie für sich gewonnen.« Könnten wir uns jetzt nicht auch denken, dass geschieht, was damals geschehen ist? Dass der »Chef«, weil er seine Schuld halt verdrängt und inzwischen fast vergessen hat, sich auch aufregt und den Namen des Mannes wissen will, der in seiner Firma so etwas getan hat? Und genau an dieser Stelle nun spräche der Freund den Satz, der heute über diesen Fragen steht: »Du bist der Mann!« Ja, und genau das begeistert mich an dieser Geschichte: Nur ein Satz, nur vier Wörter – und bei dem Täter schlägt die Wahrheit ein wie eine Bombe.

Was wäre nun? Wie ginge es weiter?

David, der »Chef« damals, hat Buße getan. Er hat seine Schuld eingesehen und dafür auch seine Strafe erhalten. – Aber hier? Ob die Christlichkeit des heutigen Chefs wohl reichte, um auch ihn zur Reue zu führen? Ob er über dem Erkennen seiner Schuld, dem Bekennen seiner Sünde und der Vergebung dafür neu werden kann? Oder ob er sich nur aufregt, den Freund des Hauses verweist und nie mehr mit ihm zu tun haben will, weil er ihm gesagt hat, was bei ihm nicht in Ordnung war und ist?

Liebe Leserin, lieber Leser, wo sind die Schulden unseres Lebens? Was haben wir Menschen angetan und inzwischen verdrängt, ohne es je zu bereinigen? Mit welchen Menschen reden wir nicht mehr – weil sie uns einmal die Wahrheit gesagt und uns auf unsere Schuld hingewiesen haben? Wem nehmen wir heute noch übel, dass er oder sie uns so angesprochen hat: »Du bist der Mann! Du bist die Frau!«? Aber haben wir nicht längst gemerkt, dass wir unsere Schuld nicht auflösen können durch Leugnen und Verdrängen?

Ich wünsche Ihnen einen guten Sonntag und ein gesegnetes Nachdenken!

Pfr. Manfred Günther (im Internet: www.predigt-eichendorf.de

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