24. Juni 2018, 21:13 Uhr

Auftakt zu »Nie wieder Krieg«

24. Juni 2018, 21:13 Uhr
Sophia Mott stellt vor gut gefüllten Reihen in Lauterbach ihr Buch vor. (Foto: pm)

Die Veranstaltungsreihe »Nie wieder Krieg!« von Soroptimist International (SI) Lauterbach-Vogelsberg startete nun mit einer Lesung in der Stadtbücherei Lauterbach. Sophia Mott stellte ihr neues Buch vor, das sich Martha Liebermann widmet, der Frau und Witwe des Malers Max Liebermann. Im Foyer der Bücherei wurde es sehr eng, so groß war das Interesse am Thema und der Autorin, die aus der Region stammt. Mott ist als Lehrkraft für Cello und Kontrabass in Lauterbach und Fulda tätig.

In ihren einleitenden Worten bezogen sich Petra Scheuer, Leiterin der Stadtbücherei, als auch SI-Präsidentin Susanne Bolduan auf den Rahmen des Abends – »Nie wieder Krieg!« – in dem die Lesung über das Schicksal Martha Liebermanns einen idealen Platz gefunden habe. Petra Scheuer erinnerte an die außerordentlichen Privilegien unserer demokratischen Gesellschaft. Dazu gehören Presse- und Meinungsfreiheit, also die Freiheit des Geistes, die sich auch in Büchern niederschlage.

Susanne Bolduan erläuterte das große Projekt des SI-Clubs, das mit seinem Motto »Nie wieder Krieg!« den Nerv der Zeit getroffen habe. Es gehe um den Wunsch aller nach Frieden. Bis Ende September werden sich Vorträge und Konzerte dem Thema widmen. Im Zentrum stehe die Verhüllung des Löwendenkmals am 1. und 2. September mit einem Friedensfest.

Über 230 Menschen aus der Region und ganz Europa hätten die für die Verhüllung nötigen Woll-Elemente gestrickt und damit eine wichtige Zielrichtung des Projektes dokumentiert: Jeder Mensch könne sich engagieren, um Frieden zu bewahren. Sie dankte allen Förderern und beteiligten Institutionen, darunter der Stadtbücherei, die der Veranstaltungsreihe ihren optimalen ersten Standort ermöglicht habe.

Die Autorin erläuterte, wie sie Martha Liebermann »kennenlernte« und vor einigen Jahren begann, sich für das Schicksal der Witwe Max Liebermanns zu interessieren. Sie habe am 10. März 1943 den Freitod gewählt, um Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.

Aus umfangreichen Recherchen in Berlin, der Schweiz und Schweden entstand eine Romanform, in der sich die Autorin der Protagonistin sowie den historischen Charakteren und Geschehnissen näherte. Es entstand eine soghafte Mischung aus empathischer Innen-Ansicht und historisch-gesellschaftlichem, facettenreichem Tableau, die Liebermanns Leben in einer fürchterlichen Zeit eindringlich schildert.

Mott begann mit einer Nacht im Oktober 1942 als Martha Liebermann 84 Jahre alt ist. Die Autorin dringt tief in das Seelenleben der Künstlerwitwe vor, die den Schlaf sucht und dabei angstvoll reflektiert. Die bedrängte Situation ist so nachvollziehbar, dass man sich unmittelbar an der Seite der Protagonistin fühlt. Im Buch werden Menschen in den Focus gestellt, die Martha Liebermann retten wollten und sich dadurch in Lebensgefahr begaben – darunter ein Unternehmer aus Fulda. In Rückblenden fächert Mott auch die Vergangenheit der Witwe an der Seite ihres Künstlermannes Max auf und erweckt so die Familie zum Leben.

Die Lesung wurde oft von Erläuterungen der Autorin unterbrochen, die über ihre Recherchen zum gelesenen Schwerpunkt sprach, deren Details einen enormen Zeitaufwand bedeutet haben müssen. Dies steht auch für die sehr persönliche Beziehung, die die Autorin zu ihrer Protagonistin entwickelt hat. Sie zeigt eine große Verbundenheit mit der Figur und deren Schicksal, die der vermeintlichen Unbedeutsamkeit einer starken, mutigen Frau ein starkes, literarisches Erinnern entgegensetzt und sie dem Vergessen entreißt.

Das Buch erscheint im Frühjahr 2019 bei Ebersbach & Simon. Infos zu den Veranstaltungen unter www.niewiederkrieg.net

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