Lasche Kontrollen

Nach Sparkassen-Betrug Konsequenzen gefordert

Im Zuge des Betrugsfalles bei der Sparkasse Oberhessen kritisieren viele, dass es keine Konsequenzen gibt. Politikern in der Wetterau fordern diese nun.
21. Dezember 2017, 08:00 Uhr
Mehrfach wurde im Zuge des Betrugs ein Kontrollversagen der Sparkasse moniert. Jetzt fordern Politiker Konsequenzen. (Foto: Nici Merz)

Die Reaktion der Sparkasse Oberhessen auf den Betrugsfall im eigenen Hause, bei dem ein leitender Angestellte in den letzten zehn Jahren 8,9 Millionen Euro auf sein privates Konto unbemerkt umgeleitet hatte, war kurz: Es seien keine Kunden geschädigt worden; die Sparkasse werde alles in ihren Kräften Stehende veranlassen, um die verschwundenen Millionen wieder zurückzuerhalten. Die Reaktionen aus der Politik sind dagegen weniger zurückhaltend.

Die Sparkasse verliert bislang kein Wort über die internen Konsequenzen aus dem Skandal. Nur am Rande des Gerichtsverfahrens gegen den früheren Fachbereichsleiter aus Limeshain wurde bekannt, dass dessen direkter Vorgesetzter den Hut nehmen musste. Auch einer Mitarbeiterinnen des Angeklagten wurde gekündigt hatte, sie musste nach einem Arbeitsgerichtsprozess aber wieder eingestellt werden.

Erst spät flog die Sache auf

Das Gericht hatte kein Mitverschulden an dem Betrugsfall feststellen können – außerdem sei ihre Fortbildung in Sachen Buchführung der Sparkasse ledig zwei Tage Wert gewesen. Nicht ausreichend, um die Machenschaften ihres Vorgesetzten zu durchschauen, so das Gericht.

Das aber hätten der Vorgesetzte des Angeklagten oder die mit der Kontrolle betrauten Abteilungen des Hauses tun müssen. Keinem bei der Sparkasse waren die Machenschaften aufgefallen. Erst nachdem die Deutsche Kreditbank Berlin einen Geldwäsche-Verdacht gemeldet hatte, flog die Sache auf.

»Die Kontrollen waren da und das System an sich wasserfest. Der Mann war halt ein Genie und hat die schmale Lücke erkannt und rechtswidrig ausgenutzt«, sagte Sparkassen-Vorstand Günter Sedlak nun vor dem Haupt- und Finanzausschuss des Vogelsbergkreises. In seinen Bereich fällt das Rechnungswesen. Mittlerweile wurde die Abteilung aufgeteilt und ein Teil, nämlich die Kontrolle, einem anderen Vorstandmitglied unterstellt. »Ich glaube, wir haben daraus gelernt«, sagte Sedlak vor dem Ausschuss. Gegen kriminelle Energie sei nunmal niemand gefeit.

Das sehen die Oppositionsparteien im Wetterauer Kreistag etwas anders: »Meines Erachtens sollte der gesamte Aufsichtsrat zurücktreten, um damit eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge durch einen neuen Aufsichtsrat sicherzustellen«, sagt beispielsweise der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Erich Spamer. Umfangreiche Aufklärung fordert auch Grünen-Fraktionschef Michael Rückl.

Das Problem sei, dass diverse interne Prüfungen das Leck, das der Betrüger nutzte, in der Vergangenheit nicht festgestellt haben. »Es wird deshalb zu fragen sein, warum das so ist«, so der Grünen-Politiker. Wie andere will auch er den Vorstandsvorsitzenden Sedlak in einer demnächst stattfindenden Sitzung des Wetterauer Haupt- und Finanzausschusses, die allerdings nicht öffentlich sein wird, nach dessen eigenen Verantwortung fragen. Je nach Umfang des Fehlverhaltens von verantwortlichen Vorgesetzten dürfe dann auch eine Entlassung kein Tabuthema mehr sein.

»Dies gilt für alle Beteiligten«, meint dazu der AfD-Fraktionsvorsitzende Klaus Herrmann. Die FDP hingegen möchte nach Worten ihres Sprechers Peter Heidt dem Sparkassenchef die Chance geben, die Dinge in eigenen Verantwortung wieder aufzuarbeiten. Politiker der beiden großen Parteien CDU und SPD wollten sich zu dem Vorgang nicht äußern. Es müsse »Sparkassen-intern« aufgearbeitet werden. Alle Parteien sind sich einig, dass sie weiterhin in dem Aufsichtsgremium der Sparkasse – einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung im Eigentum der Landkreise – vertreten sein sollten.

Es sollten die Parteien den Verwaltungsrat nicht als Versorgungsposten für altgediente Politiker ansehen, sondern zukünftig nur noch ausgewiesene Fachleute in das Gremium entsenden«, meint FDP-Mann Jörg-Uwe Hahn. (Archivfoto)

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