16. November 2017, 22:45 Uhr

Theatermalerei zwischen Kunst und Handwerk

16. November 2017, 22:45 Uhr
Christine Hübner war mehrere Jahre als Theatermalerin tätig. (Foto: dkl)

Gießen (dkl). Es war die zweite Vortragseinladung, die gemeinsam von der Hein-Heckroth-Gesellschaft und dem Institut für Kunstgeschichte der Universität ausgesprochen wurde. Unter dem Oberthema Vortragsreihe »Bild und Bühne« werden Referenten geholt, die sich mit dem Thema Bühnenbild beschäftigen. Für die Kunstgeschichte begrüßte Prof. Sigrid Ruby, die seit einem Jahr das Institut leitet. Der Margarete-Bieber-Saal war gut gefüllt beim Vortrag zum Vortrag »Vor dem Bühnenbild. Die Theatermalerei im 19. Jahrhundert als Gattung zwischen Handwerk und Kunst«.

Der erst kürzlich gewählte neue Vorsitzende der Heckroth-Gesellschaft, Dr. Markus Kiefer, wies auf eine Besonderheit in der Biografie der Referentin hin, die in Göttingen lehrt. Christine Hübner war vor ihrem Studium mehrere Jahre als Theatermalerin an der Bayerischen Staatsoper München tätig. Erst für ihre Dissertation beschäftigte sie sich mit dem Münchner Hoftheatermaler Simon Quaglio und der Theatermalerei als künstlerischer Gattung im 19. Jahrhundert. »So habe ich meine beiden Ausbildungen wieder zusammengebracht«, sagt sie.

Eine Zäsur in der Theatermalerei waren die Entwürfe von Karl Friedrich Schinkel für die »Zauberflöte« 1815 an der Berliner Oper. Umgesetzt wurden diese Entwürfe von den dort angestellten Theatermalern. Was heute selbstverständlich ist, war damals neu, streift die zentrale Frage nach Urheberschaft und künstlerischer Autonomie. Üblicherweise waren die angestellten (Hof-)Theatermaler für Entwurf und Umsetzung gleichermaßen zuständig, allerdings war ihr Berufsstand nicht besonders hoch geschätzt. Erst mit den Schinkel’schen Entwürfen begann eine Diskussion darüber, welche Ausbildung ein Theatermaler haben sollte.

Eine höhere Bildung wurde gefordert, Kenntnisse in Architektur, Kunst und Archäologie für die Architekturdarstellungen, ebenso in naturwissenschaftlichen und geologischen Belangen für die Landschaftsprospekte. Das Schlüsselwort war »charakteristisch«. Sogar eine pädagogische Funktion wurde den Theatermalereien zugesprochen. Doch wenn die Forderung nach wissenschaftlicher Korrektheit das Maß war, wo blieb dann die Fantasie und künstlerische Freiheit. Auch bei der Umsetzung ließ die Kritik nicht lang auf sich warten, wenn nämlich die Bühne zu dominierend in ihrer Wirkung war, dann würde das Publikum zu stark abgelenkt vom Bühnengeschehen.

Der Vortrag war angereichert mit hübschen Zeichnungen von Bühnenprospekten, von den ausgeführten Arbeiten auf der Bühne gibt es keine Überlieferung. Auch von der Situation im Theateratelier gibt es Zeichnungen, so war es im deutschen Raum üblich die Leinwand auf dem Boden liegend zu bemalen, in Paris und London hatte man Systeme ersonnen, mit denen auch an der Wand gemalt werden konnte. Es sei eine schnelle Malerei gewesen, so die Rednerin, mit lasierenden Farben, die nach Abspielen des Stücks ausgewaschen wurden, um die Leinwände wieder zu verwenden.

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