31. Januar 2019, 22:08 Uhr

Stadtverkehr

S-Bahn für Gießen Thema Nummer eins

31. Januar 2019, 22:08 Uhr

Die Überlegungen, auch für die Region Gießen ein Schnellbahn-System zu entwickeln, scheint Leute, die sich mit dem Verkehr der Zukunft beschäftigen, im wahrsten Sinne des Wortes zu elektrisieren. Bei der Gründungsversammlung der Agenda-Gruppe »Nachhaltige Mobilität« am Mittwochabend wurde der »Ausbau der Schiene« zum wichtigsten Thema erkoren, mit dem sich die Gruppe in nächster Zeit intensiver befassen will. Dagegen rangierte das in den Medien seit Wochen im Zusammenhang mit dem Stickoxid-Grenzwert und den Diesel-Fahrverboten heiß diskutierte Thema Luftqualität unter ferner liefen, auch die wirtschaftlichen Folgen einer Verkehrswende und die E-Mobilität stießen bei einer Themensammlung auf eher geringes Interesse.

Fast 50 Personen waren der Einladung des städtischen Büros Bürgerbeteiligung in den Vortragsraum der Kongresshalle gefolgt. Der Anstoß zur Gründung einer neunten Agenda-Gruppe kommt vom Innenstadt-Bewohner Klaus Hass. Der früher in der Stadtsanierung tätige Gießener ist den Lesern der GAZ auch als Leserbriefschreiber und kritischer Begleiter der städtischen Planungs-, Bau- und Verkehrspolitik bekannt. Zu seiner Motivation sagte Hass zu Beginn: »Die Lebensverhältnisse in der Stadt werden hauptsächlich vom Autoverkehr bestimmt. Das wachsende Verkehrsaufkommen wird das System Stadt nicht mehr lange tragen können. Es sind Veränderungen nötig. Darauf, dass die Politik handelt, kann man sich nicht verlassen.« So werde es vermutlich noch Jahre dauern, bis die Stadt endlich ein neues Verkehrsentwicklungskonzept vorlegt, erklärte Hass. Ihm sei es zum Beispiel unverständlich, dass es die Stadt nicht schaffe, den Brandplatz als Gestaltungsraum zu nutzen. »Die 70 Autos, die da parken, könnte man doch in die Parkhäuser lotsen.«

Unter den knapp 50 Anwesenden waren auch einige bekannte Personen, die in der verkehrspolitischen Debatte seit Jahren mitmischen. Der Allgemeine Fahrradclub Deutschland (ADFC) war mit einer größeren Delegation anwesend, ebenso Friedhelm Sames, Vorsitzender des Fahrgastbeirats für Nahverkehr in Stadt und Kreis, einige Lumdaltalbahn-Reaktivierer sowie die Projektwerkstatt Saasen, die ein Konzept für einen schienengebundenen Nahverkehr für die Region entwickelt hat und die »autofreie Innenstadt« propagiert. Dieser Wunsch landete auch weit vorne auf dem Themenzettel, noch vor dem Rad- und Busverkehr, wobei diese Themen miteinander zusammenhängen.

Unter Moderation von Stadtmitarbeiter Michael Bassemir einigte sich die Gruppe darauf, sich bei der nächsten Zusammenkunft auf den Stand der diversen Verkehrskonzepte zu bringen. Die Projektwerkstatt soll vortragen, ebenso der frühere Stadtmitarbeiter Reinhard Bayer, der ein Konzept für eine »Regiotram Mittelhessen« entwickelt hat, sowie die Initiative zur Reaktivierung der Lumdatalbahn. Bassemir will sich zudem bemühen, einen Vertreter der Stadt zu gewinnen, der über den Stand des Verkehrsentwicklungkonzepts informieren soll.

Reinhard Bayer hält es vor dem Hintergrund von Entwicklungen wie jetzt im früheren US-Depot – Stichwort Otto-Logistikzentrum – für nötig, schnell zu reagieren und auf den zügigen Bau eines Bahnhaltepunkts an der Rödgener Straße zu drängen.

Kein Gehör fand Marktquartier-Vorsitzender Thomas Kirchhoff, der anmahnte, die Folgen einer autofreien Innenstadt für »Wirtschaft und Wohlstand« zu bedenken. Eine spontane Abstimmung ergab: Nur drei Teilnehmer der Gründungsversammlung waren mit dem Auto gekommen.

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