19. Februar 2019, 20:36 Uhr

Riesengaudi in Muffin-Jeans

Stand-up-Comedian Mirja Regensburg nimmt das Leben mit Humor. Mit ihrem Programm »Mädelsabend« lädt sie zu einer Riesengaudi ein. Und da sind nun auch immer mehr Männer dabei. Im Interview erzählt »Mirja aus Hümme« was die erwartet und warum sie nicht das weibliche Pendant zu Mario Barth ist.
19. Februar 2019, 20:36 Uhr
Mirja Regensburg liebt es, auf der Bühne zu improvisieren. (Foto: Florian Clyde)

Sie waren früher Musicalsängerin, machen nun Comedy. Das ist doch wohl eher ein ungewöhnlicher Weg?

Mirja Regensburg: Das Leben hat einen Comedian aus mir gemacht. Ich habe mich schon als Kind bei Geburtstagen auf Tische und Stühle gestellt und Witze erzählt. Das war Stand up, nur wusste ich das damals noch nicht. Für Musical habe ich mich entschieden, weil das in den Neunzigern die einzige Möglichkeit für eine Entertainment-Ausbildung war. Ich bin dann auch fast ausschließlich für lustige Rollen besetzt worden. In Hannover hat mich ein Regisseur gefragt, ob ich nicht was mit Comedy machen wollte, weil ich in den Proben so lustig improvisiere. Über viele Zufälle habe ich Sascha Korf kennengelernt, der mich zum Impro-Theater gebracht hat. Bill Mockridge hat mich dann später für sein Improvisationstheater »Die Springmäuse« engagiert. Seit 2015 mache ich hauptberuflich nur noch Comedy.

Improvisationstheater ist doch sicher eine gute Schule für Stand-up-Comedy?

Regensburg: Total. Das ist wie ein Werkzeugkasten. Was ich heute mache, ist eine Kombination aus all den Dingen, die ich vorher gemacht habe. Bei den »Springmäusen«, dem Bayern München der Impro-Theater, habe ich unfassbar viel gelernt. Es gibt Comedians, die tun so, als ob sie improvisieren. Ich mache das aber wirklich. Ich arbeite echt mit dem Publikum. Da ist zwar auch mal ein Rohrkrepierer dabei, aber manchmal auch ein goldenes Ei. Das Publikum spürt, was wirklich im Moment passiert. Ich könnte niemals mein Programm gleich abspulen.

Haben es Frauen in der Comedy-Szene schwieriger als Männer?

Regensburg: Das ist das große alte Thema. Ich empfinde das nicht so. Wie in den meisten Berufen gleicht sich das mittlerweile doch ganz gut an. Es ist vielleicht manchmal eher die Frau selbst, die Schwierigkeiten hat, sich auf der Bühne zur Minna zu machen. Ich mache viel Klamauk und doofe Sachen. Das muss man sich schon trauen. Wenn es lustig ist, lachen die Männer auch genauso über eine Frau.

Sie sind jedenfalls schmerzfrei. Ihre Szene mit den Muffin-Jeans, bei denen Bauchspeck wie Teig rausquillt, ist sehr mutig. Wie viele Küsse haben Sie denn mittlerweile schon auf Ihren Bauch bekommen.

Regensburg: Hunderte. Die Männer finden das super. Man muss allerdings den Richtigen herausfinden. Manchmal nehme ich aber auch eine Frau. In der Live-Situation ist das wahnsinnig lustig und die Leute machen mit. Aber es bleibt auch was hängen. Ich kriege Zuschriften von Frauen, die sich bedanken, dass ich mit dem Thema so locker umgehe und die sagen, dass sie selbst morgens lachen müssen, wenn sie ihre Hosen anziehen. Das wollte ich damit erreichen.

Ums Mutmachen geht es in »Mädelsabend« also auch?

Regensburg: Unter anderem. Aber ich spreche natürlich die klassischen Mädelsabend-Themen an. Doch es wird wenig gelästert. Ich habe ohnehin einen liebevollen Blick auf die Männer, hacke nicht auf ihnen herum. Es ist wirklich kein umgedrehtes Mario-Barth-Programm.

Kommen Männer wirklich freiwillig zum »Mädelsabend« oder werden sie von ihren Frauen mitgeschleppt?

Regensburg: Am Anfang haben tatsächlich hauptsächlich Frauen die Karten gekauft. Ich hatte mal eine Show, da war nur ein Mann im Publikum. Nach meinem »Ladys Night«-Auftritt hat sich das aber geändert. Das Video davon geht gut viral und ich sehe nun viele Männer in meinem Programm, die die Karten gekauft haben.

Sie machen viel Interaktion mit dem Publikum. Wer schüchtern ist, sollte sich wohl besser weiter nach hinten setzen.

Regensburg: Ich hole keinen auf die Bühne. Das finde ich ganz schrecklich. Ich gehe runter und rede mit den Leuten und habe mittlerweile ein gutes Gespür dafür, wer das nicht will. Wenn jemand meinem Blick ausweicht oder die Arme und Beine verschränkt, gehe ich weiter. Das entscheidet sich in Sekunden. Bei mir wird keiner vorgeführt. Das ist Ehren-Codex.

Schlagworte in diesem Artikel

  • FC Bayern München
  • Gießen
  • Improtheater
  • Interviews
  • Mario Barth
  • Publikum
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.