11. Januar 2019, 21:25 Uhr

Mit Hackern und Ösen

Ein fieser Trick, ein heftiger Aprilscherz, ein Angriff aufs Rathaus und dann noch das Traumlos für den FC Gießen: 2019 wird in Gießen mit Hackern und Ösen gekämpft.
11. Januar 2019, 21:25 Uhr

Januar: Zur Überraschung der 300 Gäste hält nicht die Oberbürgermeisterin die Neujahrsrede, sondern Landrätin Anita Schneider. Hinterher kommt raus: Schneider hat die OB in ihrem Büro eingeschlossen, weil die Rathauschefin bekanntgeben wollte, dass Gießen zum 1. Juli aus dem Kreis austreten und die Kreisfreiheit erlangen wird.

Februar: Ob’s am Valentinstag lag? Die stadtpolitische Sensation ist perfekt, als Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Bürgermeister Peter Neidel im Stadtparlament wieder miteinander reden. Handgestoppt 8,210 Sekunden stecken die beiden die Köpfe zusammen. Neidel bestätigt den Kontakt: »Ich habe der Kollegin die Uhrzeit gesagt.« Grabe-Bolz dementiert umgehend: »Ich habe ihm die Uhrzeit gesagt.«

März: Das Verwaltungsgericht verhängt ein Dieselfahrverbot, zunächst begrenzt auf Sonntag, 3. März. Weil sie sich nicht um niedrigere Stickoxidwerte gekümmert haben, müssen die Stadtpolitiker die Motivwagen des Fassenachtsumzugs ziehen. Im Urteil steht: »Das ist der menschliche Traktor.«

April: Dieser Aprilscherz der Bürgerinitiative »Historische Mitte Gießen« geht voll daneben. Die Nostalgie-Truppe hat das britische Verteidigungsministerium in einer E-Mail gebeten, die Bombardierung der Gießener Innenstadt vom Dezember 1944 nachzustellen. »Nach dem Angriff könnten die schönen Vorkriegsgebäude wieder aufgebaut werden«, schreibt BI-Sprecher Jan-Patrick Wismar an die Briten. Die Royal Air Force indes winkt ab. Erstens sei die deutsche Luftwaffe schon lange kein ebenbürtiger Gegner mehr und zweitens habe man wegen des Brexit »enough trouble with the Krauts«, heißt es in der Antwort-E-Mail aus London.

Mai: Kettensägen-Gerda kann’s nicht lassen: Aus Anlass des fünften Jahrestags der Landesgartenschau lässt die Stadträtin in der Wieseckaue für jeden der 164 Landesgartenschau-Tage einen Baum fällen und daraus Kunstleitpfosten fertigen. Die Pfosten werden für einen guten Zweck versteigert, die Spende geht an die Selbsthilfegruppe der schwerhörigen Bierfest-Anwohner.

Juni: Bei der Auslosung der ersten Runde im DFB-Pokal zieht der FC Gießen das Traumlos FC Bayern München. Die 10 000 Karten für den Pokal-Hammer sind binnen einer halben Stunde weg. Gießen-Coach Cimen kommentiert das Los: »Attraktiv und sportlich machbar.« Bayern-Boss Hoeness verspricht: »Wir schicken unsere Traditionself mit Hummels, Neuer, Müller, Ribéry und Robben.« Auch der »Hawwerkasten« reagiert sofort und nimmt einen Bellschuh mit Blattgoldüberzug auf die Speisekarte.

Juli: Der Poller-Krieg in der Bootshausstraße eskaliert. Nachdem der Täter, der sich in Bekennerschreiben »Free Willi« nennt, im März einen mobilen Poller mit dem Trennschleifer abgesägt hatte, hat er nun auch die von der Stadt aufgestellten Panzersperren in einer Nacht- und Nebelaktion abtransportiert. Daraufhin verfügt die Stadtregierung den Bau einer massiven, fünf Meter hohen Betonmauer. US-Präsident Donald Trump twittert: »Tear down this wall, Miss Grabe-Bolz.«

August: Mehr Transparenz geht nicht. Erstmals in der Geschichte des Stadtfests werden die Stand- und Bühnenplätze im Rahmen eines öffentlichen Wettkampfs vergeben. Die Bewerber spielen in einem Boxring auf dem Kirchenplatz gegeneinander Stein, Schere, Papier. Die klitzekleine Einschränkung, dass bis auf einen Schausteller alle mit gefesselten Händen hinter dem Rücken antreten müssen, wird von der Lokalpresse natürlich wieder skandalisiert.

September: Unfall am Christoph-Rübsamen-Steg. Ein 21-Jähriger springt nachts nach einer Partywette vermeintlich in den Fluss und bricht sich beide Beine. Der mit »Caipi« abgefüllte Blödmann hat vergessen, dass es seit Februar in Gießen nicht mehr geregnet hat und das Flussbett der Lahn längst in eine Halfpipe umgebaut worden ist.

Oktober: Durch einen Hackerangriff aufs Rathaus gelangen vertrauliche Informationen über unsere Stadtpolitiker in die Öffentlichkeit. Die Bevölkerung ist entsetzt, als sie erfährt, dass der Mädchenname der OB Grabe lautet, Bürgermeister Neidel in Heuchelheim wohnt, Stadträtin Weigel-Greilich nach dem dritten Bier Udo-Jürgens-Schlager singt und Stadträtin Eibelshäuser auch in ihrer Freizeit am liebsten wissend lächelt.

November: Kai Laumann sorgt für einen Shitstorm. Die von ihm angekündigte Gastronomie in der Alten Post besteht aus einer Shisha-Bar und einem Wettbüro. Der neue Eigentümer versteht die ganze Aufregung nicht: »Die Linken wollten doch ein Sozialcafé, jetzt haben sie sogar zwei.«

Dezember: Nun dreht der neue Event-Manager der Stadtmarketing-Gesellschaft richtig auf. Volker Schwarz verlegt den Weihnachtsmarkt aus der Fußgängerzone an die Innenseite des Anlagenrings. Glühwein gibt’s hier im Drive-in-XXL-Format. Die 457 Buden bescheren der Marketing-Gesellschaft eine Rekordeinnahme. Auf der äußeren Fahrspur wird eine Eisbahn präpariert, unterm Elefantenklo richtet die Polizei eine Führerschein-Abgabestelle ein.

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