Lieder in Zeiten des Schmerzes

25. Januar 2018, 20:38 Uhr
Erinnerungen: Anke Claaßen (l.) und Annette Rudert, alias Liedermacherin Nette, schauen sich Bilder von Sarah an, für die Nette auch gesungen hat. (Foto: pm)

Gießen (pm). Einen geliebten Menschen, vielleicht sogar das Kind, durch eine unheilbare Krankheit zu verlieren, ist schwer. Unsagbar schwer. Und weil es so unsagbar schwer ist, wird oft nicht darüber gesprochen. Selbst Freunde finden keine Worte für einen solchen Verlust, wo gutgemeinte Ratschläge oder gar Floskeln nicht weiterhelfen können. Dieser Sprachlosigkeit setzt die Liedermacherin Nette (Annette Ruder) aus Wetzlar ihre einfühlsamen Lieder entgegen. Viele Jahre lang begleitete sie schwerkranke Kinder und ihre Familien auf der Kinderkrebsstation der Gießener Uniklinik. Sie brachte damit Spaß und Freude in schwere Zeiten und wurde für viele der Kinder zu einer Freundin. Einige von ihnen begleitete Nette auch auf ihrem letzten Weg; oft wurde sie gebeten, auf der Beerdigung zu singen.

Lieder zu diesem Thema hatte die Liedermacherin schon früh geschrieben. Für einzelne Kinder und ihre Familien. Besonders das Lied »Ein Licht« wurde immer wieder gewünscht, spiegelt es doch die Verzweiflung der Eltern über einen unüberwindbaren Verlust wider, genauso wie die Hoffnung, dass es ein Wiedersehen geben könnte.

Acht Lieder über Tod und Hoffnung

Inzwischen gibt es acht Lieder über den Tod, die Trauer und die Hoffnung erstmals auf CD. »Ein Licht« wird sie heißen und neben dem titelgebenden Song sieben weitere nachdenkliche, fröhliche, traurige, hoffnungsstiftende, aufwühlende und beruhigende Lieder enthalten – alle aus der Feder Annette Ruderts, arrangiert von ihrem Sohn Marcel, der sie über viele Jahre bereits nicht nur musikalisch begleitet, sondern auch ihr Engagement auf der Kinderkrebsstation miterlebt hat. »Er weiß, wie es mir mit den Liedern geht, aus welcher Stimmung heraus sie entstanden sind, und für welches Kind sie vielleicht erstmals geschrieben wurden. So kann er die Musik zu meinen Texten so arrangieren, dass einfach alles passt. So wie Marcel könnte es niemand anders«, ist sich die Künstlerin sicher.

Häufig hätten Eltern oder Angehörige von Verstorbenen sie um die Lieder gebeten, die ihnen Trost spendeten, berichtet Nette, die drei dieser Songs auch auf ihrem YouTube-Kanal zur Verfügung stellt. Doch eine CD in den Händen zu halten, sie hören zu können, wann und wo immer man sie dabeihat, sie jemandem schenken zu können – all das gibt ein Download nicht her, und so beschloss Nette, ihre Trauer-CD teilweise über Crowdfunding zu realisieren. Für die gesamte Produktion rechnet sie mit Kosten von etwa 20 000 Euro. Dazu hat sie ihr Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Startnext eingestellt. »Wer will, kann dort direkt unter dem Stichwort Trauer-CD fündig werden – das gibt es nur einmal.« Für kleine Dankeschöns – von einem Download bis hin zu einem Wohnzimmerkonzert – kann man sich an der Produktion der CD beteiligen. Auch der Verein Whisper von Soul, eine Organisation verwaister Eltern, unterstützt Nettes Arbeit. »Wer sich mit einer Spende beteiligten möchte und eine Quittung dafür braucht, kann das über den Verein tun«, ergänzt Nette. Bis Anfang März läuft die Crowdfunding-Aktion, zu Ostern soll die CD fertig sein.

CD soll zu Ostern fertig sein

Was Nettes Musik für Eltern bedeutet, erklären Jörg und Anke Claaßen. Ihre Tochter Sarah war vor sechs Jahren Patientin auf der Station Peiper in Gießen. Sie starb im Februar 2013 im Alter von drei Jahren. Während Sarahs Krankheit war Nette zu einer Freundin geworden. »Nettes Lieder gehören für uns zu unserem Leben mit Sarah dazu«, erzählt Anke Claaßen, »Wir sind sehr dankbar für Nettes Unterstützung zu Sarahs Lebzeiten und auch bei ihrem Abschiedsgottesdienst. Das hat uns tief bewegt.« Stücke wie »Ein Licht«, »Die Zeit heilt das nicht« oder »Das Leben ist ein Arschloch« spiegeln die Gefühlswelten wider, in denen sich Trauernde bewegen. »In den Liedern geht es um Trauer und Abschied, aber auch um Hoffnung, um die ganze Mischung an Gefühlen, über die viele kaum sprechen können. Aber mit Musik geht das. Sie geht direkt ins Herz«, beschreibt es Jörg Claaßen.

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