Fluss mit Flair

Kunst ist überall

Die zwölfte Auflage von »Fluss mit Flair« lockte am Sonntag viele Besucher an das Ufer der Wieseck. Reizvolles bietet das Kunstspectaculum aber auch in den privaten Hinterhöfen.
26. Juni 2017, 11:00 Uhr
Einen vielseitigen Blick auf die Kunst liefert das Gießener Kunstspectaculum »Fluss mit Flair«: Sprayer, Kunstschüler und Profis haben genauso ihren Platz in dem Wieseckquartier wie Musiker und Clownerie. (Fotos: csk)

Eigentlich sagen die zwei Bilder schon alles. Sie sind zwar leicht zu übersehen, wie sie da so einsam stehen, irgendwo an einem Haus in der Lonystraße, unter einem Fenster mit heruntergelassener Jalousie. Wer sie aber wahrnimmt und nicht nur an ihnen vorbeischlendert, der versteht sogleich, worum es am Sonntag im Viertel an der Wieseck, in Lony-, Löber-, Bismarck- und Goethestraße, bei der zwölften Auflage von »Fluss mit Flair« geht: darum, dass Kunst einen Tag lang überall ist – auch da, wo man sie nicht vermutet.

Die vielen Besucher finden sie am leichtesten an den mehr als 130 Ständen, an denen Kreative aus ganz Mittelhessen ihre Arbeiten präsentieren. Hier gibt es alles, was das Kunstliebhaberherz begehrt, zum Beispiel Keramiken, Holzfiguren und Werke aus Ton, vor Ort gefertigte Porträts, Comics und konkrete ebenso wie abstrakte Malerei. Keine Frage: Zwischen den Exponaten und ungezählten Möglichkeiten, sich selbst kreativ zu betätigen, wird das diesjährige Motto des nicht kommerziellen Kunstspektakels der Lokalen Agenda-21-Gruppe »Fluss mit Flair« schnell zur obersten Devise für jeden Einzelnen: »Durchblicken!«

Dabei kann Kunst viel mehr als nur schön aussehen. Mal wirkt sie entspannend wie bei der Mitmach-Meditation auf der Bismarckstraße, dann wieder macht sie ihre Zuhörer wach, etwa in Form verschiedener Musikvorstellungen. An vielen Orten kommt sie bunt daher, an einigen hingegen schwarz-weiß, beim »Urban Art« Project riecht sie nach Graffitispray, ein paar Meter weiter duftet sie dann nach frischen Blumen. Oft lädt sie zum Verweilen ein, manchmal bringt sie einen aber auch in Bewegung, so beim Tai-Chi-Chuan gleich vor dem »Café de Paris«.

 

Mehr als schön aussehen

 

Und nicht zuletzt kann die Kunst auch politisch sein. Beispielsweise bei Pjervoj Ogonjok, der passend zum Lutherjahr »Anti-Ablass-Briefe« verteilt und symbolisch Paten sucht für seine »95 Wesen« – Menschen, Tiere und Pflanzen von A wie Ameisenbär über F wie Fußballspieler bis Z wie Zitrone. Wie es sich für einen Künstler gehört, interpretiert Ogonjok die Aktion auf Nachfrage nicht. Nur so viel: »Wir sind und bleiben selbst verantwortlich.«

Einige Anwohner des Quartiers an der Wieseck haben ihre Höfe geöffnet. Auch Monika Rudnik ist wieder dabei. Sie und ihre Helfer haben vorzüglich gekocht. Scampi-Bohneneintopf, Taboulé und Mascarpone mit Erdbeersauce. Auch in Gärten und Hinterhöfen hat das Festival Reizvolles zu bieten.

Als sei das alles noch nicht anstrengend genug, lauern an jeder Ecke weitere Überraschungen. »Häbbert und Hilde« machen mit Improtheater die Straßen unsicher, indem sie ihr Publikum kurzerhand zum Teil kurzer Spielszenen werden lassen. Außerdem zieht das Ensemble des Tinko-Theaters spielend durch die Menschenmengen, während der Kinderzirkus »Kunterbunt« mal hier, mal dort mit Clownerie für Heiterkeit sorgt.

Die meisten Besucher haben Spaß an diesen interaktiven Momenten. Nur selten hört man Stimmen, wie die des jungen Mannes, der sich an der Ecke Löberstraße/Goethestraße aufregt, dass seine Begleiterin ihn nicht in Ruhe sein Eis essen lässt. Schließlich verschwindet er in einem Hauseingang, als sie gerade mit einem Bild beschäftigt ist. Kaum eine halbe Eiskugel später zerrt sie schon wieder an ihm. Diesmal landet er beim Salsa zum Mitmachen des Salsa Clubs. Sein Gesicht verrät, was er denkt: Kunst lauert heute überall – auch da, wo man sie nicht vermutet.

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