25. November 2018, 18:52 Uhr

Geschichten absurder als jedes Libretto

25. November 2018, 18:52 Uhr
Zwischen Autogramm und Wiedersehens-umarmung: Adriana Altaras nimmt sich beim Signieren Zeit. (Foto: gl)

Gießen (gl). Adriana Altaras’ neues Buch »Die jüdische Souffleuse« spielt im Theatermilieu und ist, wie sie sagt, »trotzdem wahr«. Und so war es nur logisch, dass die Opernregisseurin und Autorin mit Gießener Wurzeln aus eben jenem Buch auch im Stadttheater Gießen las, nachdem sie es schon Ende Oktober im Licher Kino »Traumstern« präsentiert hatte. Am Freitagabend nutzten fast 500 Besucher die Gelegenheit, ihre Lesung zu besuchen und, wie Intendantin Cathérine Miville treffend formulierte, ihre tragikomischen Geschichten mit extremer Fallhöhe zwischen Holocaust und Heiterkeit zu hören.

Altaras erzählt in »Die jüdische Souffleuse« von Sissele, die die Regisseurin nötigt, sich mit ihr auf die Suche nach ihrer in aller Welt zerstreuten Familie zu machen. Einer Familie, die an den Schrecken des Holocaust und dem traumatisierenden Einsatz des Vaters im Sonderkommando von Auschwitz zerbrochen ist. Altaras verbindet ihren Blick in menschliche Abgründe aber auch mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für das Theater, in dem nicht nur die Opernlibretti absurde Geschichten erzählen und das sie liebevoll als ihre »dritte Familie« bezeichnet.

Die Tristesse während des Gastengagements an einem Provinztheater, die komplizierten Beziehungen der Theaterleute untereinander oder der Ausnahmezustand aller Beteiligten zur Premiere – all das beschreibt Altaras mit ihrem Geschick für absurde Momente und verbindet es auf ihre ganz eigene Weise mit ihrer »künstlerischen DNA«, dem Holocaust und seinen Folgen.

Und natürlich dürfen auch Anspielungen auf Gießen an diesem rundum faszinierenden Leseabend nicht fehlen. Dass sie sich auf der Stadttheaterbühne wohler fühle, als in der Gießener Fußgängerzone, glaubt das Publikum der quirligen »Geschichtenflüsterin« sofort. Dass sie als Zugabe ausgerechnet jenes Kapitel aus ihrem Buch »Das Meer und ich waren im besten Alter« vorliest, indem sie von ihrer spät wieder aufgeblühten Liebe zur Stadt ihrer Eltern und der Sehnsucht nach den früheren Schulkameraden erzählt, kommt bestens an. Kein Wunder, dass nach der zweistündigen Lesung die Menschen in Scharen zur Signierstunde kommen, die klugerweise der plötzlichen Kälte wegen vom zugigen Foyer auf die Bühne verlegt wurde. Und für viele in der nicht enden wollenden Schlange hat die Autorin dann auch nicht nur ein Autogramm parat, sondern auch eine herzliche Wiedersehensumarmung.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Cathérine Miville
  • Gießen
  • Holocaust
  • Kino Traumstern
  • Libretto
  • Logik
  • Stadttheater Gießen
  • Karola Schepp
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.