20. Februar 2019, 06:00 Uhr

Stadt Gießen

Geldprobleme: Kupferschmiede in Gießen muss gerettet werden

Seit November finden keine Veranstaltúngen mehr in der Alten Kupferschmiede im Tiefenweg statt. Das Bauordnungsamt hat ein Stopp verhängt. Jetzt gibt es Pläne für eine Rettungsaktion.
20. Februar 2019, 06:00 Uhr
In der Alten Kupferschmiede dürfen erst nach einem Umbau wieder Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden. (Foto: Schepp)

Bis auf Weiteres wird es in der Alten Kupferschmiede im Tiefenweg keine Konzerte mehr geben. Magistratssprecherin Claudia Boje bestätigt den von der Stadt verhängten Veranstaltungsstopp. »Es handelt sich bei dem betreffenden Gebäudeteil um eine klassische Schlosserwerkstatt und somit um keinen Veranstaltungsraum. Für eine derartige Nutzung ist nach Hessischer Bauordnung ein Bauantrag auf Nutzungsänderung zu stellen und es ist eine Baugenehmigung erforderlich«. Heißt im Klartext: Um in der einstigen Werkstatt weiter Konzerte & Co. veranstalten zu können, muss der dahinterstehende gemeinnützige Verein Alte Kupferschmiede einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen, der vermutlich mit einigen baulichen Änderungen einhergehen wird. Das kostet gleich mehrere Dinge: Viel Engagement der Macher, Zeit, Geduld und vor allem Geld.

Welche baulichen Änderungen vorgenommen werden müssen, wissen die Mitglieder noch nicht. »Wir müssen auf jeden Fall die Türen neu machen«, nennen Nina Lindhorst, Dorothée Winkler, Stefan Pfetzing, Marcel Arentz, Wally Hund und Hagen Reier ein Beispiel. Denn Türen von Veranstaltungsräumen müssen nach außen aufgehen.

 

Antrag auf Nutzungsänderung

Derzeit bereitet der Verein den Antrag auf Nutzungsänderung vor. Unterstützt wird er dabei vom Architekten Manuel Pfänder vom Darmstädter Planungsbüro Brunke Frell Pfänder sowie von Christopher Reuter, der sich in der Gießener Initiative raumstation3539 engagiert.

Reuter studiert Architektur und konnte über die Projekte der raumstation nach eigenen Angaben bereits Erfahrungen mit Umnutzungen sammeln. Er erstellt zunächst digitale Pläne des Raums. Diese gehen dann weiter an den Architekten, der den Antrag vorbereiten wird.

»Was auf den Verein zukommt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht so einfach sagen«, erklärt Reuter. Neben einer Stellungnahme des Bauordnungsamtes sei etwa auch die Feuerwehr zu hören. Auch die Dauer des Prozesses sei unklar. In den kommenden zwei Wochen will er die Pläne weitergeben. Das Engagement ist für ihn Ehrensache: »Mir ist es wichtig, eine kulturelle Institution wie die Kupferschmiede zu erhalten«.

Doch wieso konnten in der Vergangenheit in der einstigen Werkstatt Veranstaltungen stattfinden? Die Vereinsmitglieder räumen ein, die Termine, die zunächst sporadisch stattgefunden hatten, nicht immer ordnungsgemäß angemeldet zu haben. Das sei bis zu einem gewissen Grad geduldet worden. Doch es wurde immer mehr – und so sah sich die Stadt zum Handeln gezwungen. »Bei dem Ortstermin im November wurde ausdrücklich auf die Notwendigkeit einer entsprechenden Baugenehmigung und auf mögliche rechtliche Konsequenzen bei Nichteinhaltung hingewiesen«, sagt Boje.

Meine Erben sollen entscheiden, was mit dem Grundstück geschieht

Eigentümer Huschang Rahnema

Im Verein will man »jetzt alles offiziell und richtig« machen, denn die Einnahmen der Konzerte sichern den zehn Mitgliedern, die die Miete der Schmiede aus eigener Tasche zahlen, einen Zuschuss. Entstanden war der Verein aus der Künstlergruppierung »Karawane«, die die Schmiede zunächst als Atelier nutzte. Reuter und auch die Vereinsmitglieder sind guter Dinge, dass alles zügig seinen Lauf nehmen wird: »Die Stadt ist uns gegenüber sehr positiv gesonnen«.

Aus dem Rathaus heißt es, die Oberbürgermeisterin in ihrer Funktion als Kulturdezernentin und Kulturamtsleiter Stefan Neubacher stünden in sehr gutem Kontakt mit dem Verein. »Das innenstadtnahe Programm der Alten Kupferschmiede ist ein wichtiger Bestandteil für das vitale und vielfältige Angebot in der Stadt. So nutzt auch das Kulturamt gemeinsam mit der tanzart die Räume für das gleichnamige Festival«, erklärt Boje. Nicht umsonst hat der Verein jährlich eine Förderung von 2000 bis 3000 Euro für das Programm erhalten.

 

Frühere Planungen obsolet

Das Areal rund um die Alte Kupferschmiede ist schon länger Thema bei der Stadt. Die Eigentümerfamilie, das Ehepaar Brigitte und Huschang Rahnema aus Kinzenbach, hatte einst große Pläne mit dem Nachkriegsgebäude-Ensemble zwischen Tiefenweg und Bahnhofstraße: Eine Art »Hacke’sche Höfe« für Gießen sollte es werden, doch der ursprüngliche städtebauliche Rahmenplan sah vor, dass einige der Gebäude zu Gunsten von begrünten Freiflächen und Parkplätzen abgerissen werden sollten.

2005 wurden Rahnemas Pläne daher von der Stadt abgelehnt. 2012 leitete der Magistrat ein Bebauungsplanverfahren ein – mit dem Ziel, eine geordnete Neunutzung zu schaffen. 2015 wurden die Rahnemas erneut vorstellig – und tatsächlich wurde 2017 der Rahmenplan zu deren Gunsten geändert. Allerdings: Mit der Änderung war auch die einstige Finanzierungsplanung hinfällig. Bis zu 85 Prozent Förderung seien ihm versprochen worden, klagt Huschang Rahnema, und plötzlich sei die mögliche Förderung auf nahezu Null gesunken. »50 bis 60 Eigenanteil – das hätte ich gemacht«, sagt Rahnema. Doch nun seien seine Frau und er zu alt, daher seien nur notwendige Sanierungen an den bestehenden Häusern gemacht worden, die in weiten Teilen als Wohnungen an Studenten vermietet seien. »Meine Erben sollen entscheiden, was mit dem Areal passiert«. Das Engagement seiner Mieter vom Verein Alte Kupferschmiede und einen etwaigen Umbau begrüßt er sehr.

Info

Solikonzert am Donnerstag

Um Geld zum Umbau der Alten Kupferschmiede zu sammeln, lädt der Verein für Donnerstag, 21. Februar, zum Soli-Konzert »2 Meter – 2 Mark« ins Jokus ein. Beginn ist um 20 Uhr. Mit dabei sind Marble Mother (Indie Rock), It Sounds Like The End (Openindieprogmetal) und The Erotic Knives (Garage Rock). Tickets gibt es für 5 bis 10 Euro, je nach eigener Entscheidung. Wer nicht zum Konzert kommt, kann spenden (IBAN DE 45 5135 0025 0205 0496 56 Verwendungszweck: Spende Umbau) oder über www.paypal.me/altekupferschmiede.

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