20. Oktober 2010, 10:08 Uhr

Galerie Neustädter Tor: Durchwachsene Bilanz

Gießen (kw). Bei der offiziellen Einweihung gab es viele anerkennende Stimmen für die gelungene Gestaltung der Galerie Neustädter Tor. Am ersten Einkaufstag, dem 20. Oktober 2005, drängten sich 40 000 Neugierige in den Gängen und den damals gut 80 Geschäften. Fünf Jahre später fällt die Bilanz für das Einkaufszentrum am Oswaldsgarten durchwachsen aus.
20. Oktober 2010, 10:08 Uhr
Mit einer größeren Baustelle präsentiert sich das Einkaufszentrum fünf Jahre nach der Eröffnung: Die Umgestaltung eines der beiden »Atrien« mitsamt Rolltreppen-Versetzung soll Sichtachsen öffnen und den Geh-Gewohnheiten der Kunden entgegenkommen. (Foto: Geck)

Zwölf Geschäfte stünden derzeit leer, berichtete Centermanager Michael Schüller auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Doch es gehe »aufwärts«, unter anderem mit den derzeitigen Baumaßnahmen. Skeptisch äußerten sich in AZ-Gesprächen vor Ort einige Mitarbeiter und Kunden. Und viele rätseln, warum die »Mall« nicht erfolgreicher ist.

»Das letzte Jahr war das bisher beste für uns«, sagt eine Verkäuferin. Rapide bergab sei es gegangen, nachdem in diesem Jahr zwei große Bekleidungsgeschäfte auszogen: Mango im Mai und Vockeroth Anfang August. Möglicherweise mache sich auch die Baustelle an der Bundesstraße 3 zwischen Marburg und Gießen bemerkbar, denn: »Diese Galerie lebt von Leuten aus dem Umland.« Die Gießener blieben »ihrem« Seltersweg treu - warum auch immer. »Die Fußgängerzone ist eigentlich total hässlich.«

Von Anfang an habe die Werbung zu wünschen übriggelassen, meint eine andere Ladenmitarbeiterin: »Als das Center hier aufgemacht hat, war in der Stadt fast nichts davon zu sehen. Dafür hing an jeder Bushaltestelle ein Plakat des Forums Wetzlar.« Das punkte im Übrigen auch mit kostenlosen Parkplätzen. Sie erinnert daran, dass im oberen Geschoss eigentlich eine Kindertagesstätte einziehen sollte. »Daraus ist nie etwas geworden.« Das Gießener Publikum sei vielleicht für eine solche Mall das falsche.

Das meint auch ein Ehepaar um die 70. »Den Studenten und den Alten gefällt so etwas Modernes nicht«, sagen die Staufenberger beim Kaffee. Für eine Pause oder einen »gezielten Einkauf« kämen sie gern in die Galerie, bei schlechtem Wetter auch einmal zum Bummeln. Zum richtigen »Shoppen« zögen sie die Fußgängerzone vor: »Wegen der Vielfalt«, sagt sie, und er ergänzt: »Man bewegt sich zu Fuß an der frischen Luft.«

»Wir freuen uns auf H & M«, sagen zwei 14-jährige Mädchen aus der Nähe von Marburg und aus dem Lahn-Dill-Kreis. Ende November soll der Textilriese die ehemalige Vockeroth-Fläche beziehen. Aber auch jetzt seien sie schon zufrieden mit dem Angebot: Für ihre Altersgruppe gebe es »gute Klamotten und Schuhe«. Für eine 26-jährige Studentin sieht das schon anders aus: Gerade für Bekleidung seien die Einkaufsmöglichkeiten »nicht mehr so toll. Mir fehlen einige der Geschäfte, die inzwischen geschlossen haben.« Heute kauft die Innenstadt-Bewohnerin vor allem Lebensmittel in der Galerie. Sie kommt mit dem Fahrrad - das sie im großen ungeordneten Pulk neben den wenigen Abstellmöglichkeiten parken muss.

Die Sortimente der »Mall« und der traditionellen Einkaufsmeilen ergänzten sich gut, findet ein 43-Jähriger: »Man muss nicht mehr nach Frankfurt zum Shoppen.« Das Einkaufszentrum sucht er allerdings meistens aus einem anderen Grund auf: In seiner Mittagspause isst er gelegentlich in der Gastronomie-Zone.

Schüller ist bereits der vierte Manager der Galerie Neustädter Tor. Er kam vor einem Jahr, als die Essener Management für Immobilien AG (mfi) die Verwaltung von der Rosco-Gruppe übernahm. Jeden Tag beträten rund 17 000 Menschen das Einkaufszentrum, samstags noch mehr, berichtet er. Das sind deutlich mehr als die 13 000 Kunden täglich, die die Planer einst angepeilt hatten. Entsprechend »zufrieden« äußert sich Schüller. Allerdings hatte er im Februar noch als Ziel angegeben, bis Herbst 95 Prozent der Geschäfte vermietet zu haben. Das ist nicht gelungen.

»Wir haben Leerstände vorgefunden, als wir hier angefangen haben. Wir sind dabei, ein neues Vermietungskonzept umzusetzen. Das geht nicht von heute auf morgen«, sagt er jetzt. Es tue sich einiges - wie die Baustelle am »Atrium« in Richtung Anlagenring zeige. Dieser Bereich wird komplett umgestaltet und soll künftig attraktiver wirken. Die Rolltreppen wurden parallel gelegt, um den Blick auf die Läden zu öffnen. Der Brunnen wird zugeschüttet. Er sei zwar schön gewesen, so Schüller, doch: »Der Mensch geht lieber gerade Wege.«

Das fünfjährige Bestehen feiert die Galerie Neustädter Tor derzeit mit Sonderaktionen. Ein Höhepunkt wird der Anschnitt einer extragroßen Geburstagstorte am Freitag nächster Woche.

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