08. Juni 2018, 22:08 Uhr

Direkt und intim

Zarte Körper, grobkörnige Aufnahmen: Annika Weertz fängt mit teils analogen Kameras intime Momente ihrer Freunde ein. Vieles davon spielt sich an ihrem aktuellen Wohnsitz Gießen ab. Dort zeigt sie auch ab Mitte Juni ihre neuesten Werke. Ein Gespräch vorab mit der 26-Jährigen über perfekte Maße und starke Männer.
08. Juni 2018, 22:08 Uhr
SAK

Wie fing die Fotografie bei Ihnen an?

Annika Weertz: Mit 16 Jahren begann ich, mit einer schrottigen Digicam durch den Wald zu gehen. Ich war mein eigenes Model. Ernsthaft wurde das Hobby vor rund zweieinhalb Jahren mit ersten Ausstellungen in Berlin, Hamburg und zuletzt Los Angeles. Eine klassische Ausbildung habe ich aber nie absolviert.

Wie beschreiben Sie Ihren Stil?

Weertz: Direkt und intim.

Ihre Bilder wirken auch zeitlos…

Weertz: Das ist Absicht. Ich versuche keine Handys, Laptops oder andere Geräte zu zeigen, die auf eine bestimmte Zeit hinweisen.

Zudem lässt sich oft kein konkreter Ort festmachen. Wo finden Sie Ihre Motive?

Weertz: Ich gehe viel raus in die Natur, bleibe aber auch gerne drin. Man braucht nicht die krasseste Location, um gute Fotos zu machen.

Wie finden Sie Ihre Modelle – durch Zufall oder eine Agentur?

Weertz: Mit professionellen Models arbeite ich nicht zusammen. Sie sind gewohnt, zu posieren. Ich suche nach Leuten, die mir vertrauen und sich natürlich verhalten. Daher fotografiere ich meine Freunde, ganz selten Fremde. Einmal habe ich in Gießen einen Typen auf der Straße angesprochen. Das Shooting verlief gut. Zum Glück stimmte die Chemie. Bis heute arbeite ich immer wieder mit ihm zusammen.

Viele Modelle sind nackt und haben einen schlanken Körper. Ist das neben der Chemie ein wichtiges Kriterium für Sie?

Weertz: Körpermaße sind mir egal. Viel wichtiger ist ein interessantes Gesicht. Dass ich bislang vor allem solche Körper fotografiert habe, hängt mit meinem Bekanntenkreis zusammen, dem viele Tänzer angehören. Die Frage, die sich jeder stellen muss: Hab ich ein Problem mit Nacktheit?

Aktfotografie wird gerne vorgeworfen, vor allem die weiblichen Modelle zu Objekten zu »degradieren«.

Weertz: Das stimmt zu gewissen Teilen. Wer auf Instagram scrollt, sieht leider viel zu oft Fotos, die an Softpornos erinnern. Ich will meine Modelle nicht sexualisieren. Mir geht es darum, intime Momente einzufangen und gängige Geschlechterrollen zu hinterfragen. Ich halte vor allem das Männerbild für diskussionswürdig. Im Rahmen der Berliner Ausstellung »New Masculinity« brach ich bewusst mit der Vorstellung des starken Mannes und zeigte ihn von einer zarten Seite, etwa verträumt in der Wiese liegend.

Gibt es Aktfotografen, die Sie bewundern?

Weertz: Helmut Newton – von ihm stammt auch mein erster Bildband. Er vergöttert die Frauen, aber eben nicht nur auf körperlicher Ebene. Er zeigt selbstbestimmte, überstarke Frauen.

Wo soll es mit Ihrer Fotografie hingehen?

Weertz: Ich plane die Veröffentlichung eines Bildbandes über die Beziehung zu meinem Freund – mit allen Höhen und Tiefen. Das Projekt begann 2016 mit der Serie »Videotape«. Langfristig will ich von der Fotografie leben können. Neben eigenen Projekten finde ich sowohl Porträtfotografie mit journalistischem Anspruch spannend, als auch Neutrales, wie Tagungen zu dokumentieren.

Ist das von Gießen aus zu schaffen?

Weertz: Eher nicht. In Gießen leben weniger Fotografen als vielmehr bildende Künstler. Das ist nicht ganz meine Szene. Ich orientiere mich daher schon jetzt über die Stadtgrenzen hinaus. Dabei hilft mir Instagram. Über die Plattform lerne ich schnell Gleichgesinnte kennen, wie das Berliner Künstler-Kollektiv »Curated by Girls«, mit dem die Ausstellung »New Masculinity« entstand.

Welche Orte in Gießen würden Sie bei einem Wegzug vermissen?

Weertz: Pits Pinte, mein zweites Zuhause, den Alten Friedhof mit seinen wilden Wiesen, und den Botanischen Garten, eine eigene Welt innerhalb Gießens – übrigens alles Orte, an denen ich schon fotografiert habe.

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