23. Dezember 2010, 19:56 Uhr

Lindt-Konzern hat seine Wurzeln in Windecken

Nidderau (koe). Lindt-Schokolade, Pralinen, den goldenen Osterhasen mit dem Glöckchen um den Hals, oder jetzt den Schokoladen-Weihnachtsmann - diese Naschereien kennen sicher viele. Dass der heutige schweizer Schokoladenkonzern aber seine Wurzeln in Windecken hat, ist über die Stadtgrenzen hinaus nicht so bekannt.
23. Dezember 2010, 19:56 Uhr
So sah eine frühe Verpackung der Lindt-Schokolade aus. Der Bezug zur Schweiz wird bereits hervorgehoben. (Fotos: Köhnkow)

Nidderau (koe). Lindt-Schokolade, Pralinen, den goldenen Osterhasen mit dem Glöckchen um den Hals, oder jetzt den Schokoladen-Weihnachtsmann - diese Naschereien kennen sicher viele. Dass der heutige schweizer Schokoladenkonzern aber seine Wurzeln in Windecken hat, ist über die Stadtgrenzen hinaus nicht so bekannt. Anders bei denen, die in Nidderau aufgewachsen sind. Für diejenigen gehört Lindt zu Windecken, wie die Christbaumkugeln am Weihnachtsbaum. Das meint zumindest Horst Körzinger, der Vorsitzende des Kulturrings Nidderau. Er hat sich viel mit der Familiengeschichte der Lindts befasst und dafür gesorgt, dass die Verbindung in die Region nicht in Vergessenheit gerät.

Ohne ihren »Rodolphe«, wie die Windecker Rudolf Lindt (1855 bis 1909) nennen, würde es heute keine zart-schmelzenden Pralinen oder feine Schokolade geben. Er hat eine Schokoladenmaschine, die so genannte Conche, erfunden. Diese Maschine rührt die flüssige Schokolade so lange, bis zarter Schmelz entsteht. »Eine Revolution für die damalige Zeit«, sagt Körzinger.Aufgestellt und in Betrieb genommen wurde die Maschine allerdings in Bern - dorthin waren die Vorfahren des Erfinders ausgewandert.

Erstmals urkundlich in Windecken erwähnt wurden die Lindens oder Lyndens 1498/99. Ein genaues Datum gibt es von Hans Lindt dem Jüngeren. Er wurde am 15. September 1619 in Windecken getauft. Johann Ludwig Lindt wurde 1690 in Windecken geboren, sein zweitgeborener Sohn, Johann Martin Lindt (1720), wanderte um 1750 in die Schweiz aus, wo er die Firma Lindt gründete und die Basis für den heutigen Weltkonzert schuf. Sein Urenkel war Rudolf Lindt, der sich in Rodolphe Lindt fils (Sohn) umbenannte - das klang damals sehr vornehm. Ohne eben diesen Schokoladenfabrikant (geboren am 16. Juni 1855 in Bern), gäbe es den heutigen Konzern so nicht.

Um die berühmte Schokoladenmaschine (Conche) rankt sich eine Legende. Mithilfe dieser Rührmaschine entsteht aus brüchiger und eher sandigen Schokoladenbrocken die feine Konsistenz, die für Pralinen und andere Köstlichkeiten benötigt wird. Durch das Rühren und Reiben wird die Kristallisation des Zuckers verhindert. »Rodolphe« hatte also die Maschine erfunden, sie aber immer nur kurz zum Rühren eingesetzt. Er soll freitagnachmittags vergessen haben, die Maschine auszustellen und als er am Montag wieder in die Fabrik kam, sei ihm aufgefallen, welchen fabelhaften Effekt das lange Rühren hatte.

Obwohl viele Windecker von der Verbindung zur Familie Lindt und dem späteren Lindt-Sprüngli-Konzern in der Schweiz wissen, hat sich erst der Nidderauer Rolf Hohmann im Jahr 2000 daran gemacht, alle Daten und Fakten zu sammeln. Aus seinem Nachlass hat Körzinger kürzlich eine Ausstellung konzipiert. »Nidderau von seiner Schokoladenseite« lautete das Motto. Zusammen mit dem Gewerbeverein, der Stadt und heimischen Konditoren wurde im November ein Schokoladenfestival zum Schauen und Anfassen organisiert. Das Ganze passt in das neue Kulturkonzept, das sich Nidderau 2007 auf die Fahnen geschrieben hat. »Kultur und Gewerbe ergibt soziales Engagement«, erklärt Körzinger. Denn der Erlös der Schokoladenausstellung und aus weiteren Veranstaltungen des Jahres kommt sozialen Zwecken und bedürftigen Menschen in Nidderau zugute.

Ganz aus der Stadt ist der Name Lindt um 1750 mit der Auswanderung Johann Martins nicht verschwunden. Bis 1900 besaß die Familie Lindt noch eine Bäckerei in der Fahrgasse. Spätestens am heutigen Heiligen Abend wird sich der ein oder andere wieder daran erinnern, wenn er sich einen Lindt-Weihnachtsmann auf der Zunge zergehen lässt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Armut
  • Auswanderung
  • Christbaumkugeln
  • Erbschaften
  • Familiengeschichte
  • Johann Ludwig
  • Konditoren
  • Osterhase
  • Soziales Engagement
  • Urkunden
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 12 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.