06. April 2009, 19:36 Uhr

»Grünes Meer«: Bis zu 100 000 Besucher erwartet

Laubach (age/pm). Vor wenigen Tagen haben die Bauarbeiten am »Grünen Meer« begonnen und bereits am 1. Juli wird der »Entdeckungswald Schloss Laubach« eröffnet.
06. April 2009, 19:36 Uhr
In Laubach stellte Karl Georg Graf zu Solms-Laubach das Projekt »Grünes Meer« vor. Das Entdeckungswaldprojekt soll Besuchern die ökologische und kulturhistorische Bedeutung der heimischen Natur auf spannende und erlebnisreiche Art näher bringen. (Fotos: Geck/pm)

So sieht es die Planung des Bauherrn, Karl Georg Graf zu Solms-Laubach, vor. Am Montag präsentierte er das ehrgeizige Projekt vor Pressevertretern im Foyer der Herrenscheune. Ziel sei es vor allem, den Besuchern »die ökologische und kulturhistorische Bedeutung der heimischen Natur auf spannende und erlebnisreiche Art näher zu bringen«, sagte er im Beisein des Landesarchäologen Prof. Egon Schallmeyer, Dr. Markus Dietz vom Institut für Tierökologie und Naturbildung sowie Bürgermeister Claus Spandau und Torsten Becker von der Gesellschaft für Integration und Arbeit Gießen. Von Kreis-Baudezernent Siegfried Fricke nahm er dann die noch erforderlichen Baugenehmigungen entgegen.

Über den Baumhöhenweg streifen, im »Robin-Hood-Dorf« herumtoben, Wildtiere beobachten oder den Spuren mittelalterlicher Siedler folgen - der »Entdeckungswald Schloss Laubach« werde ein großes Abenteuerland, sagte der Graf. Für jeden sei etwas dabei, vom Kleinkind bis zum wissenschaftlich interessierten Besucher. Stets gebe es etwas Neues zu entdecken und vor allem direkt in der Natur des heimischen Waldes. Als Vater von vier Kindern habe er selbst in vielen anderen Freizeitparks aktive Elemente vermisst. Der Waldhöhenweg Hopfing bei Passau wurde zum Vorbild für das »Grüne Meer«. Der gräfliche Wald sei zum Großteil als Flora-Fauna-Habitat ausgewiesen. Da habe es für ihn nahegelegen, den Naturschutzgedanken nach außen in die Familien zu tragen, erklärte der Graf. Es habe zwar ein paar Jahre gedauert, doch nun nehme der Plan konkrete Formen an. Insgesamt investiere er 1,5 Millionen Euro. Er rechnet mit bis zu 100 000 Besuchern pro Jahr.

Ausgangspunkt des rund 80 Hektar großen Gebietes sind das alte und neue Jägerhaus an der Straße nach Schotten. Hauptanziehungspunkt ist ein rund 2000 Meter langer Baumhöhenweg in drei bis zwölf Metern Höhe an der alten Kirchenruine am Kirchberg vorbei zu einem 35 Meter hohen Aussichtsturm, von dem man einen ungewöhnlichen Blick weit über das Waldland des vorderen Vogelsberges hinaus bekommt. Der Begriff »Grünes Meer« sei seine erste Assoziation gewesen, als er in Höhe des geplanten Aussichtsturm in einem Hubwagen über den Baumwipfeln schwebte. Turm und Höhenweg böten den Besuchern völlig neue Perspektiven, sagte Graf zu Solms-Laubach.

Der Weg führt außerdem vorbei an einem Kohlenmeiler und durch ein Wildgehege, in dem Auerochsen und Hirsche zu beobachten sein werden. Weitere Anziehungspunkte sind ein »Robin-Hood-Dorf« und ein Streichelgehege. Neben dem Spielerischen soll aber auch das Pädagogische nicht zu kurz kommen, wofür etwa das Waldklassenzimmer vorgesehen ist. Man werde deshalb auch gezielt Schulen ansprechen, der Bedarf sei sicher vorhanden. Zum Lernen hinaus in die Natur, verbunden mit einem echten Erlebnis - das sei eine der wesentlichen Ideen des Entdeckungswaldes.

Viel zu entdecken und zu lernen soll es auch für Erwachsene geben. Insbesondere dann, wenn sie sich für Biologie und Archäologie interessieren. Ihnen werden unter anderem Naturführungen und die Besichtigung von Ausgrabungen angeboten. Denn im Mittelpunkt des Projektes »Grünes Meer« steht die thematische Verknüpfung von ökologischen und kulturhistorischen Aspekten mit einer umweltfreundlichen und zugleich abwechslungsreichen Freizeitgestaltung. Über das aktive Erleben der heimischen Natur heute und in Vergangenheit soll deren Bedeutung als schützenswertes Gut verdeutlicht werden.

Die ständig vorhandenen Elemente sind allerdings nur ein Teil der Gesamtattraktion »Grünes Meer«, denn über das Jahr verteilt wird es noch verschiedene Feste und Veranstaltungen geben. Zudem ist der Entdeckungswald als Ergänzung und Erweiterung des übergeordneten Konzeptes von »Schloss Laubach« zu sehen.

Bei der Vorstellung des Kooperationsprojektes zeigte sich Landesarchäologe Schallmayer über das Engagement des Grafenhauses hoch erfreut. Er bedankte sich für diese nicht alltägliche Unterstützung der Landesarchäologie und die damit zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung der vor Ort geleisteten Arbeit und ihrer Bedeutung für die Region. Dass der Wald nicht immer ein Ort der Ruhe und Erholung war, zeige die archäologische und historische Forschung. Graf Solms stelle einen erheblichen Geldbetrag zur Verfügung, um 2009 zwei befristete Mitarbeiter mit zu finanzieren. Diese sollen eine kontinuierliche Erforschung der Region und auch die inhaltliche Begleitung des Entdeckungswaldes gewährleisten.

Dr. Dietz betonte die Bedeutung des Gebietes. Unter den vielen schützenswerten Tieren seien unter anderem 14 Fledermausarten und seltene Vögel wie Grauspecht, Schwarzspecht und Schwarzstorch zu finden, die künftig aus nächster Entfernung beobachtet werden könnten. Am Kompliziertesten habe sich der Bau des Parkplatzes erwiesen. Man habe aber für die rund 200 Stellplätze im Wald zwei alte Ackertrassen nutzen können, so dass diese Fläche in rund zwei Jahren natürlich integriert sei.

Der geplante Entdeckungswald bringe auch zahlreiche neue Beschäftigungsverhältnisse mit sich, hieß es. In Kooperation mit der Agentur für Arbeit Gießen und der Gesellschaft für Integration und Arbeit Gießen konnten für die Bau- und Waldarbeiten - zunächst für eine bestimmte Zeit - 14 arbeitslose Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse gebracht werden. Insgesamt rechnet der Graf auf lange Sicht mit etwa einem Dutzend Mitarbeiter im »Grünen Meer«. Bürgermeister Spandau verwies darauf, dass sich in der Stadt gerade in den vergangenen Jahren viel getan habe, dass viel im touristischen Sektor investiert worden sei. Früher habe man den Grafen Sinn für Kunst bescheinigt, dem heutigen Schlossheren könne man auch Sinn für Ökologie und wirtschaftliche Realität nachsagen. Bestätigt wurde diese Einschätzung durch die Nachricht, dass der Graf eine Naturschutzstiftung gründen wird, in die Teile der Erlöse aus dem »Grünen Meer« fließen werden.

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