02. September 2010, 13:12 Uhr

»Die Amigos«: Treu zu den Fans und zum deutschen Schlager

Hungen (tr). Seit vier Jahrzehnten machen die »Amigos«, die Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich aus Villingen, Musik. Der Rückblick auf diese Zeit fällt zweigeteilt aus. Da sind die ersten 36 Jahre , in denen die Brüder in der Region auftraten. Und da ist der nahezug kometenhafte Aufstieg vor nunmehr bald fünf Jahren.
02. September 2010, 13:12 Uhr
Karl-Heinz (l.) und Bernd Ulrich. (Foto: Manfred Esser)

Praktisch über Nacht eroberten die »Amigos« mit ihren Schlagern die deutschen Hitparaden. Über vier Millionen Tonträger haben die beiden inzwischen verkauft.

Der Weg ganz nach oben war lang. Es hat sich ausgezahlt, dass sich Bernd und Karl-Heinz Ulrich nie haben beirren lassen. Obwohl der deutsche Schlager lange keinen guten Ruf hatte, sind die Villinger sich und ihrer Musik treu geblieben. Außerdem haben sie eine stabile Basis: einen treuen Stamm von Fans, auf die sie immer zählen konnten.

Ihre Begeisterung für die Musik haben die beiden Brüder schon im zarten Kindesalter entdeckt. Der Großvater spielte für die drei und fünf Jahre alten Buben Akkordeon und sang mit ihnen Lieder, die sie schon bald auswendig konnten. Von da an ließ sie die Musik nicht mehr los. Ihr größter Wunsch war es, selbst Musik zu machen. Doch damit mussten sie eine Weile warten - bis Karl-Heinz von den Eltern zur Konfirmation seine erste Gitarre bekam. Für dieses Instrument hatte er sich entschieden, weil er dazu singen konnte. Bernd wählte aus den gleichen Gründen zwei Jahre später das Schlagzeug. Dabei hätten es die Eltern lieber gesehen, wenn er Saxophon gelernt hätte. Doch das kam für die Brüder nicht in Frage, sie wollten ja singen!

Noch heute erinnert sich Bernd, wie er damals mit seiner Mutter nach Gießen fuhr, um das Schlagzeug zu kaufen. Er hatte es immer im Schaufenster gesehen - der Glanz der Becken hatte es ihm angetan. Weil der Händler das Schlagzeug erst zwei Wochen später nach Villingen hätte bringen könne, schleppten Bernd, die Mutter und der Geschäftsinhaber die Einzelteile zum Gießener Bahnhof. Mit dem Zug und dem Bus ging es dann nach Villingen. Dort wurde das ersehnte Instrument mit dem Handkarren nach Hause gebracht. Und dort übten die künftigen »Amigos« in den Folgejahren. Doch erst einmal stand die Berufsausbildung an.

Karl-Heinz lernte Maurer, Bernd wurde Brauer bei der Licher Brauerei. Auf Vermittlung des damaligen Villinger Zahnarztes Lothar Illmann hatten die Brüder in Gießen ihren ersten öffentlichen Auftritt. Illmann gab ihnen den Namen »River Boys«, schließlich wohnten sie »an der Villinger Bach«. Auftritte in Nachbarorten folgten. Eine Pause legten die beiden gezwungenermaßen ein, nachdem sich Karl-Heinz für zwei Jahre zur Bundeswehr verpflichtet hatte. In dieser Zeit spielte Bernd gelegentlich im Jugendblasorchester und zog mit diesem von Kirmes zur Kirmes. Ein kurzes Intermezzo gab er auch in der Gruppe »Horlofftal« in seinem Heimatort. Danach spielte er bei den damals schon angesagten »Oberkrainern« - Rudi Lang hatte ihn dazu animiert. Später stieß auch Karl-Heinz dazu. Aber es dauerte nicht lange, und die beiden verließen die Gruppe, um etwas Eigenes zu machen. Zu ihnen gesellte sich Günther Zimmer, der zunächst Bass spielte, dann aber auf die Orgel umstieg -schließlich hatte er schon der Klein-Eichener Kirche gespielt.

1970 schlug die Geburtststunde der »Amigos«, zu denen neben Zimmer auch Rudi Lang gehört. damals die Amigos mit Günther Zimmer und Rudi Lang. Erst einmal hieß es »Klinken putzen!« Mit eingängigen deutschen Schlagern im Gepäck ging die Reise unermüdlich und tagein, tagaus von Stadt zu Stadt. Die Beharrlichkeit zahlte sich aus. Von Konzert zu Konzert wuchs die Fangemeinde. 1986 ergab sich erstmals die Möglichkeit einer Studioaufnahme. Diese erste Eigenkomposition widmeten die Brüder Ulrich ihren Eltern. Und so hieß das Lied auch »Uns’re Eltern«.

Von nun an komponierten sie, was das Zeug hielt. Die Titel nahmen die beiden Musiker im Keller auf und schickten sie als Demo-Version an verschiedene Plattenfirmen - jedoch ohne Erfolg. Schließlich beschlossen die beiden, sich auf Live-Auftritte zu beschränken. Als die Rufe der Fangemeinde nach einer CD »mit den typischen Amigos-Liedern« immer lauter wurden, nahm man die Sache selbst in die Hand. Zwei Garagen wurden zu einem Musikstudio umgebaut.

In ihrer langen musikalischen Laufbahn mussten die »Amigos« auch Schicksalsschläge verkraften. 1980 hatte Rudi Lang die Gruppe aus beruflichen Gründen verlassen. Man machte zu Dritt weiter, bis ihr Organist Günther Zimmer 1985 mit46 Jahren aus dem Leben gerissen wurde.Karl-Heinz und Bernd Ulrich dachten ans Aufhören, so sehr traf sie der plötzliche Tod dese Freundes. Doch sie spielten zu Zweit weiter. Bei Auftritten wurden sie von Musikerfreunden unterstützt. Peter Fischer war so ein treuer Freund. Er stellte den beiden auch den Keyboarder Withold Piwonski vor, der in seiner polnischen Heimat Musik studiert hatte und in Deutschland als Musiklehrer tätig war. »Withold war für uns wie ein Sechser im Lotto«, sagen die Ulrich-Brüder noch heute.

Schade nur, dass er den großen Durchbruch nicht mehr habe miterleben können. Withold war 2000 erkrankt, ins Wachkoma gefallen und 2008 verstorben. Einen Ersatz für ihn haben die »Amigos« nicht gefunden. Seither treten sie als Duo auf. Bei zahlreichen Konzerten werden sie von Bernds Tochter Daniela unterstützt, die schon als kleines Mädchen begeistert sang. Mittlerweile hat Daniela Alfinito ihren eigenen Weg gefunden und zwei CDs - »Bahnhof der Sehnsucht« und »Wahnsinn« - veröffentlicht.

Für die »Amigos« kam der Durchbruch im September 2006, nach dem Wechsel zur Plattenfirma MCP. Dank ihrer treuen Fans waren die beiden Villinger bei »Achims MDR-Hitparade« mit ihrem Titel »Dann kam ein Engel« erfolgreich. Sie wurden »Musikantenkaiser« und errangen diesen Titel dann auch für das gesamte Jahr 2006. Ein Jahr später verbuchten die »Amigos« insgesamt 94 Wochenplatzierungen unter den »Top 100«. Danach gingen sie erstmals sehr erfolgreich auf Solo-Tournee. Ihre Fans strömten zuhauf in die Konzerthallen und feierten begeistert ihre Stars.

Schon vor ihren Durchbruch hatten die beiden in Villingen in einer ehemalige Garage ihr eigenes Tonstudio eingerichtet, in dem sie ihre Lieder selbst einspielten und auch für andere Sänger und Gruppen tätig waren. Doch weil sie seit dem großen Erfolg in den vergangenen Jahren mehrere hundert Konzerte gegeben haben, bleibt für die Studioarbeit nicht mehr so viel Zeit.

Mit fast nicht mehr zu zählenden Auszeichnungen in Gold und in Platin sind die »Amigos« in den letzten Jahren überhäuft worden, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und in der Schweiz. Über vier Millionen CDs haben sie verkauft. Von der vorletzten Scheibe »Das ist der helle Wahnsinn« waren gar 350 000 Exemplare vorbestellt, und auch von der neuen Produktion »Weißt du, was du für mich bist« sind schon weit über 200 000 verkauft. Damit führten die »Amigos« die Charts in Österreich und der Schweiz an, in Deutschland liegen sie aktuell auf Platz zwei der Charts. Von solchen Zahlen können viele Kollegen nur träumen.

»Diesen Erfolg haben wir natürlich einzig und alleine unseren Fans zu verdanken, die uns in all den Jahren unterstützt haben«, sagen Karl-Heinz und Bernd Ulrich. Dankbar sind sie auch ihren Familien, die großen Anteil an dem Erfolg haben. Die Ehefrauen Doris und Heike sind immer zu Stelle und leiten den Fanartikel-Shop, der im Laufe der Zeit ein beträchtigen Ausmaß angenommen hat. Eine große Hilfe sind auch die Fanclubs, die den Kontakt zu den Anhängern pflegen und sich um die Autogrammwünsche kümmern. Besonders zu nennen sind hier die beiden heimischen Fanclubs von Günther und Conny Kreiling in Buseck und von Kurt und Gisela Stiehler in Mücke.

Die »Amigos« wissen, dass es Kritiker gibt, diemit ihrer Musik nichts anfangen können. »Damit können wir leben. Die Verkaufszahlen sprechen für sich,« sagen die Villinger. Im Fernsehen sind sie häufig in den großen Musiksendungen zu Gast, so beim »Musikantenstadl«. Beim Radio sieht das ganz anders aus. Viele Sender spielen »Amigo«-Lieder fast ausschließlich bei Wunschsendungen. Die beiden Musiker ficht das nicht an: »Wir haben großen Rückhalt bei unseren Fans. Nur ihnen sind wir verpflichtet.«

So ist auch der nächste Auftritt am Samstag (4. September) in der Hessenhalle in Gießen so gut wie ausverkauft. Zahlreiche Freunde sind bei diesem Jubiläumskonzert dabei: Maxi Arland, die »Calimeros«, das »Nockalm Quintett« und Bernds Tochter Daniela Alfinito. Einlass ist um 17 Uhr. Das Vorprogramm beginnt um 17.30 Uhr und wird von Heiko Wolf moderiert, ebenfalls ein alter Freund. Durch das Abendprogramm (Beginn 19.30 Uhr) führt Maxi Arland.

www.die-amigos.de

Amigos stürmen Charts mit neuer CD »Amigos« mit neuer CD im Schlagerrennen »Krone der Volksmusik« für die »Amigos«

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