13. Januar 2019, 18:00 Uhr

Pilotprojekt

"Win-win" in Laubach

In wenigen Tagen startet die neue Informations- und Beratungsstelle im alten Bahnhof. Der Name ist Programm: »Miteinander in Laubach«. Gut für die soziale Infrastruktur der Stadt – doch nicht nur.
13. Januar 2019, 18:00 Uhr
Totes Kapital am toten Gleis: Bald zwei Jahre steht der Bahnhof Laubach leer. Jetzt aber zieht hier das ambitionierte Projekt einer Informations- und Beratungsstelle ein. (Foto: tb)

Sozialkoordinator Jochen Bantz lässt, so er auf das Projekt »Miteinander in Laubach« zu sprechen kommt, fast seine hanseatische Coolness vermissen. »Ein einzigartiger Kooperationsgedanken« komme hier zum Tragen, »jeder bringt was mit, und das noch ohne Kosten für die Stadt«, schwärmt er für die neue Einrichtung. Seit 2016 ist der Hamburger – neben der Leitung des Jugendgästehauses – als Sozialkoordinator bei der Stadt angestellt, kümmert sich um Jugend- und Seniorenarbeit, Integration und Ehrenamt.

30 Personen brachten Ideen ein

Gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Joachim M. Kühn hat er in den letzten Monaten mit allen Beteiligten gesprochen, am Konzept für Begegnungsstätte gefeilt, hatten das Grundgerüst weiterentwickelt. Konstruiert worden war das bei einer von Bantz organisierten »Zukunftswerkstatt« letzten Juli. Rund 30 Politiker, Vertreter von Verwaltung, von Vereinen, Diakonie und andere mehr machten mit, brachten sich mit einer Vielzahl von Ideen ein. Als externe Experten für Gemeinwesenarbeit hatten Gerrit-Scott Vogelgesang (Kreis Gießen) und Fabienne Weihrauch (Arbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte Hessen e.V) mitgewirkt.

Nicht vergessen aber sei die Keimzelle von allem: der CDU-Antrag auf Schaffung einer »Informationsstelle Älterwerden«. Einstimmig hatten den bereits 2015 Laubachs Stadtverordnete beschlossen.

Warum aber nur was für Senioren tun? Diese Frage sollte sich spätestens aufdrängen, als es an die Umsetzung ging. Die Antwort liegt nun vor: Eine Vielzahl von Angeboten aus dem Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich wird gebündelt, für Menschen jeden Alters. Und mit Erweiterungspotenzial, wie Bantz betont. Als Beispiel nennt er die noch komplett ausgestattete Schreinerei im alten Güterschuppen (ehedem Qualifizierungsmaßnahme »Umweltwerkstatt«) der Station. Dort könnte eine von der Stadt verantwortete Seniorenwerkstatt ihren Platz finden. Weitere Ideen wie das »Repair-Café« gebe es reichlich. »Das muss wachsen«, meint Bantz.

Landkreis als Erst-Mieter und -Nutzer

Zunächst aber nimmt er die bereits fixen »Angebote für Alt und Jung in den Fokus. Erst-Mieter und -Nutzer des »Office-Sharings« wird in Kürze schon der Landkreis Gießen sein. Die Volkshochschule bietet einmal die Woche eine Sprechstunde an, steht bei Fragen rund ums Thema (Berufs-)Bildung zur Verfügung. Informationen über Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, den Weg zurück in den Beruf et cetera werden im neuen Alten Bahnhof zu haben sein.

Fürs Frühjahr rechnen die Macher mit den nächsten Schritten und nächsten Mietern. »Artverwandt« zum KVHS-Angebot dürften die Sprechstunden des Zentrums für Arbeit und Umwelt sein, der Schwerpunkt soll hier auf Hilfen zur Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt liegen. Noch mit Fragezeichen behaftet ist, ob zudem das Jobcenter Gießen eine »Außenstelle« in einem der beiden Büroräume eröffnet.

Demenzberatung, Mitfahrzentrale, Ehrenamtsbörse

Sicher aber sind laut Bantz die Beiträge des Oberhessischen Diakoniezentrums, die Demenzberatung sowie Angebote des Mehrgenerationenhauses; wohlgemerkt zusätzlich zu jenen im »Laubacher Stift«. Wie die diversen Aspekte einer verstärkten Seniorenarbeit – der Bedarf angesichts des demographischen Wandels ist unter Laubachs Politikern unstrittig – sind auch Mitfahrzentrale, Ehrenamtsbörse und der für Vereine und Gruppen offene Treff Sache der Stadt. Ebenso Sprechstunden des Behindertenbeauftragten und natürlich die Informationsstelle Älterwerden.

Mit im Boot ist der Verein für psychosoziale Therapie Gießen, der seit Langem mit dem Beratungszentrum in Laubach vertreten ist. Von November 2014 an war der Verein überdies einziger Mieter des Bahnhofs, betreute dort Heranwachsende mit psychosozialen Unterstützungsbedarf. Im März 2016 aber kam bereits mangels Bedarf das Aus. Danach war einzig noch das Obergeschoss und das auch nur an wenigen Tagen belegt, lernen dort Menschen mit seelischen Problemen Alltagskompetenz.

"Eine Win-win-Situation"

In dem neuen Teilhabe- und Begegnungszentrum wird das Obergeschoss weiter für den Verein reserviert sein. Hinter der konkreten Planung, ebenso wie hinter der Kostenträgerschaft stehen aber noch Fragezeichen.

Das Fazit des Sozialkoordinators überrascht nicht: »Das ist eine Win-win-Situation.« Wobei der Gewinn sich nicht nur auf die soziale Infrastruktur Laubachs beschränkt, kommt doch auch wieder Miete rein. Dies, nachdem die städtische Immobilie – im Sommer 2014 von der Stadt für 62 000 Euro renoviert – seit zwei Jahren nahezu ungenutzt war. Totes Kapital am toten Gleis, gewissermaßen

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