18. Oktober 2018, 21:42 Uhr

Wenn eine Sächsin vom »Diwwel« spricht

18. Oktober 2018, 21:42 Uhr
Die neuen Wurzelbürger (von links): Antje Wenzel, Joachim Breckow, Simone Maiß und Andreas Heinecke.

Welcher Zugezogene, der sich ehrenamtlich für die Stadt engagiert, wird wohl diesmal »gebürstet«? Eine Frage, die bei jedem Gallmärts-Frühschoppen an jedem Tisch gestellt wird. Auch gestern. Bevor aber Bürstmeister Gerd Lippert mit vier Bürstenstrichen über den Rücken die »Einbürgerung« vollzog, hatten die Kandidaten die Mundartprobe zu bestehen. Heißt: Einen Satz vom Hochdeutschen ins Oberhessische zu übersetzen.

»Gäiße« sagt der »Grimmicher«.

Erste Kandidatin war gestern Antje Wenzel. Die Wahl fiel auf die Mittvierzigerin, weil sie von 2016 bis 2018 als »Märtfraa« die Stadt, die Gallusmarktkommission und die GWG »vorbildlich vertreten hat«, wie Lippert erklärte. Ihre Aufgabe: »Mit der Verwendung eines in der Verbindungstechnik gebrauchten Bauteiles sorgen wir für eine sichere Verankerung.« Nicht leicht für eine gebürtige Sächsin. Wenzels Idee: »Schloach de Diwwel in die Waand, schwatz nit viel, dann hält es Bild schu.« Da merkte man schon ihre 20 Jahre in Grünberg und die Arbeit in »Deutschlands kleinstem Baumarkt, der Wenzel OHG«, meinte Lippert. Sein Übersetzungsvorschlag: »Do mache mer e Düwwelche enaann, irrn dann hält’s«

Nächster Kandidat: Prof. Dr. Joachim Breckow. Er sollte für sein Engagement bei den Barfüßern, im Freundeskreis Museum, Verkehrsverein und bei »Mann trifft sich« der ev. Gemeinde »gebürstet« werden. In Niedersachsen aufgewachsen, war auch für ihn diese Mundartprobe eine Herausforderung: »Wenn sich ein Grünberger als Lehrmeister in Gießen betätigt, bedeutet das eine deutliche intellektuelle Aufwertung der an dieser Stelle vorhandenen menschlichen Masse.« Der an der THM lehrende Physiker nahm die Hürde locker: »Do kann en Grimmicher Schuster em Gießener Schlammbeiser ordentlich woas beibringe.« Fest perfekt. Nur merke: »Gäiße«, sagt der »Grimmicher«.

Dritte im Bunde war Simone Maiß. Sie ist bei den Handballern der HSG Mücke/Grünberg aktiv, gehört dem Trainerstab an, betreut seit zehn Jahren die Minis. Ihre Probe: »Als ich in früheren Jahren mit dem Bus von Ruppertenrod nach Grünberg gefahren bin, haben wir Merlau an der südlichen Tangente passiert.« Hhm. Klingt schwer, doch stammt Maiß aus Ruppertenrod. Ihre Antwort: »Als aich als Keand mit dem Postauto noch Grimmich gefoahrn sei, sei mir iwwer Mirrle ge-foahrn.« Lippert nickte anerkennend, einzige Korrektur betraf die Übersetzung von Tangente: »Mirrle hu mer rechts laie losse.«

Schließlich ward Andreas Heinecke auf die Bühne gebeten. Seit 2009 ist der bei der Feuerwehr aktiv, ist auch Mitglied im TSV Grünberg, Abteilung Handball. Seine Mundartprobe: »Meine körperliche Größe ermöglicht es mir, gewisse Arbeiten am Haus ohne Steigmittel auszuführen.« Heinecke: »Weil aich so gruß sei, brauch aich ke Leddern, um die Dachrinne sauwer zoa mache.« Sehr gut für einen Mann aus dem Harz, da haben wohl die 13 Jahre in Grünberg sprachtechnisch einiges nach vorn gebracht.

Wie alle Kandidaten, so dankte auch Heinecke für die gute Aufnahme durch die Grünberger, die dann zahlreich einstimmten, als es hieß »Enniwer, en erriwer, du wurzelst in Grimmich, mer nemme dich off.«

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