22. November 2018, 22:21 Uhr

Vor den Nazis in die USA geflüchtet

22. November 2018, 22:21 Uhr
Herbert Rosenbaum

Ein Vortrag, der bewegt. In einer Zeit, in der Verbrechen des Dritten Reiches und anderer totalitärer Staaten auf deutschem Boden mehr und mehr verharmlost werden und Gruppen vermehrt Zulauf erhalten, die für komplexe politische Vorgänge einfache Lösungen anbieten, hatte der Heimatkundliche Arbeitskreis Linden zu einem Vortragsabend eingeladen, in dem aufgezeigt wird, wie sehr Menschen in unserem Land unter Verfolgung, Erniedrigung und schrecklicher Folter zu leiden hatten. Das alles mündete bekanntlich in einem millionenfachen Massenmord.

»Die Geschichte der jüdischen Familie Eduard Rosenbaum«, zusammengestellt, ergänzt und am Mittwochabend vorgetragen von Helmut Faber, dem Vorsitzenden des Heimatkundlichen Arbeitskreises. Der Vortrag basiert unter anderem auf dem Buch von Christiane Schmidt und Marianne Bill (†) »Unterwegs in der Geschichte … jüdisches Leben in Hüttenberg«. Auch Informationen von Zeitzeugen flossen in den Vortrag ein. »Und die haben mich sehr berührt«, bekannte Faber, der seine Lesung mit einem Blick auf die ersten jüdischen Spuren in und um Hüttenberg eröffnete.

Demnach siedelten sich die ersten Juden Ende des 17. Jahrhunderts in Hörnsheim und Hochelheim an, allerdings unter erschwerten Bedingungen. Juden durften demnach keinen Grundbesitz erwerben, und somit hatten sie keine Möglichkeit, Landwirtschaft zu betreiben. »Ihnen blieb meist nur der Vieh- und Hausierhandel.« Außerdem mussten Juden Zahlungen (»Schutzbriefe«) leisten, um so den Schutz von Leben und Eigentum zu erhalten.

Stammvater der Familie Rosenbaum war ein Jude namens Heyum, dessen Nachkommen im Jahre 1846 den Namen Rosenbaum annahmen. Einer dieser Nachfahren war Eduard Rosenbaum, der am 26. Dezember 1888 in Hörnsheim geboren wurde. Er wurde zum Vorturner im TV Hörnsheim gewählt und im ersten Weltkrieg als Soldat eingezogen. 1919 heiratete er Jenny Stern. Aus dieser Ehe gingen die Söhne Herbert und Adolf (der später verständlicherweise diesen Namen ablegte und sich Ed nannte) hervor. Im Jahr 1922 eröffnete Eduard Rosenbaum in Großen-Linden (Bahnhofstraße 78) ein Geschäft für Wäsche, Stoffe und Bekleidung, das sich wegen der Qualität der Ware großer Beliebtheit erfreute. Nach seinem Tod führte seine Frau den Laden weiter.

Ab 1933 wurde das Geschäft boykottiert. Jenny Rosenbaum und ihre Söhne wanderten in die USA aus. Der Neuanfang gestaltete sich schwierig. Erst zwölf Jahre nach der Einwanderung hatte sie mit einer Handschuhnäherei ein Einkommen. Sie starb 1980 in New York, 1997 besuchte ihr Sohn Herbert Rosenbaum mit seiner Frau und seinen Söhnen Edward und Daniel Großen-Linden und weihte hier ein von ihm gestiftetes Denkmal der Großen-Lindener Juden ein. Herbert Rosenbaum starb im Jahr 2016.

Ein weiteres Mitglied der Familie Rosenbaum, Louis, emigrierte 1936 mit seiner Frau Clara 1936 in die USA. Als er im Jahr 1945 starb, hatte seine Familie noch keine Nachricht über das Schicksal der drei Schwestern; die Hoffnung auf ein Wiedersehen erfüllte sich für die Angehörigen nicht: Alle drei waren mit weiteren Familienmitgliedern von den Nazis ermordet worden. (Repro: se)

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