21. Juni 2018, 10:09 Uhr

Tagelange Folter

Vor Gericht: Lindener soll Ehefrau tagelang brutal gefoltert haben

Ein Lindener soll seine Frau fünf Tage lang eingesperrt, verprügelt und mehrfach vergewaltigt haben. Nun muss sich der 47-Jährige vor Gericht verantworten.
21. Juni 2018, 10:09 Uhr
(Foto: Schepp)

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit soll die Flucht möglich gemacht haben – ein Augenblick, dem die Lindenerin ihr Leben verdanken könnte. Die Frau schlich im Januar 2015 laut Staatsanwaltschaft aus der Wohnung eines Hochhauses in der Gießener Straße in Leihgestern, während ihr Mann unter der Dusche stand – und der Schlüssel glücklicherweise in der Tür steckte. Fünf Tage lang soll sie zuvor ein brutales Martyrium erlitten haben. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat ihr Ehemann sie eingesperrt, verprügelt, beschimpft, bespuckt und mehrfach vergewaltigt. Er soll eine Pistole auf sie gerichtet und abgedrückt haben. Fünf Tage Folter, ununterbrochen. Einmal soll er gesagt haben: »Ins Gefängnis komme ich dafür nicht. Sondern in die Psychiatrie.«

Sie erlitt einen epileptischen Anfall, hörte auf zu atmen. Er schlug mit einem Gürtel auf sie ein

Aus der Anklageschrift

Der 47 Jahre alte Lindener muss sich seit Mittwoch vor einer Strafkammer des Gießener Landgerichts unter Vorsitz von Richter Dr. Klaus Bergmann verantworten. Einen blauen Aktenordner hielt er vor das Gesicht, als er in Handschellen den Saal betrat. Während Staatsanwältin Daniela Zahrt die Anklageschrift vortrug, setzte er eine Brille auf, um regungslos Wort für Wort mitzulesen. Einmal entfuhr ihm ein leiser Seufzer.

Am 15. Januar 2015, so hielt die Staatsanwältin fest, habe der Angeklagte zunächst die Wohnung in Leihgestern von innen verriegelt. Den Schlüssel habe er an einem Band um den Hals gehängt, einen zweiten habe der Mann in einen Tresor gesperrt. »Er warf das Handy der Frau gegen die Wand und zerstörte es.«

 

Schauder erregend

So brutal, einen eiskalten Schauder erregend sind die mutmaßlichen Taten des Lindeners an seiner Frau, dass sie nur schwer zu fassen sind. Immer wieder habe er auf sie eingeschlagen, ihr ins Gesicht gespuckt, habe sie als »Schlampe« beschimpft, heißt es in der Anklageschrift. Zweimal soll er eine Pistole auf sie gerichtet und abgedrückt haben. Ohne zu wissen, dass es sich um eine Schreckschusswaffe gehandelt haben soll, habe die Frau einen epileptischen Anfall erlitten. »Sie fürchtete um ihr Leben. Sie verlor ihr Bewusstsein, hörte auf, zu atmen«, heißt es in der Anklageschrift. Anstatt die Tortur wenigstens für einen Augenblick zu unterbrechen, habe der Mann mit einem Gürtel auf seine bewusstlose Frau eingeschlagen. An den Haaren habe er sie außerdem durch die Wohnung geschleift.

»Sie war ihm schutzlos ausgeliefert. Er drohte ihr mit dem Tod«, sagte die Staatsanwältin. Er habe zudem gedroht, den Kindern der Frau – die zu dem Zeitpunkt nicht in der Wohnung waren – etwas anzutun. Immer wieder soll sie um Hilfe geschrien haben, mit den Füßen gegen die Wohnungstür getreten haben. Als sie versucht habe, zu fliehen und ihre Sachen zu packen, soll er sie grinsend zum oralen Sex gezwungen haben. »Unter Tränen hat sie ihm nachgegeben.«

 

Krankhafte Eifersucht soll Ursache sein

Sie habe zudem an das Mitgefühl ihres Mannes appelliert. »Sie hat ein Weinglas gegen ihren Kopf geschlagen und sich mit den Glasscherben Verletzungen zugefügt« – in der verzweifelten Hoffnung, ihr Mann würde einen Notarzt rufen. Stattdessen soll er die Frau gezwungen haben, den blutüberströmten Teppich zu schrubben.

Als Anlass für die angeklagten Taten vermutet die Staatsanwaltschaft »krankhafte Eifersucht« des Mannes. Der 47-Jährige habe seiner Frau vorgeworfen, eine Affäre zu haben. Einmal soll er ihr unvermittelt unterstellt haben, sie habe soeben Sex mit einem anderen Mann gehabt. »Er hat ihr dann mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und sie mit beiden Händen gewürgt, bis sie besinnungslos zu Boden fiel«, verlas Staatsanwältin Zahrt.

 

Laut Staatsanwaltschaft voll schuldfähig

Der Lindener soll seiner Frau während der fünftägigen Tortur unterstellt haben, dass ein Liebhaber sie ständig mit einer ferngesteuerten Maschine befriedige, die in ihrem Unterleib stecke. »Er schlug ihr mit den Fäusten gegen den Bauch, um die Maschine zu ertasten.« Er soll zudem mit den Fingern in sie eingedrungen sein, um nach dem Gerät zu suchen. Eine Gutachterin wird im Lauf des Verfahrens den psychischen Zustand des Angeklagten einschätzen. Laut Staatsanwaltschaft ist der Mann voll schuldfähig.

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