21. Februar 2019, 15:43 Uhr

Rodung

Nun geht's los: 30 000 Bäume werden in Wald bei Lich gefällt

Rund 30 000 kranke Bäume im fürstlichen Wald bei Lich werden seit Dienstag abgeholzt. Rund 1800 Bäume pro Tag. Inzwischen ist klar, wie es danach weitergeht.
21. Februar 2019, 15:43 Uhr
Medienaufkommen im Wald: Auch ein Kamerateam von RTL filmt die Rodungsarbeiten. (Foto: jwr)

Update, 21. Februar 2019: In dem von einem Pilz befallenen Waldstück in Lich sind die ersten 10 000 von etwa 30 000 kranken Ahornbäumen gefällt worden. Das berichtete Revierleiter Jörg Heßler am Donnerstag. Seit Anfang der Woche laufen die Rodungsarbeiten auf einer Fläche von rund 20 Hektar.

Selten bekommen Bäume so viel Aufmerksamkeit – in diesem Fall sterbenskranke: Ein Fotograf der Bild-Zeitung steht im Wald zwischen Lich und Birklar, auch ein Kamerateam von RTL ist angereist, um die Bäume aus allen Perspektiven zu filmen: von vorne, von hinten, auch mit einer Drohne von oben. Das Handy von Förster Jörg Heßler hört kaum noch auf zu klingeln, die Medienenfragen häufen sich: »Morgen kommt noch ein Fernsehsender«, sagt er, »danach komme ich endlich auch wieder zum Arbeiten«.

Dann wird er alle Hände voll zutun haben, denn in seinem Revier herrscht zurzeit Ausnahmezustand: Auf einer Fläche von insgesamt 20 Hektar müssen insgesamt rund 30 000 Ahornbäume gefällt werden, weil sie von der Rußrindenkrankheit (Lesen Sie auch: Baum-Seuche nun auch in Bad Nauheim ausgebrochen) befallen sind. Da die Pilzsporen (siehe Infokasten unten) auch für die menschliche Lunge Gefahren bergen, kann das Holz nicht wie üblich verarbeitet werden. Es wird an Ort und Stelle gehäckselt, dann abtransportiert und schließlich in einer Anlage verbrannt. Ursprünglich war geplant, die Stämme noch im Wald (Lesen Sie auch: Die Entdeckung der Rußrindenkrankheit im Wald bei Lich) zu sammeln und zu verbrennen, doch davon haben Heßler und seine Mitarbeiter Abstand genommen. »Ich persönlich weigere mich, hier über Wochen Feuer zu machen, das muss beaufsichtigt und angesteckt werden«, sagt Heßler. Auch mache er sich Sorgen, dass die Bodenökologie dadurch Schaden nehmen könnte.

Ein paar Meter weiter ist Gerhard Klingelhöfer aus Lich mit schwerem Gerät unterwegs. Mit einem Bagger, Klasse 20 Tonnen, rollt er von einem Baum zum nächsten. Der »Wood-Cracker« an einem langen Hydraulikarm kneift die Bäume quasi unten ab, dann fallen sie. Einer nach dem anderen. Die gesunden Bäume in dieser Parzelle – Kiefern, Eichen, Kirschbäume – sollen aber nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

 

Baumfällungen in Wald bei Lich: Was kommt danach?

Klingelhöfer trägt einen weißen Schutzanzug und eine Überdruckmaske. Was bedrohlich aussieht, ist dem Arbeitsschutz geschuldet: Die Sporen sollen vom Körper ferngehalten werden. Den Anzug sollte Klingelhöfer nach jeder Schicht vernichten. Häufig ist er mit seinen Maschinen auf Baustellen im Einsatz. Mit Schutzkleidung im Wald zu arbeiten, ist für ihn eine ungewohnte Erfahrung.

Der Bagger wird hier noch ein paar Tage abholzen, erklärt Förster Heßler, ab dem heutigen Mittwoch kommt auch ein Harvester zum Einsatz – eine ähnliche Maschine, die die Bäume unten absägt. »Umgeschnitten sind sie schnell, aber der Abtransport dauert«, gibt Heßler zu bedenken. Realistisch sei, rund 1800 Bäume pro Tag zu fällen. Bereits ab kommender Woche soll die Wiederaufforstung beginnen. Dann wird zwischen den Baumstümpfen und den gesunden Bäumen neu gepflanzt, unter anderem Eichen, Douglasien und Lärchen. Neuer Ahorn wird hier dagegen so schnell nicht mehr wachsen. Bis an den nun gerodeten Stellen wieder ein dichter Wald mit hohen Bäumen steht, werden einige Jahrzehnte vergehen. Heßler wird dann nicht mehr im Dienst sein. »Selbst wenn Sie es nicht mehr wissen und bald über etwas anderes berichten«, sagt er zu den Medienvertretern, »uns wird das noch 100 Jahre beschäftigen«.

Info

Rußrindenkrankheit

Vor allem in Nordamerika ist die Krankheit verbreitet. Vor rund zehn Jahren wurde sie erstmals in Deutschland nachgewiesen. Großflächige Ausbrüche wie nun bei Lich sind hierzulande ein neues Phänomen. Ein Pilz, der befallene Stellen schwarz färbt, gibt der Rußrindenkrankheit ihren Namen. Die Sporen des Pilezes können bei Menschen zu Atembeschwerden und Lungenschäden führen. Daher haben sich die Verantwortlichen für ein schnelles Abholzen entschieden. Zum Ausbruch der Krankheit beigetragen hat vermutlich auch der heiße Sommer des Vorjahres. (jwr)

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