11. Februar 2019, 22:17 Uhr

Naturschützer sind enttäuscht

11. Februar 2019, 22:17 Uhr
Düstere Aussichten sehen Naturschützer zum Beispiel für die Feldlerche: Steigt der »Vogel des Jahres 2019« bald nicht mehr zum Singflug auf und stürzt im Sinkflug ab? (Foto: NABU Hessen/Peter Lindel)

Das Hungener Stadtparlament ist ein eher ungewöhnlicher Ort für das »Verspritzen« von Gift, was man real auf Äckern vermutet. »Giftige« Worte und eine dadurch vergiftete Atmosphäre erlebten Beobachter der jüngsten Stadtverordnetensitzung, als es um die Abstimmung eines Grünen-Antrags zur Einrichtung eines »Runden Tisches Biodiversität Hungen« ging (die GAZ berichtetet). Die Hungener Ortsgruppen von Naturschutzbund (NABU) und Hessischer Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) begrüßen den im Antrag genannten Gesprächsansatz zur Lösung ökologischer Probleme in den Hungener Feldfluren. Themen sind die Zerstörung von Hecken, das Umpflügen und illegale Beackern von Feldrainen, Ausgleichsflächen und ganzen Graswegen sowie das Abspritzen derselben mit glyphosathaltigen Herbiziden. Leider seien das keine Einzelfälle, »allesamt rechtswidrig und in den wenigsten Fällen juristisch verfolgt oder fördertechnisch von den Behörden sanktioniert«, heißt es in einer Mitteilung der Naturschützer.

Auch Hungen sei keine »Insel der Glücksseligen«. So habe zum Beispiel der NABU/VNULL Langd bereits 2015 in einer Flurkartierung erhebliche Flächenverluste und Pflegedefizite in der Gemarkung Langd kartografisch und textlich dokumentiert.

Dialog mit Landwirten angestrebt

Die Stadt Hungen als Eigentümer und Adressat der akribischen Ausarbeitung habe bisher eher verhalten reagiert und »kaum Bereitschaft gezeigt, offensichtlich illegale Zustände zu beenden und auch zu sanktionieren«.

Der Versuch der Hungener Grünen, die verfahrene Situation lösungsorientiert zu entspannen, sei leider an der Ablehnung der Mehrheitsfraktionen von CDU und Freien Wählern (FW) gescheitert. Hierfür habe man keinerlei Verständnis, betonen die Hungener Naturschützer. Dies wäre ein Weg gewesen, ins Gespräch zu kommen, verhärtete Fronten aufzuweichen und praktikable Lösungswege für eine Stärkung der Biodiversität in den zwölf Hungener Ortsgemarkungen aufzuzeigen.

Die Hungener Naturschützer kündigen an, sie würden auch weiterhin direkt und offen mit interessierten Landwirten sprechen und auch gemeinsame Projekte anpacken. Die Tür stehe weiterhin offen. Wer ausgestreckte Hände leichtfertig ausschlage, schade nicht nur der Natur, sondern letztlich auch sich selbst und dem bäuerlichen Berufsstand.

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