11. Januar 2019, 21:33 Uhr

»Miteinander in Laubach«

In wenigen Tagen startet die neue Informations- und Beratungsstelle in Laubachs altem Bahnhof. Angebote für Alt und Jung, von Stadt, Kreis, Diakonie und psychosozialem Beratungszentrum werden unter einem Dach vereint. Der Name ist Programm: »Miteinander in Laubach«. Gut für die soziale Infrastruktur der Stadt – doch nicht nur.
11. Januar 2019, 21:33 Uhr
Totes Kapital am toten Gleis: Bald zwei Jahre steht der Bahnhof Laubach leer. Jetzt aber zieht hier das ambitionierte Projekt einer Informations- und Beratungsstelle ein. (Foto: tb)

Laubachs Sozialkoordinator Jochen Bantz lässt, so er auf dieses Projekt zu sprechen kommt, fast seine hanseatische Coolness vermissen. »Ein einzigartiger Kooperationsgedanke« komme hier zum Tragen, »jeder bringt was mit, und das noch ohne Kosten für die Stadt«, schwärmt er für die neue Einrichtung. Seit 2016 ist der Hamburger – neben der Leitung des Jugendgästehauses – als Sozialkoordinator bei der Stadt angestellt, kümmert sich um Jugend- und Seniorenarbeit, Integration und Ehrenamt.

Gemeinsam mit Stadtverordnetenvorsteher Joachim M. Kühn hat er in den letzten Monaten mit allen Beteiligten gesprochen, am Konzept für die Begegnungsstätte gefeilt, hat das Grundgerüst weiterentwickelt. Konstruiert worden war das bei einer von Bantz organisierten »Zukunftswerkstatt« letzten Juli. Rund 30 Politiker, Vertreter von Verwaltung, von Vereinen, Diakonie und andere mehr machten mit, brachten sich mit einer Vielzahl von Ideen ein. Als externe Experten für Gemeinwesenarbeit hatten Gerrit-Scott Vogelgesang (Kreis Gießen) und Fabienne Weihrauch (Arbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte Hessen e.V.) mitgewirkt.

Nicht vergessen aber sei die Keimzelle von allem: der CDU-Antrag auf Schaffung einer »Informationsstelle Älterwerden«. Einstimmig hatten den bereits 2015 Laubachs Stadtverordnete beschlossen.

Warum aber nur was für Senioren tun? Diese Frage sollte sich spätestens aufdrängen, als es an die Umsetzung ging. Die Antwort liegt nun vor: Eine Vielzahl von Angeboten aus dem Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich wird hier gebündelt, und zwar für Menschen jeden Alters. Und mit Erweiterungspotenzial. Als Beispiel nennt Bantz die komplett ausgestattete Schreinerei im alten Güterschuppen (ehedem Qualifizierungsmaßnahme »Umweltwerkstatt«). Dort könnte er sich gut eine andernorts schon erprobte Seniorenwerkstatt vorstellen.

Zunächst aber nimmt er die bereits fixen Angebote für Alt und Jung in den Fokus. Erstmieter und -nutzer des »Office Sharings« wird in Kürze schon der Landkreis Gießen sein. Die Volkshochschule bietet einmal die Woche eine Sprechstunde an, steht bei Fragen rund ums Thema (Berufs-)Bildung zur Verfügung. Informationen über Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, über Wege zurück in den Beruf et cetera werden im neuen Alten Bahnhof zu haben sein.

Fürs Frühjahr rechnen die Macher mit den nächsten Schritten und Mietern. »Artverwandt« zum KVHS-Angebot dürften die Sprechstunden des Zentrums für Arbeit und Umwelt Gießen sein, der Schwerpunkt soll hier auf Hilfen zur Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt liegen. Noch mit Fragezeichen behaftet ist, ob zudem das Jobcenter eine »Außenstelle« in einem der beiden Büroräume eröffnet.

Sicher aber sind laut Bantz die Beiträge des Oberhessischen Diakoniezentrums, die Demenzberatung sowie Angebote des Mehrgenerationenhauses; wohlgemerkt zusätzlich zu jenen im »Laubacher Stift«.

Sache der Stadt wird vor allem eine verstärkte Seniorenarbeit sein, der Bedarf dafür ist angesichts des demografischen Wandels unter Laubachs Politikern unstrittig. Ebenso die Mitfahrzentrale, die Ehrenamtsbörse, Sprechstunden des Behindertenbeauftragten und natürlich die Informationsstelle Älterwerden. Weitere Ideen gebe es reichlich, meint Bantz. Aber: »Das muss wachsen«.

Mit im Boot ist der Verein für psychosoziale Therapie, der seit Langem mit dem Beratungszentrum in Laubach vertreten ist. Von November 2014 an waren die Gießener überdies einziger Mieter des Bahnhofs, betreuten dort Heranwachsende mit psychosozialem Unterstützungsbedarf. Mangels Bedarf aber kam bereits im März 2016 das Aus. Seither war einzig das Obergeschoss – und das auch nur an wenigen Tagen – belegt, lernten dort Menschen mit seelischen Problemen Alltagskompetenz. Im Teilhabe- und Begegnungszentrum wird der erste Stock weiter für den Verein reserviert sein. Hinter der konkreten Planung, ebenso wie hinter der Kostenträgerschaft, stehen allerdings noch Fragezeichen.

Das Fazit des Sozialkoordinators überrascht nicht: »Das ist eine Win-win-Situation.« Wobei der Gewinn sich nicht nur auf die soziale Infrastruktur Laubachs beschränkt, kommt doch auch wieder Miete rein. Dies, nachdem die städtische Immobilie – im Sommer 2014 von der Stadt für 62 000 Euro renoviert – seit zwei Jahren nahezu ungenutzt war. Totes Kapital am toten Gleis, gewissermaßen.

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