23. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Fünf Tage Folter

Lindener soll Frau tagelang gefoltert haben: Sieben Jahre Gefängnis gefordert

Ein Lindener, der seine Frau fünf Tage lang eingesperrt, verprügelt und vergewaltigt haben soll, muss mit einer hohen Haftstrafe rechnen. Fehler der Polizei haben das Verfahren erschwert.
23. Oktober 2018, 05:00 Uhr
(Archivfoto: sha)

Ein Lindener, der seine Frau im Januar 2015 fünf Tage lang eingesperrt, verprügelt und vergewaltigt haben soll, muss mit einer hohen Haftstrafe rechnen. Staatsanwältin Daniela Zahrt forderte am Montag in ihrem Plädoyer sieben Jahre Gefängnis für den 47 Jahre alten Mann. Die Kammer des Gießener Landgerichts unter Vorsitz von Richter Dr. Klaus Bergmann spricht am Donnerstag das Urteil.

Das Ziel des Angeklagten war, seine Frau psychisch zu brechen und zu entwürdigen

Daniela Zahrt, Staatsanwältin

»Das Ziel des Angeklagten war, seine Frau psychisch zu brechen und zu entwürdigen«, sagte Zahrt. Er habe seine Partnerin in seiner Wohnung in Leihgestern einem »Psychoterror« unterzogen. Das Motiv sei krankhafte Eifersucht. Die Frau soll sich damals während der Folter mit Weingläsern ins eigene Gesicht geschlagen haben – in der Hoffnung, dass der Mann den Notarzt ruft. Stattdessen soll dieser sie gezwungen haben, den blutüberströmten Teppich zu schrubben.

 

Ein »vermurkstes Verfahren«

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen Geiselnahme, Körperverletzung und Vergewaltigung vor. Einzelne »problematische« Anklagepunkte ließ Zahrt unterdessen fallen: So soll der Angeklagte seine Frau mit einem Gürtel geschlagen haben, nachdem sie einen epileptischen Anfall erlitten habe. »Sie war bewusstlos, entdeckte erst später Striemen auf dem Körper.« Es sei schwierig, die Schläge mit dem Gürtel zuverlässig nachzuweisen. Zu widersprüchlich seien außerdem die Schilderungen der Frau von Drohungen mit einer Schreckschusspistole. »Mal soll er die Waffe frontal vor ihrem Gesicht, mal seitlich gehalten haben.« Zur Geiselnahme seien die Aussagen jedoch konstant und glaubwürdig.

Die Staatsanwältin räumte indes auch ein »schwieriges Verfahren« ein, bei dem die Ermittler zum Teil schwere Fehler begangen haben. So machte die Polizei kein Foto von einer mutmaßlichen Kopfverletzung der Frau, ordnete auch keine rechtsmedizinische Untersuchung an. Die Frau ging erst einen Monat später von sich aus zum Arzt. Knapp zwei Monate dauerte es zudem, bis die Ermittler die Wohnung in Leihgestern in Augenschein nahmen. Hinzu kommt: Der Frau wurden bei polizeilichen Vernehmungen frühere Aussagen schriftlich vorgelegt – dies ist nicht zulässig. »Es war nicht optimal«, sagte die Staatsanwältin. Verteidiger Henner Maaß sprach von einem »vermurksten Verfahren.«

 

Verteidiger plädiert für ein Jahr Gefängnisstrafe

Maaß forderte eine Haftstrafe von einem Jahr für seinen Mandanten. Der 47-Jährige sitzt seit Februar in Untersuchungshaft, der Rest soll – so plädierte Maaß – zur Bewährung ausgesetzt werden. Eine Geiselnahme sei nicht zu beweisen, hielt der Verteidiger fest. »Psychoterror ist noch keine Geiselnahme.« Lediglich Körperverletzung sei nachzuweisen. Auch sein Mandant wisse: »Mit Freispruch komme ich hier nicht raus.«

Der Angeklagte leidet laut einem psychiatrischen Gutachten an einer dissozialen Persönlichkeitsstörung – allerdings nicht so schwer, dass seine Schuld dadurch eingeschränkt wäre. Er äußerte sich während des Verfahrens nicht zu den Anklagepunkten. Er ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Auch wegen Übergriffen gegen Partnerinnen wurde er bereits verurteilt.

Glaubwürdig sei die Frau auch, weil sie den Angeklagten zum Teil in Schutz genommen habe, erklärte die Staatsanwältin. »Er war mein bester und mein schlechtester Mann«, hatte das mutmaßliche Opfer vor Gericht erklärt. Die Staatsanwältin betonte: »Das Ziel ihrer Aussage war, dass der Angeklagte zur Rechenschaft gezogen wird und künftige Partnerinnen geschützt werden.«

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