In einer Presseerklärung, in dieser Zeitung am 30. Januar zu lesen, hatten Stadt Laubach und evangelische Kirche brisante Entwicklungen offengelegt: Um den erneuten Gang zum Insolvenzrichter und das dann wohl endgültige Aus für die »DorfSchmiede« abzuwenden, hatte es wenige Wochen zuvor einer weiteren Finanzspritze bedurft. Stadtwaldstiftung und Landeskirche schossen nochmals 150 000 Euro zu. Erstere überwies 100 000 Euro, die EKHN 50 000 Euro. Beide hatten bereits im Herbst jeweils 150 000 Euro zugesagt, um die Insolvenz abzuwenden; die Kirche als Zuschuss, die Stiftung als Darlehen.

Erst mit der neuen Finanzspritze konnten alle Rechnungen von Handwerkern, Lieferanten und der Liquiditätskredit der Sparkasse beglichen werden.

Bis auf ein Widerspruchsverfahren, schob Bürgermeister Klug nun in der jüngsten Stadtverordnetensitzung nach, seien heute alle Forderungen befriedigt. Ein nicht ganz unwichtiger Teil seiner Antwort auf eine Anfrage, mit der die CDU just nach weiteren Überweisungen der Stadtwaldstiftung gefragt hatte. Zwei Wochen zuvor im HFA hatte Klug kurz und knapp mit »Ja« geantwortet, um jetzt die neuerliche Rettung des Begegnungszentrums nochmals und detaillierter als in der Presseerklärung zu erläutern. Der Rathauschef und Stiftungsvorstand erinnerte zunächst an den Beschluss der Gesellschafterversammlung der DorfSchmiede gGmbH vom Herbst, dem Geschäftsführer Dr. Ulf Häbel ein kaufmännisches Gremium zur Seite zu stellen – Michael Köppen für die Stadt, Sigrid Buttenberg fürs Dekanat. Alle Entscheidungen finanzieller Tragweite dürften seither nur nach Rücksprache mit dem Gremium getroffen werden. Das habe nach Beendigung des vorläufigen Insolvenzverfahrens sogleich mit seinen Prüfungen begonnen, um weitere Finanzierungslücken auszuschließen. Im November habe sich dann gezeigt, dass es doch noch 150 000 Euro an zusätzlichen Forderungen gab. »Der vorläufige Insolvenzverwalter hat sich leider auf die Angaben der Geschäftsführung verlassen.« Die Stadt ihrerseits habe bei gleicher Adresse die Kostenfeststellung des Architekten vom Juni 2017 hinterfragt. »Auch hier war die Antwort: keine weiteren Forderungen.«

Angesichts der erneut drohenden Insolvenz habe die Stadtwaldstiftung zunächst das zugesagte Darlehen von 150 000 Euro eingefroren, hätten doch die Vorstände im Falle der Auszahlung und anschließender Insolvenz den Vorwurf der Veruntreuung befürchtet. Die 150 000 Euro der Kirche dagegen seien überwiesen worden, wären im Falle der Insolvenz in der Vermögensmasse untergegangen.

Der Gang zum Amtsgericht erschien damals laut Klug unausweichlich, habe doch das Stadtparlament weitere Finanzhilfen ausgeschlossen. »Die Gesellschafter vereinbarten Stillschweigen, um in Ruhe nach Lösungen zu suchen. Eine öffentliche Diskussion hätte womöglich alle Bemühungen erschwert oder zunichtegemacht.« Kurz vor Weihnachten aber kam die Zusage der Kirchenleitung, 50 000 Euro nachzuschießen. Was jedoch nicht ausgereicht habe, um bereits beauftragte Leistungen zu begleichen. Im Bewusstsein der vom RP bestätigten Förderfähigkeit des Begegnungszentrums habe der Stiftungsvorstand die 100 000 Euro bewilligt. Dies auch, um bereits gewährtes Darlehen über 173 000 Euro zurückzuerhalten und einen »weitaus größeren Schaden von der Stadt abzuwenden«. Dass das Land ob der finanziellen Schieflagen ein weiteres Sanierungsgutachten eines Wirtschaftsprüfers fordere, verschwieg Klug nicht. Auch nicht, dass der Geschäftsführer seinen Rücktritt erklärt habe, sobald ein Nachfolger gefunden sei. Der solle aus dem Kirchenbereich kommen, ebenso das Amt ausüben.

Wie Klug schloss, habe der Dorfladen im Dezember erstmals schwarze Zahlen geschrieben. Auch bestätigten externe Fachleute, dass er dauerhaft verlustfrei zu betreiben sei. Sollten aber die vorgenommen Umstrukturierungen nicht greifen, stehe der Weg zur kurzfristigen Schließung offen.

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