01. November 2018, 13:06 Uhr

Teurer Sprit

Warum die Benzinpreise in Hessen aktuell so hoch sind

Benzin ist in Hessen aktuell so teuer wie vielleicht noch nie. Das liegt allerdings nicht nur am Rohölpreis und am Dollarkurs. Eine besondere Rolle spielt das Wetter.
01. November 2018, 13:06 Uhr
(Foto: Arno Burgi/ZB/dpa)

Die hohen Preise für Benzin und Diesel werden Autofahrern in Hessen noch einige Zeit erhalten bleiben. Obwohl die Ölpreise seit ihrem Jahreshoch vor einem Monat wieder gefallen sind, merken die Kunden an den Zapfsäulen davon wenig. 

Normalerweise können sich die Autofahrer darauf verlassen, dass die Preise von Benzin, Diesel und Heizöl ungefähr mit dem Preis für Rohöl und dem Dollar schwanken, mal etwas mehr, mal etwas weniger. In diesem Herbst aber kommen Entlastungen an den Märkten bei den Autofahrern nicht an. Grund ist die Trockenheit, die seit dem Frühjahr die Pegelstände der Flüsse immer tiefer sinken ließ. Auch der Oktober war zu trocken; es fielen nur halb so viele Niederschläge wie im langjährigen Mittel.

 

Rhein und Nebenflüsse wichtig für Rohölversorgung

Vor allem der Rhein und seine Nebenflüsse spielen eine wichtige Rolle für die Öl-Versorgung etwa in Hessen. Dort liegen zum Teil riesige Raffinerien, die durch Rohrleitungen mit Rohöl versorgt werden. Die fertigen Produkte werden dann mit Tankschiffen auf den Flüssen transportiert, um dann mit Bahn und Lkw zu den Konsumenten zu gelangen.

Doch genau dort liegt das Problem: Wegen der niedrigen Wasserstände können die Schiffe nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin, Diesel und Heizöl transportieren wie gewohnt. Ersatz zu schaffen auf Schiene und Straße ist wegen knapper Kapazitäten schwierig und teuer. Die Folge: Die Produkte kommen daher nicht zum Kunden oder allenfalls zu deutlich höheren Preisen.

Kostete ein Liter Diesel Anfang Oktober im bundesweiten Schnitt noch 1,34 Euro, so waren es Ende des Monats 1,42 Euro. Superbenzin verteuerte sich im Laufe des Monats nach Daten des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) von 1,49 Euro auf 1,53 Euro je Liter. Im gleichen Zeitraum verbilligte sich ein Barrel Rohöl (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent um elf Prozent auf umgerechnet 66,40 Euro.

 

Entschärfung durch Sonntagsfahrerlaubnis für Tanklaster

Das bekommen die Autofahrer vor allem im Süden zu spüren. In Karlsruhe etwa müssen die Autofahrer für einen Liter Super derzeit 1,56 Euro bezahlen, in Rostock nur 1,44 Euro – und das, obwohl Karlsruhe Standort einer großen Raffinerie ist. Der Norden ist beinahe überversorgt und nicht angewiesen auf die Binnenschifffahrt, im Süden hakt es an allen Ecken und Enden. Daran ändert auch nichts, dass der Bund zeitweilig seine Notfall-Reserve geöffnet hat, um Engpässe bei der Versorgung zu vermeiden. Einige Tankstellen waren schon zeitweise leergelaufen.

Die Mineralölbranche gibt noch keine Entwarnung: »Wir können nicht sagen, wann sich die Situation entspannt«, sagte ein MWV-Sprecher in Berlin. Auch bei Regen steigen die Pegel der Flüsse nur langsam. So lange die Probleme in der Lieferkette anhalten, müssen die Autofahrer dafür bezahlen. Alexander von Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverband hält eine temporäre Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Tanklaster als Entschärfung der Situation für sinnvoll.  

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