28. Mai 2013, 17:09 Uhr

Trauer, Entsetzen und Wut

Altenstadt (lk). Abdullahhad Tabbo trägt Schwarz, seine Lider sind geschwollen, immer wieder schließt er die Augen. 23 Jahre war er mit Vebronia verheiratet, jetzt ist sie tot. Vebronia wurde umgebracht. »Noch habe ich Kraft«, sagt Tabbo.
28. Mai 2013, 17:09 Uhr
»Sie war für jeden da«, sagt Claudia Tabbo über ihre Mutter Vebronia. Warum die 46-Jährige sterben musste, ist derzeit noch nicht geklärt. Verwandte und Freunde der Familie gedenken der Toten mit Kerzen und einer weißen Rose.

Hinter ihm in der Laube seines Hauses in Altenstadt hat er ein Bild der 46-Jährigen aufgestellt. Kerzen und eine weiße Rose stehen daneben. Wer die Mutter seiner drei Kinder umgebracht hat, das weiß Tabbo nicht. Am Freitag fanden Spaziergänger Vebronia Tabbos Leiche, in einem Waldstück zwischen Rommelhausen, einem Limeshainer Ortsteil, und dem Nidderauer Stadtteil Ostheim. Am Donnerstag hatte Claudia Tabbo ihre Mutter als vermisst gemeldet, als diese nicht wie gewohnt von der Arbeit heimgekommen war.

»Meine Mutter hat etwas gesehen, das sie nicht sehen sollte«, sagt Claudia Tabbo. »Dafür wurde sie ...«, die 22-jährige Studentin ringt mit sich und flüstert dann »bestraft«. Um die zierliche junge Frau herum sitzt ein gutes Dutzend Menschen. Freunde und Verwandte der Tabbos sind gekommen, nur vereinzelt wird gesprochen, in den Gesichtern lässt sich die Trauer, das Entsetzen ablesen. Frieda Heinz, die große Schwester von Vebronia Tabbo, bricht das Schweigen. Zornig sagt sie: »Die, die das gemacht haben, die soll es selber treffen.«

An der Aufklärung der schrecklichen Tat, die Polizei geht von Mord oder Totschlag aus, arbeitet ein Team der Friedberger Kripo mit Hochdruck. Am Freitag hatten Spaziergänger die Leiche von Vebronia Tabbo im Wald gefunden. Bei der Obduktion stellten Mediziner stumpfe Gewalteinwirkungen am Oberkörper der Altenstädterin fest. »Wir ermitteln in alle Richtungen«, sagt Jörg Reinemer, Pressesprecher der Friedberger Polizei auf Nachfrage. Weitere Informationen gibt er nicht heraus.

»Es gab nie Probleme«

Klar ist: Am Montag wurden weitere Familienmitglieder der Verstorbenen von Kriminalbeamten befragt. Abdullahad Tabbo hat bereits ausgesagt. Der 55-Jährige erinnert sich an das letzte Treffen mit seiner Frau am vergangenen Donnerstag. »Gegen 9. 15 Uhr habe ich sie noch gesehen.« Vebronia Tabbo, geborene Gourie Tabbo, war zu einer ihrer zahlreichen Putzstellen, nur wenige Meter vom Haus der Tabbos entfernt, gegangen. Er selbst habe dort auf dem Weg zum Zahnarzt gestoppt, da er sich nicht sicher gewesen sei, ob sie den Haustürschlüssel eingesteckt habe, berichtet der gebürtige Syrer. Er habe nicht gewollt, dass seine Frau auf ihn warten müsse, sollte der Termin beim Arzt länger dauern. »Sie sagte mir, dass sie einen Schlüssel hat«, erinnert er sich. Beim Arzt, dessen Praxis nur wenige Meter entfernt ist, sei er schnell drangekommen, gegen 9.30 Uhr war er bereits wieder daheim. Doch seine Frau, mit der er normalerweise gegen 10 Uhr frühstückt, kam nicht. »Erst dachte ich, sie ist bei Freunden«, berichtet Tabbo. Als die Zeit verstrich, fragte er bei Bekannten und Verwandten nach. »Aus meinem Land gibt es hier etwa 20 Familien. « Gegen 12 oder 13 Uhr habe er dann seine Tochter in der Uni angerufen und ihr gesagt: »Deine Mutter ist nicht zu Hause, das ist nicht normal.« Die 22-Jährige fuhr daraufhin direkt von Gießen nach Altenstadt und informierte die Polizei. Die begann noch am selben Tag nach Vebronia Tabbo zu suchen.

Auf die Frage, ob er eine Vermutung habe, was mit seiner Frau geschehen sein könnte, reagiert der 55-Jährige mit einem Kopfschütteln. »Wir waren 23 Jahre verheiratet. Nie gab es Probleme«, sagt er und nimmt dankend die dampfende Tasse entgegen, die sein Schwager ihm reicht.

Der Waldweg, in dessen Nähe Spaziergänger die Leiche der 46-Jährigen am Freitagabend gefunden haben, ist zwar abgelegen, der leblose Körper lag jedoch nicht weit entfernt vom Weg, hinter einem Gebüsch. Ob Vebronia Tabbo einen Geldbeutel bei sich trug, als sie entdeckt wurde, darüber gaben die Behörden gestern keine Auskunft. Aber »ums Geld kann es nicht gegangen sein. Sie hatte doch nichts«, meint Mustafa Albayrak, Inhaber eines Döner-Imbisses in Altenstadt, in dem Vebronia Tabbo ab und an putzte. »Sie war sehr nett, sehr freundlich, hatte immer ein lachendes Gesicht«, beschreibt er die 46-Jährige.

»Sie war eine starke Frau«

Ähnliches berichten auch Freunde und Familie über die Altenstädterin. »Sie war eine so liebe Frau, die ganze Welt weint. Ihr Mann hat sie sehr geliebt«, sagt ihre Schwester.

»Meine Mutter war der beste Mensch aus Altenstadt, jeder kannte sie, sie wollte für nichts eine Gegenleistung haben. Sie hat mehr gegeben als sie bekommen hat«, berichtet Claudia Tabbo unter Tränen. Ihre Mutter sei eine starke Frau gewesen. »Sie war für jeden da. So, als wäre sie ein Engel von Gott hier unten auf der Erde gewesen, um den Leuten zu helfen.«

»Wir sind Christen, wir glauben an Gott und warten ab«, sagt Gok Jakob, der Bruder der 46-Jährigen. Er habe keine Idee, wer für den Tod seiner Schwester verantwortlich sein könnte. »Noch gibt es wohl keine Zeugen.«

Die Polizei ist weiterhin auf der Suche nach Hinweisen. Jeder, der Vebronia Tabbo am Donnerstag gesehen hat, sollte sich bei der Polizei melden, auch wenn es noch so unwichtig erscheint, sagt die Gießener Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg. Die Polizei in Friedberg ist unter der Telefonnummer 0 60 31/60 10 erreichbar.

Vermisst gemeldete Vebronia Tabbo ermordet aufgefunden

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