Muttertag

Die beiden Seiten des Mutterglücks

»Kinder zu haben ist das größte Geschenk.« Diesen Satz hört man häufig. Weniger häufig fällt der Nachsatz mit dem großen Aber. Unsere Redakteurin Katrin Hanitsch erzählt von beiden Seiten des Mutterglücks.
12. Mai 2018, 17:00 Uhr

Aussage: Kinder zeigen so unmittelbar ihre Gefühle.

So ist es. Kein Geräusch ist schöner, nichts ist ansteckender als ein Kinderlachen. Als Mutter wünscht man sich, dass die Kleinen sich dieses Lachen für immer bewahren. Es ist unverfälscht, ehrlich und kommt von ganzem Herzen. Was tut man nicht alles, um dieses Lachen möglichst oft zu hören: Füßchen kitzeln, auf den Bauch prusten, auf allen Vieren durch das Wohnzimmer krabbeln, immer dem glucksenden Nachwuchs hinterher.

So ist es aber auch. Sie sind gnadenlos ehrlich. Und das kann wehtun. Ihnen ist egal, ob Mama sich beim Essenzubereiten besonders viel Arbeit gemacht oder stundenlang an einem neuen Spielzeug gebastelt hat. Was nicht gefällt, wird kategorisch abgelehnt. Wenn man Pech hat, mit Gebrüll. Denn auch so zeigen Kinder ihre Gefühle. Ein Trotzanfall im Supermarkt, das falsche Spielzeug, der Legoturm bleibt nicht stehen – es gibt Tage, an denen den Kleinen nichts recht ist. Und das sind sehr anstrengende Tage.

 

Aussage: Nie wieder wird uns ein Mensch so nah sein wie unser Kind.

So ist es. Das ist ja auch kein Wunder. Ein Dreivierteljahr ist es in uns herangewachsen. In den folgenden Monaten möchte es am liebsten den ganzen Tag in unserem Arm liegen, es vertraut uns vollkommen. Die Liebe zu einem Kind ist eine ganz besondere, sie wird der Mittelpunkt des Lebens.

So ist es aber auch. Das macht auch Angst. Mit dem positiven Schwangerschaftstest fangen die Sorgen an: Wird sich das Kind gut entwickeln, kommt es gesund zur Welt, wird es ein glückliches Leben haben? Solange eine Mutter lebt, wird das wohl so weitergehen, auch wenn das Kind längst nicht mehr auf die elterliche Fürsorge angewiesen ist.

 

Aussage: Ein Kind bedeutet auch einen neuen Job.

So ist es. Und dieser Job ist großartig. Es stört keinen, wenn man Flecken auf der Hose hat oder um neun noch im Schlafanzug ist. Besprechungen finden höchstens in der Krabbelgruppe oder auf dem Spielplatz statt. Und wir müssen nicht den ganzen Tag im Büro sitzen, sondern können viel an der frischen Luft unternehmen.

So ist es aber auch. Der neue Job nervt. Der neue Chef ist nicht mal volljährig und macht nicht einmal die einfachsten Aufgaben selbst. Feierabend gibt es nicht, Urlaub auch nicht und krank sein ist schon mal gar nicht drin. Das alles bei einer miesen Bezahlung und ohne Kündigungsrecht.

 

Aussage: Kinder sind so selbstbewusst.

So ist es. Selbstzweifel kennen die Kleinen nicht. Sie sind gut, so wie sie sind. Auch wenn sie vielleicht ein gutes Stück kleiner sind, viel später laufen können oder etwas mehr Babyspeck haben als alle anderen Kinder – das kümmert sie kein bisschen. Schön zu sehen, bedeutet es doch ein Stück Unbeschwertheit, die das Kindsein ausmacht.

So ist es aber auch. Wenn sie etwas wollen, dann sofort. Und das vom ersten Atemzug an. Die Wünsche anderer nehmen sie noch nicht wahr. Für sie ist es selbstverständlich, dass ihre Bedürfnisse an erster Stelle stehen. Das kann man bestimmt evolutionär und entwicklungspsychologisch begründen. Für Mütter kann das trotzdem sehr nervenaufreibend sein.

 

Aussage: Das soziale Umfeld verändert sich.

So ist es. Mütter lernen eine Menge neue Leute kennen. Damit sind nicht nur die gemeint, die ihre Nase neugierig in den Kinderwagen stecken. Mit Kindern kommt man leicht ins Gespräch, vor allem mit anderen Müttern. Sie haben die gleichen Sorgen, Probleme und Fragen, das verbindet.

So ist es aber auch. Selbst wenn das beide Seiten nicht beabsichtigen: Von seinem bisherigen Umfeld fühlt man sich schnell abgehängt. Wer sich die Nächte um die Ohren schlägt und den ganzen Tag mit Windelnwechseln, Füttern und Trösten beschäftigt ist, der schafft es einfach oft nicht, im Job auf dem Laufenden zu bleiben. Die Partynächte mit kinderlosen Freunden sind auch erst einmal vorbei. Und selbst wenn man sich mal trifft, gibt es meist nur ein Gesprächsthema: die Kinder.

 

Aussage: Kinder machen uns zu besseren Menschen.

So ist es (hoffentlich). Für ihr Kind würde eine Mutter alles tun. Die eigenen Bedürfnisse und Wünsche sind plötzlich nicht mehr so wichtig. Man lernt, zurückzustecken und zu verzichten, zu kämpfen und Hilfe anzunehmen. Kinder stärken das Selbstbewusstsein und bereichern das Leben.

So ist es aber auch. Wenn eine Frau Mutter wird, bedeutet das nicht, dass sie jemand anderes wird. Sie ist immer noch dieselbe, mit ihren Stärken und Schwächen. Auch eine Mutter hat das Bedürfnis nach Ruhe, sie hat Hobbys und Freunde ohne Kinder – das kommt nur ein wenig zu kurz. (Foto: pm)

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