17. Juli 2014, 09:15 Uhr

Claudia Tabbo: Mein Freund ist unschuldig

Altenstadt (sda). Die Altenstädter starren sie an, am Grab ihrer Mutter wird sie von einer Frau beschimpft. Dabei ist sich Claudia Tabbo sicher: Ihr Freund ist nicht der Mörder ihrer Mutter Vebronia. Auch wenn er bereits seit zwei Monaten in U-Haft sitzt.
17. Juli 2014, 09:15 Uhr
2013 wurde Vebronia Tabbo ermordet. (Foto: Red)

Die Tochter der im Mai 2013 ermordeten Vebronia Tabbo erhebt Vorwürfe gegen das Vorgehen der Polizei und bezeichnet das Verhalten der Hanauer Staatsanwaltschaft als nicht nachvollziehbar. Im Gespräch mit der WZ beteuert sie, dass ihr vor zwei Monaten wegen des Verdachts auf Totschlag verhafteter Freund unschuldig ist. Mit der Altenstädterin Dr. Angela Vogel hat Claudia Tabbo einen siebenseitigen Text verfasst, der jetzt im Internet veröffentlicht wurde.

Im Mai 2013 wurde die Leiche der 46-jährigen Vebronia Tabbo in einem Waldstück zwischen Rommelshausen und Ostheim gefunden. Die gebürtige Syrerin war erschlagen worden. Am 12. Mai dieses Jahres erging Haftbefehl gegen den Schwiegersohn in spe, Claudia Tabbos Freund. Seit Mai sitzt der Mann, ebenfalls gebürtiger Syrer, in Untersuchungshaft.

Claudia Tabbo glaubt jedoch nicht, dass ihr Freund der Mörder ihrer Mutter ist. Die Polizei habe den falschen Mann verhaftet. »Die vorliegenden Beweise sind für mich keine«, sagt sie. »Die Polizei hat meines Erachtens sehr einseitig ermittelt und meine Verdächtigungen außenvorgelassen.«

Anhand der Tatzeit lasse sich die Unschuld ihres Freundes beweisen. So soll um 9.44 Uhr das Handy des Freundes in Rommelhausen geortet worden sein. Um 10.25 Uhr habe sich Claudia Tabbo mit ihm in der Altenstädter Pizzeria getroffen. »Der Tisch war gedeckt, Tee aufgegossen und er hatte Brötchen geholt.« 35 Minuten reichten nicht aus, um einen Menschen zu erschlagen, ihn im Wald abzuladen und an einen gedeckten Frühstückstisch zurückzukommen. Ein weiteres Indiz seiner Unschuld ist für Claudia Tabbo, dass weder an seinem Auto noch an seiner Kleidung Blut- oder Schlammspuren gewesen seien. »An diesem Morgen hat es stark geregnet. « Er habe dieselbe Kleidung wie am Vorabend getragen, Möglichkeiten, sich zwischendurch umzuziehen, habe er nicht gehabt, weil all seine Kleider im Haus der Tabbos, seinem damaligen Wohnort, gelegen hätten.

In dem im Internet veröffentlichten Text heißt es dazu: »Wie sollte er an diesem Morgen in derart kurzer Zeit einen Menschen auf einen anderen, fünf bis sechs Kilometer von Altenstadt entfernt liegenden Ort transportiert, ihn Hunderte Meter weit einen Waldweg hineingefahren, ihn ausgeladen und in den Wald geschleift, mit ihm gekämpft und durch unzählig viele Stockschläge dann irgendwann totgeschlagen haben?« Außerdem sagt Claudia Tabbo: »So ist mein Freund nicht gestrickt.« Seit seiner Verhaftung habe sie ihn einmal in der JVA besucht, er beteuere weiterhin seine Unschuld.

Claudia Tabbo erzählt auch, dass sie von Beamten mit der Aussage konfrontiert worden sei, ihr Lebensgefährte habe die Mutter getötet, weil er ihr nicht die 3000 Euro habe zurückzahlen können, die Vebronia Tabbo ihm für die Eröffnung einer Pizzeria geliehen habe. »Als meine Mutter starb, hatte die Pizzeria gerade acht Monate geöffnet. In dieser kurzen Zeit konnte er das Geld nicht zurückzahlen«, sagt die Tochter der Ermordeten. »Meine Mutter hat auch nie von dem Geld geredet.«

»Polizei ermittelt einseitig«

Insgesamt kritisiert Claudia Tabbo, dass die Kripo stets gegen die Familie, nie aber im Sinne ihrer Entlastung ermittelt habe. Als Beispiel nennt sie ihren Vater, der wegen Habgier auch einige Zeit in Verdacht gestanden habe. »Er hatte jederzeit Zugang zum Geld meiner Mutter. Er hätte nur auf die Bank gehen müssen.« Die Kripo habe es aber unterlassen, bei der Bank zu recherchieren.

In dem Text, den Tabbo und Vogel im Internet veröffentlicht haben, klingt auch die Frage an, ob die Polizei in Richtung der Familie ermittelt habe, weil diese aus Syrien stamme, »lediglich eingebürgert worden ist«. Claudia Tabbo habe zudem den Haftbefehl gesehen, darin habe es geheißen: Ihr Freund stehe zwar unter Verdacht, sei jedoch nur inhaftiert worden, weil Flucht- und Verdunkelungsgefahr bestehe. Zwar habe die Staatsanwaltschaft angedeutet, dass weiter ermittelt werde, nicht nur gegen ihren Freund. Dennoch sei die Beweislage »zu dünn«, um ihn weiterhin in U-Haft festzuhalten. Seltsam sei ihr auch vorgekommen, dass der Anwalt ihres Freundes um Einsicht in die Ermittlungsakten der Kripo habe kämpfen müssen. Erst zwei Wochen nach der öffentlichen Bekanntgabe der Festnahme sei der Aktenordner in der Kanzlei angekommen.

Dr. Angela Vogel berichtet, es lägen Abweichungen zwischen der Anklageschrift und dem Bericht der Kripo vor, der zur Verhaftung des Freunds geführt habe. Die Kripo gehe inzwischen davon aus, dass der Beschuldigte während des ganzen Tags und der ganzen Nacht den Mord begangen haben könnte. Dafür würden jedoch die Beweise fehlen. »Die Ungereimtheiten sind so groß, dass erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Ermittler entstehen.«

Polizei und Staatsanwaltschaft wollen sich derzeit nicht zu den Vorwürfen äußern. Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze sagte gegenüber der WZ: »Das ist völliger Unsinn, wir kommentieren das nicht, das ist nicht sachlich. Wir wollen uns nicht auf diese Ebene begeben.« Zu dem Haftgrund will Heinze derzeit nichts sagen, in der kommenden Woche soll aber eine Pressemitteilung herausgeben werden, durch die die Öffentlichkeit auf den neuesten Stand gebracht wird, beteuert er.

»Altenstädter starren«

Der vollständige Blogeintrag, unterschrieben mit dem Namen Dr. Angela Vogel, verfasst im Beisein von Claudia Tabbo, ist im Internet einzusehen unter www.altenstadt-an-der-nidder.de. Neben der Kritik, die Vogel und Tabbo äußern, wird zudem das derzeitige Gefühlsleben von Claudia Tabbo beschrieben.

Besonders zu schaffen würden ihr die Reaktionen machen, mit der ihr andere Menschen begegnen. Claudia Tabbo erzählt von einer Situation auf dem Friedhof, in der eine alte Frau gesagt habe: »Du gewissenloses Ding hältst zu einem Mörder.«

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