03. September 2018, 21:00 Uhr

Bohnacker-Prozess

Angeklagter im Fall Johanna: Brutale Fesselspiele mit 14-Jähriger

Drogen, sexuelle Fantasien und der Drang, diese mit möglichst jungen Mädchen auszuleben, bestimmten 25 Jahre lang das Leben von Rick J. aus dem Fall Johanna Bohnacker.
03. September 2018, 21:00 Uhr

Das Mädchen war gerade 14 Jahre alt, als sie – vermutlich in den ersten Monaten des Jahres 2016 – über Instagram in Kontakt mit Rick J. kam.

Ob unter dessen richtigem Namen oder einer seiner auf jugendlich getrimmten Fake-Identitäten, blieb am gestrigen 14. Verhandlungstag vor dem Gießener Landgericht offen, weil unter anderem die Handy-Chatverläufe des jungen Mädchens aus dieser Zeit nicht mehr überprüfbar waren.

Der 42-Jährige ist wegen der Entführung, Vergewaltigung und Ermordung der achtjährigen Johanna Bohnacker aus Ranstadt-Bobenhausen im September 1999. Zu seinen Opfern zählt aber auch eine heute 16-Jährige aus Nidda.

 

Kind aus gescheiterter Beziehung

Aus zig anderen Chatverläufen lassen sich jedoch Inhalte rekonstruieren, über die der damals bereits 40-Jährige vielleicht auch mit ihr gechattet haben könnte: über vorhandene sexuelle Erfahrungen, seinen Wunsch nach Nacktfotos, nach Fotos von Selbstberührungen, nach Fotos beim Toilettengang. Im Mai 2016 war die 14-Jährige vom Vater zur Mutter und deren neuer Familie gezogen.

Von den Social-Media-Kontakten ihrer 14-jährigen Tochter, deren geistige Reife einem amtlichen Gutachten zufolge etwa um vier Jahre hinter ihrem tatsächlichen Alter zurück ist, bekam die Mutter ebenso wenig mit wie von den Treffen, die Rick J. mit dem Mädchen vereinbarte.

 

Von Radfahrer überrascht

Insgesamt sechs sollen es gewesen sein; zuvor hatte sich Rick J. im Internet über eventuelle juristische Konsequenzen des Geschlechtsverkehrs mit 14-Jährigen informiert.

Beim Schmusen auf einer Wiese wurde das ungleiche Paar von einem Radfahrer überrascht. Die Jugendliche soll daraufhin den Umzug ins angrenzende Maisfeld vorgeschlagen haben.

Am 14. August 2016 jedenfalls hörte der örtliche Jagdpächter, der das Feld zum Schutz gegen Wildschweine einzäunen wollte, Stimmen aus den Maisstauden. Er rief die Polizei in Büdingen, die allerdings erst zwei Stunden später eintraf – zu spät.

 

Bis zur Blaufärbung abgeschnürt

Zwei Wochen später dieselbe Situation. Auf Rat der Polizei holte sich der Jäger Verstärkung im Ort: ein Landwirt, dessen Enkel und ein weiterer Jäger begleiteten ihn zum Ort des Geschehens.

Auf einer zweieinhalb mal drei Meter großen Fläche, mit Mais und Stroh als Lager ausgepolstert, fanden die vier Männer Rick J. neben dem an Armen und Beinen gefesselten, geknebelten und am Kopf mit Klebeband umwickelten Mädchen.

Ihre Brüste waren bis zur Blaufärbung abgeschnürt – laut Rick J., um ihr den Geschlechtsverkehr, gegen den sie sich beim vorherigen Treffen »immer wieder weggedreht« hatte, angenehmer zu machen.

 

Vorgänge auf Video dokumentiert

Die 14-Jährige, die den Zeugen noch spontan erklärt hatte, freiwillig mit Rick J. im Feld zu sein, zeigte bei der polizeilichen Vernehmung zwei Wochen später sowie bei folgenden Gesprächen mit Ermittlungsbeamten alle Anzeichen einer schweren Traumatisierung.

An die auf Video dokumentierten Vorgänge im Maisfeld – das Filmmaterial wurde bei einer ersten Durchsuchung von J.s Wohnung in Friedrichsdorf sichergestellt – vermochte sie sich angeblich nicht zu erinnern, leugnete den Kontakt zu ihm, leugnete selbst, sich auf den sichergestellten Selfies zu erkennen.

 

Vier weitere Ermittlungsverfahren

Ein einziges Mal äußerte sie sich gegenüber einer auf Sexualdelikte spezialisierten Kriminalbeamtin – distanziert in der dritten Person. »Ein Mädchen«, so die Aussage der inzwischen 16-Jährigen, habe im Maisfeld Angst gehabt, »sich bestimmt Scheiße gefühlt«, nicht sagen können, dass er aufhören solle, Schmerzen gefühlt und Dinge erlitten, »die ihr nicht gefallen haben«.

Zwei Freundinnen aus der Schule gaben zu Protokoll, ihre Freundin habe ihnen gegenüber von »einem Mädchen« gesprochen, das »im Maisfeld vergewaltigt« worden sei.

Aus den Auswertungen der diversen Chatverläufe ergaben sich nach Angaben einer Kriminalbeamtin vier weitere Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchs gegen Rick J., die derzeit bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt anhängig sind.

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