10. Juni 2011, 11:55 Uhr

Entscheidung zur Erweiterung des Museums für Weltkulturen naht

Im beschaulichen Park zwischen den Museen der Weltkulturen und für Angewandte Kunst am Museumsufer graben bislang nur die Kaninchen ihre Höhlen. Bald aber dürften Bagger und schweres Gerät anrücken. Die Anwohner protestieren bereits.
10. Juni 2011, 11:55 Uhr
Anwohner kämpfen für die Bäume im Garten des Museums der Weltkulturen. Einige fallen möglicherweise dem Erweiterungsbau zum Opfer. (Foto: Faust)

Frankfurt. Die kleine Grünanlage wird sich in eine große Baustelle verwandeln, wenn mit dem Erweiterungsbau des Museums der Weltkulturen begonnen wird. 4000 Quadratmeter an zusätzlicher Ausstellungsfläche soll das Haus bekommen, die nach den Plänen des Architekturbüros Kuehn Malvezzi größtenteils unter der Erde liegen wird. Eine Bürgerinitiative protestiert, doch die Stadtverordnetenversammlung wird dem Vorhaben des Magistrats am 16. Juni aller Voraussicht nach mit den Stimmen von CDU und Grünen zustimmen.

»Der Erweiterungsbau an dieser Stelle wird im Plenum beschlossen«, ist der Grünen-Fraktionschef Olaf Cunitz sicher. Die Koalition aus CDU und Grünen brachte 2008 den Architekturwettbewerb für den seit vier Jahrzehnten geplanten und immer wieder mit Verweis auf das klamme Stadtsäckel zurückgestellten Erweiterungsbau auf den Weg. Ende 2010 erkannte eine Jury dem Entwurf von Kuehn Malvezzi den ersten Preis zu.

Anwohner fürchten um Bäume

Seitdem rührt sich Protest. Anwohner, darunter die frühere Kulturdezernentin Linda Reisch, fürchten um den Museumspark. Dieser sei Erholungsraum für die Nachbarschaft und mit seinen teils mehr als 100 Jahre alten Bäumen ein Kulturdenkmal. Dieses dürfe man nicht gegen ein anderes ausspielen. Die Bäume könnten keine Wurzeln mehr schlagen, wenn ein großer Bau unter der Erde errichtet werde. Die Anwohner gründeten eine Bürgerinitiative, die sich »Freunde des Museumsparks« nennt. »Denen geht es doch nur darum, dass sie nicht für Jahre eine Baustelle vor der Nase haben wollen«, glaubt Cunitz.

4500 Unterschriften gegen Bau

Man habe rund 4500 Unterschriften gegen den Bau gesammelt, das seien viel mehr als nur Nachbarn, sagt eine der Sprecherinnen der Bürgerinitiative, Xenia von Schröder. Es gehe ihnen neben den Bäumen um die Baukosten, die nach einer »Grobschätzung« des Hochbauamts rund 80 Millionen Euro betragen dürften. Für den unterirdischen Bau nahe dem Main müsse das Grundwasser aufwendig abgesenkt werden. Ein Angebot des Investors auf dem früheren Degussa-Gelände auf der anderen Mainseite, für 61 Millionen den Erweiterungsbau dort zu errichten, sei der Stadt noch zu teuer gewesen, erinnert Schröder: »Wir wollen wissen, warum das Degussa-Gelände durchgefallen ist. Und ob andere, günstigere Standorte wirklich geprüft wurden.«

Grünen-Politiker Cunitz sagt, seine Partei habe lange für den Standort auf dem früheren Degussa-Gelände geworben, doch keine Unterstützung dafür bekommen, auch von der heutigen Bürgerinitiative nicht. Nun sei die Entscheidung gefallen, »die tragen wir auch mit«. Man erwarte sich vom Erweiterungsbau eine spürbare Aufwertung des bislang räumlich beengten und eher schwach besuchten Museums der Weltkulturen. Die »herausragende Sammlung« verdiene eine attraktive Freilich müsse man »seriöserweise noch einmal den Entwurf auf Einsparmöglichkeiten hin prüfen, wir haben ja nicht unbegrenzt Geld«, sagt Cunitz.

»Feinplanung steht noch aus«

Die Frage sei, ob jedes Haus am Museumsufer ein eigenes Café haben müsse oder ob das Museum der Weltkulturen nicht auch Vortragssäle des benachbarten Museums für Angewandte Kunst mit nutzen könne. Cunitz sagt, die Feinplanungen bis zur fertigen Bau- und Finanzierungsvorlage dauerten sicher mehrere Monate.

Budget von 80 Millionen Euro

CDU-Fraktionschef Helmut Heuser sieht jedenfalls keinen Grund zur Annahme, der Plan für den Erweiterungsbau könne wieder einmal scheitern: »Wir sind uns in der Koalition grundsätzlich darüber einig. Mit einer vernünftigen Planung können wir noch etwas sparen.« Die 80 Millionen Baukosten seien eine recht konservative Schätzung, um später vor bösen Überraschungen gefeit zu sein. Im Vergleich zu anderen Museen sei die Summe auch gar nicht so hoch. Architekt Johannes Kuehn, aus dessen Berliner Büro der Entwurf für den Bau stammt, hält die 80 Millionen Euro für ein realistisches Budget. Er gibt zu bedenken, dass darin auch die Kosten für die museologische Ausgestaltung der Räume und die Neugestaltung des Museumsparks inbegriffen seien. »Der Entwurf ist noch etwas grob, jetzt geht es erst an die Feinheiten«, sagt Kuehn. Die Eingriffe in den Park möchte er gering halten: »Es ist denkbar, dass jeder Baum erhalten bleibt. Wir werden darüber mit Baumsachverständigen reden.«

»Jetzt der richtige Zeitpunkt«

Museumsdirektorin Clémentine Deliss sagt: »Die Aufregung um den Entwurf ist unnötig, weil die Feinplanung ja erst beginnt.« Die Idee, das neue Museum woanders zu bauen, sei abwegig. Das Haus dürfe nicht aus dem Museumsufer gelöst werden und werde mit den benachbarten Häusern Filmmuseum und Museum für Angewandte Kunst zusammenarbeiten. Es gehe um einen »Beitrag zur Bürgerbildung«, sagt Deliss: »Jetzt ist der richtig Zeitpunkt für ein größeres Museum der Weltkulturen. In einer global vernetzten Welt, in einer internationalen Stadt wie Frankfurt kann ich mir kein wichtigeres Museum vorstellen.«

Stephan Loichinger, dapd-hes

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