15. Oktober 2008, 15:00 Uhr

Jazzorchester mit Swinggeschichte und breiter musikalischer Palette

Das Interesse der Kölner an »ihrer« Big Band ist ungebrochen. Und dass, obwohl das Jazzorchester des WDR in diesem Jahr schon einige interessante Projekte vorstellte, so im Februar mit dem amerikanischen Saxofonisten Bill Evans oder unlängst mit der Funklegende Maceo Parker. Ausverkaufte Säle - auch überregional.
15. Oktober 2008, 15:00 Uhr
Vibrafonist Gary Burton in Aktion (Foto: Schenk)

Und das mit einer Musik, die manche vielleicht eher etwas altertümlich finden und herablassend mit militärischer Blasmusik der aus der Mode gekommener Swingsbands gleichsetzen.

Dazu kann Lucas Schmid, Produzent der WDR Big Band nur schmunzeln. »24 Produktionen machen wir im Schnitt im Jahr«, so Schmid. Das Geheimnis der Attraktivität des 18-köpfigen, 50 Jahre alten Rundfunkorchesters sind die spannenden und abwechslungsreichen Partner, die es sich für ihre Produktionen sucht. Wenn Jazzgrößen wie Joe Zawinul oder Paquito d`Rivera mitspielen, ist ihm auch ein großes Interesse der Medien gewiss.

So auch bei dem wohl bekanntesten Jazz-Vibrafonist Gary Burton. Die WDR Big Band widmete ihr Eröffnungskonzert für die Saison 2008/2009 Anfang September dem musikalischen Lebenswerk des 1943 in Indiana geborenen Musikers und Komponisten. Mit seiner Vier-Schlägel-Technik setzte er Anfang der 60er Jahre neue Klangmaßstäbe für das Vibrafon. Burton ist es zu verdanken, dass der warme, meditative Ton ebenso wie die wirbelnden, glockenartigen Klänge der über die metallenen Platten tanzenden Schlägel neu zur Geltung kamen. Sein Stil weist eine große spielerische Spannweite auf. Die WDR Big Band durchstreifte das weitgespannte Repertoire des Autodidakten lässig und mit der vertrauten Spielfreude. Burtons Originalkompositionen und Lieblingsstücke erhielten durch die Arrangements von Michael Abene, Chefdirigent und erster Komponist, ein faszinierendes jazzorchestrales Format.

Der Ursprung der heutigen WDR Big Band Köln liegt im Kölner Rundfunk-Tanzorchester das 1946 beim damaligen NWDR Köln, dem Vorgänger des heutigen WDR. Ende der 1950er-Jahre entdeckte man beim WDR die Liebe zum Jazz. Kurt Edelhagen wurde mit dem Aufbau einer Jazz-Bigband beauftragt. Er brachte drei Musiker seiner bisherigen Band beim SWF nach Köln. Alle anderen suchte er sich in Europa zusammen, und mit Musikern aus acht Nationen war die Band vollzählig.

Obwohl Lucas Schmid die Projekte der Big Band bis zu einem Jahr vorbereitet, ist nicht alles planbar. Seit längerer Zeit war die neue Produktion der WDR Big Band mit dem Bassisten Hiram Bullock und dem Trompeter Randy Brecker angekündigt - ein echter Leckerbissen für Freunde des Rhythmus-lastigen, funkigen Jazz. Doch vor zwei Monaten verstarb Gitarrenheißsporn Bullock, der nicht nur auffiel durch seinen ungestüme Spielfreude, sondern auch durch Entertain-Qualitäten. Mitunter war Bullock ganz undogmatisch auch schon barfuß aufgetreten. Viele mögen sich derweil mit gemischten Gedanken auf den Weg zu dem Konzert gemacht haben, das jetzt den Namen »Remembering Hiram Bullok«.

Gewohnt souverän setzte Randy Brecker seine trompeterischen Akzente, die man gemeinhin als »Soulbop« bezeichnet. Waghalsige, atemlose Läufe wechseln mit rhythmisierenden Passagen und Melodien, die zum Mitwippen animieren. Auch die Band war gut aufgelegt im präzisen Zusammenspiel ebenso wie bei den anspruchsvollen Soli. Der hierzulande noch unbekannte afrikanische Sänger Ola Onabule beeindruckte mit einer stimmlichen Vielfalt, die sowohl die bis an die Schmalzgrenze reichende Inbrunst eines Tom Jones als auch die schalkhaften Clownereien eines Al Jarreau abdeckte. In dem Gitarristen Dean Brown hatte man sicher den bestmöglichen Ersatz für den Verstorbenen gefunden. Aber eben nur einen Ersatz. Trotz eines kurzweiligen Konzerts wünschte man sich den »Groovemaster« Hiram Bullock zurück.

Wer das Konzert der WDR Big Band mit Maceo Parker unter dem Titel »Tribute to Ray Charles« verpasst hat, kann es am 5.November bei den Leverkusener Jazztagen oder am 6. November beim Jazzfest Berlin nachholen. Beate Schenk

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