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Damit Tulpen bald prächtig blühen, sollte man den austreibenden Pflanzen etwas Volldünger geben. FOTO: DPA

Mit nackten Zweigen schön

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Es gibt momentan kaum was zu tun für Hobbygärtner im Garten - und gerade das ist tückisch. Denn je nach Wetterlage brauchen manche Pflanzen trotz der Winterruhe Wasser, andere schwitzen unter dem Frostschutz.

Noch sind die meisten Sträucher und Bäume kahl. Das ist die Stunde einiger Schönheiten, die erst wirklich ins Auge fallen, wenn sie ihre Blätter verloren haben. Dazu zählt etwa der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea), dessen leuchtend rote Rinde erst ohne das Blätterkleid auffällt, erklärt der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL).

Die Zweige der Korkenzieherweide (Salix matsudana ›Tortuosa‹) haben hingegen einen interessanten Wuchs: Ihre gedrehten Zweige zeigen zum Himmel, was ebenfalls erst blattlos so richtig auffällt.

So manches Gehölz verliert zwar früh seine Blätter, trägt aber noch länger Früchte. Der BGL rät etwa zur Eberesche (Sorbus aucuparia) mit kugelrunden roten Früchten an den kahlen Ästen.

Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern bietet in Deutschland überwinternden Vögeln auch Nahrung. Ein weiterer Tipp ist der Gemeine Schneeball (Viburnum opulus) mit ebenfalls roten Beeren. dpa

Tulpen, Narzissen und Zierlauch halten sich länger und prächtiger im Garten, wenn sie ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind. Daher rät die Staudengärtnerin Svenja Schwedtke aus Bornhöved (Schleswig-Holstein), diesen Pflanzen kurz nach ihrem Austreten aus dem Boden Dünger zu geben. Am besten, wenn sie drei bis vier Zentimeter aus der Erde herausschauen. "Auf jeden Fall aber vor der Blüte."

Gut geeignet ist ein sogenannter Volldünger, der aber nicht zu viel Stickstoff enthalten darf. Ein Tomatendünger zum Beispiel ist ideal.

"Viele Menschen sind überrascht, dass Blumenzwiebeln gedüngt werden müssen", erläutert die Gärtnerin. "Doch die legen ihre Blüten für das kommende Jahr schon sehr, sehr früh an und benötigen deshalb Nährstoffe schon für die nächste Saison."

Aus diesem Grund sollte man die Blätter der Zwiebelpflanzen auch nicht direkt nach der Blüte im Frühjahr abschneiden, sondern damit warten, bis diese gelb werden. So hat die Pflanze nach der anstrengenden Blüte noch etwas Zeit, Nährstoffe in den Zwiebeln einzulagern. dpa

Dieser Winter gleicht dem April: Gestern war es noch bitterkalt, morgen schon schickt er in manche Landesteile milde zweistellige Temperaturen. Dem Garten schadet all das eigentlich nicht - die Pflanzen sind auf das winterliche Wechselwetter eingestimmt, das sie in Deutschland vom Oktober bis sogar in den Mai hinein treffen kann. Trotzdem können Hobbygärtner etwas tun: Zweistellige Temperaturen kommen auch im Winter vor. Das kann für manche Pflanzen zum Problem werden: Sind sie gut unter Vlies oder isolierenden Stoffen eingepackt, schwitzen die Pflanzen an besonders warmen Tagen. Noch schlimmer: Die Wärme gaukelt ihnen auch vor, es sei schon Frühjahr und die Pflanzen treiben aus, wenn die Wärmeperiode länger anhält. Bei einem erneuten Frost kann das zu Erfrierungen an den neuen Trieben führen, erläutert der Naturschutzbund Deutschland (NABU).

An frostfreien Tagen aufdecken

Daher gilt an warmen Tagen: Frostsicher eingepackte Pflanzen rasch von ihrer warmen Kleidung befreien, aber das Vlies weiterhin bereithalten. Denn wird es wieder kalt, brauchen sie den Schutz erst recht. Wenn das Thermometer nach frostigen Tagen ins Plus steigt, brauchen immergrüne Pflanzen Wasser. Denn sie verdunsten auch im Winter Wasser über ihre Blätter. Ist der Boden gefroren, können sie aber keinen Nachschub ziehen - die Pflanzen drohen, zu vertrocknen.

Daher gilt: Hobbygärtner sollten Immergrünen vorsorglich an allen frostfreien Tagen Wasser geben, rät der Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL). Das gilt besonders für Topfpflanzen, Immergrün im Gartenboden kann noch aus tieferen Bodenschichten Wasser aufnehmen. Frost in der Nacht, Plusgrade am Tag: Diese Situation gibt es gerade zum Winterende häufig. Während das Thermometer nachts unter null Grad rutscht, ist es am Tag lauer. Vor allem dann bilden sich die meisten Winterschäden der Pflanzen: durch schnelles Frieren und erneutes Auftauen in der Sonne reißen die Zellwände.

Nun muss man die Pflanzen nicht nur nachts vor Frost, sondern tagsüber auch vor der Sonneneinstrahlung schützen: Sie kommen am besten an einen schattigen Standort oder werden mit Matten und Laken vor der Sonneneinstrahlung bewahrt.

Wenn die Schneedecke fehlt

Frost ohne Schnee ist ebenfalls ein Problem. Schnee ist in Deutschland derzeit kein wirkliches Thema - Orte im Gebirge ausgenommen. Gibt es dann Minusgrade, kann das eine gefährliche Situation für viele Gartenpflanzen ergeben. Der sogenannte Kahlfrost - also Minustemperaturen ohne eine schützende Schneedecke für die Pflanzen - ist besonders intensiv. Nur jene, die wirklich winterhart sind, überleben das. Alle anderen Pflanzen brauchen nun eine warme Hülle, etwa eine Reisigdecke oder ein Jutekleid. Man sollte an solchen Tagen und insbesondere Nächten also reagieren und die kälteempfindlicheren Pflanzen mindestens zeitweise einpacken.

Wichtig ist an frostigen Tagen noch etwas anderes: Der Rasen sollte so wenig wie möglich betreten werden. Dazu raten die Experten der Zeitschrift "Mein schöner Garten" auf Twitter. Die Begründung leuchtet ein: Die gefrorenen Gräser sind steif und knicken unter dem Gewicht leicht ab, Blätter und Halme zerbrechen sogar.

Wer keinen Garten hat, kann trotzdem für den Natur- und Umweltschutz eintreten: über Blühpatenschaften. Doch die Vielzahl an Projekten im Netz überfordert. Wie man das richtige Projekt findet, erklärt Christian Hönig, Fachreferent für Baumschutz beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Gibt es Kriterien, auf die ich bei der Auswahl meiner Beteiligung achten sollte?

Ich würde beachten, dass man nicht nur eine Wiese hat, sondern dass auch eine Vernetzung von Flächen geschieht. Denn viele Insekten können nicht mehr von ihren begrenzten Refugien abwandern. Es ist also nur begrenzt hilfreich, wenn ich eine schöne Wiese für Insekten und Pflanzen habe, die aber nicht so leben können, wie sie es gewohnt sind. Dann ist darauf zu achten, dass die Blühangebote auf die lokalen Insekten genau abgestimmt sind.

Blühstreifen an Feldern sind ebenfalls beliebt. Wenn man Ihre Kriterien anlegt, sind aber auch sie problematisch, oder?

Hier hat sich leider gezeigt, dass die blühenden Randstreifen für Insekten gefährlich sein können. Denn werden diese als Blühstreifen angelegt und dann im Feld daneben Pestizide und Herbizide gesprüht, sind die Randstreifen Todesfallen.

Gibt es keine einheitlichen Standards für die Projekte, an denen man sich orientieren kann?

Es gibt bei den Blühpatenschaften noch kaum Standards und keine Zertifikate, denn das Ganze entwickelt sich gerade erst. Fragen zu stellen, ist daher wichtig. dpa

Sie sind schon da: Narzissen, Tulpen, Ranunkeln, Primeln, Anemonen und viele andere Frühblüher gibt es bereits im Gartenhandel - vorgezogen, teils sogar blühend und scheinbar bereit für den Balkonkasten oder das Beet. Doch für die Frühblüher ist es im Freien meistens noch zu kalt.

Die Pflanzen wurden in warmen Gewächshäusern vorgezogen. Werden sie nun den frostigen Wintertemperaturen im Freien ausgesetzt, nehmen sie Schaden oder sterben sogar.

Daher rät die Bayerische Gartenakademie, die Pflanzgefäße ins Haus zu holen, wenn Frost angesagt ist. Oder man schützt die Pflanzen mit einem - vielleicht sogar mehrlagigen - Vlies.

Temperaturen um den Gefrierpunkt vertragen die Frühblüher aber in der Regel noch gut ohne Schutz, so die Gartenexperten. Kompakt gewachsene Pflanzen können auch noch tiefere Temperaturen überleben.

Eine schöne Dekoration sind die Pflanzen aber für den Wohnraum, auch wenn sie sich hier kürzer halten werden als im Freien. Die Experten raten, die Frühblüher im Topf an einem hellen und kühlen Standort zu halten - oder diese mindestens über Nacht an einen kühleren Platz zu stellen. dpa

Quelle: Gießener Allgemeine

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